„Der Anfang in Dresden war ein Abenteuer!“

Stefan Kreuzer (45), Leiter des Rechtsanwaltsbüros Dr. Kreuzer & Coll

Betrachtet man Stefan Kreuzer, könnte man annehmen, er sei Workaholic: erfolgreicher Anwalt, Dozent und Vereinsvorsitzender. Aber das Konzept des Nürnbergers, den es nach Dresden verschlagen hat, scheint aufzugehen.

Der Mauerfall 1989 war ein Rausch der Freiheit, ein Ereignis. Wir haben überlegt, was wir als Unternehmer beitragen können." So beschreibt Stefan Kreuzer die Entstehung der Idee seiner damaligen Nürnberger Kanzlei, Dr. Kreuzer & Coll, eine Außenstelle in Dresden einzurichten. Der Arbeitgeber nahm als einer der Ersten Kontakt mit ostdeutschen Anwaltsbüros auf und im Juli 1990 durften sie noch mit Genehmigung des Ministerrats der DDR ihr Zweitbüro in Dresden eröffnen.

„Ein Abenteuer war es", sagt Kreuzer über diese Anfangszeit. Sein Büro durfte er nicht einfach selbst mieten, es wurde zugewiesen, und weil die Öfen nicht funktionierten, behalf man sich mit Radiatoren. „Als aber alle Sicherungen herausgefallen sind, mussten wir auf Gasflaschen umsteigen." Nach und nach wurden die Geschäftsräume ausgebaut und auch heute noch ist man dem Anfangsstandort, Hüblerstraße 1, der am quirligen Schillerplatz zu finden ist, treu geblieben. Kreuzer berät als Anwalt für Arbeitsrecht heute Unternehmen über die Personalplanung und die Gestaltung der Arbeitsverträge. Er empfiehlt, welche Schichtmodelle infrage kommen oder ob ein Prämiensystem ratsam ist.

Neben seiner Arbeit in der Kanzlei engagierte sich Kreuzer schon als Lehrbeauftragter für die Referendare am Landgericht oder die Studenten an der Hochschule für Technik in Dresden. Die Gegend um das Blaue Wunder liegt ihm besonders am Herzen. Seit dem Jahr 2005 tritt er deshalb als Vorsitzender des Gewerbevereins „Blaues Wunder e.V." für die Entwicklung dieses Stadtteils ein. Im Rahmen der Stadtteilentwicklung versucht die Stadt Dresden, zwölf kleinere Zentren, die neben der Innenstadt existieren, zu fördern.

Der Verein macht sich Gedanken, wie er die fast 100 Geschäfte in der Gegend um den Schillerplatz, welche größtenteils zum Einzelhandel gehören, unterstützen kann. „Dabei geht es um traditionsreiche Läden, die teilweise über 100 Jahre alt sind und in denen Sie Dinge wie Designerschmuck kaufen können, die es so nicht überall in der Stadt gibt", meint Kreuzer. Ein Teil des Plans ist deshalb, die Gegend und vor allem die Brücke nachts durch Designbeleuchtungen von Künstlern zur Geltung zu bringen. „Unsere Vorstellung ist, dass die Gegend um das Blaue Wunder zum Verweilen und Rasten einlädt", so Kreuzer. Im Sommer ist dies schon der Fall, wenn Radfahrer und Spaziergänger an den Elbwiesen flanieren und ein kühles Blondes in einem der Biergärten trinken.

 

So gern Kreuzer über diesen Stadtteil spricht, der nicht nur sein Arbeits-, sondern auch sein Wohnbereich ist, so muss er ihn auch ab und zu verlassen, wenn er sich seinen sportlichen Hobbys widmet. Seit vielen Jahren fahren er und seine Frau Snowboard oder im Elbsandsteingebirge Mountainbike. Aber auch sonst sei er „für Funsportarten zu haben". Dies und sein Erfolg werden für ihn schon für den nötigen Ausgleich sorgen, denn ruhig wirkt Kreuzer allemal.

Madeleine Friedrich
Fotos: Phillip Döhler