Die Straußenei-Designerin

Enka Schwabe (63) aus Radebeul

Nur zwei Personen auf der Welt stellen Designer-Straußeneier her - und eine davon hat ihr Atelier in Dresden. Die ehemalige Kunsterzieherin Enka Schwabe hat mit ihren Schmuckstücken schon viele Menschen begeistern können.

Jedes Ei ist ein Unikat. Das kann ich so nie wieder herstellen“, erklärt die Künstlerin. Sie lässt sich Straußeneier ungefüllt und sauber aus Südafrika liefern und beklebt sie mit altem Schmuck, der zwischen 1880 und 1940 hergestellt und getragen wurde. „Ich arbeite nicht mit neuem Schmuck! Vor allem nicht mit Strass. Wenn ich den angucke, fallen die Steine schon auseinander“, so Enka Schwabe.

Für diese Feinarbeit ist Geduld und sehr viel Geschick nötig. Das erkennt man sofort, wenn man ihr Atelier betritt. Mit viel Liebe eingerichtet, bietet es den Kunden neben den Designer-Straußeneiern exklusives Wohndesign wie italienische Keramik, hochwertige Tischdecken, Lackkerzen sowie ausgefallene Geschenkideen. „Ich hab lange überlegt, ob ich nicht in die Stadt gehe und mir dort einen Laden nehme. Aber ich habe festgestellt, dass in Radebeul eine familiäre Atmosphäre herrscht“, meint die Künstlerin.

Doch was hat Enka Schwabe auf die außergewöhnliche Idee gebracht, Eier zu gestalten? Anfang der 90er-Jahre brachte ihr eine Freundin aus dem Urlaub zwei Straußeneier mit. Zuerst bemalte Enka Schwabe die Eier, stellte dann aber fest, dass das nichts Besonderes war. Dann entdeckte sie eine Firma, die Schmuck-elemente produzierte, mit denen man Modeschmuck herstellen konnte. Das brachte sie auf die Idee, die Eier mit Schmuck zu bekleben. Die dekorierten Eier stellte sie zu dieser Zeit noch in Styroporbastelkränze, mit einem Satinband umwickelt. Später setzte sie die Eier in Silberschalen. Nun konnte sie die Schmuck-elemente aus dem Hobby-Bereich nicht mehr verwenden. So kam sie mit der Dresdner Firma Schöne in Kontakt, die ihr Gold- und Silberketten in Meterware lieferte.

Die Designer-Straußeneier waren sofort im Blickfeld von verschiedensten Antiquitätenhändlern, die ihr die Eier abkauften. So konnte sie nach einigen Jahren ihr Hobby zum Beruf machen.

Dass jedes Designer-Ei auf einem Ständer bzw. in einer Schale steht, ist das Markenzeichen der Künstlerin. Stets ist sie auf der Suche nach neuen, interessanten Schalen, die sie für ihre Arbeit gebrauchen könnte. Nicht nur das: Auch der Schmuck muss organisiert werden. Den findet sie heute vorwiegend auf Flohmärkten. Vor einigen Jahren hat sie das noch alleine getan, doch heute hat sie zwei Partner, die ihr bei der Suche behilflich sind. „Ich kann nicht jedes Wochenende auf Trödelmärkte“, erklärt sie. Doch ab und zu packt sie die Lust und sie zieht selbst los. In Dresden ist sie mittlerweile zu bekannt, sodass sie den Schmuck nicht mehr zu einem Preis bekommt, den sie bereit ist, zu zahlen.  „Am besten komme ich klar, wenn ich in Städten bin, wo mich keiner kennt“, verrät die Designerin. „Wenn ich dann allerdings die Glieder der Ketten zähle, schauen mich alle verwundert an. Aber der Schmuck muss von der Länge her passen“, schildert Enka Schwabe. Ein Straußenei hat immerhin einen Umfang von 39,5 bis 40,5 cm. Das muss beim Aussuchen des Schmuckes bedacht werden.

Apropos Schmuck: In ihrem Atelier hat sie bereits eine große Ausbeute in zwei Kästen verstaut. Nicht alles passt zusammen. Außerdem hat sie sich das Ziel gesetzt, immer ein Element des Ständers in das Ei einzubauen, damit ein harmonisches Bild entsteht.

Ihre Arbeit erfordert höchste Konzentration. „Die Eier mache ich nur nachts. Da darf mich keiner stören“, offenbart die 63-Jährige. Sie setzt sich hohe Maßstäbe. „Es geht bei mir kein Ei raus, von dem ich nicht überzeugt bin.“ Wenn sie einmal in einer Arbeitsphase steckt, gestaltet sie gleich mehrere Eier, meist acht oder neun. „Aber danach brauche ich Pause. Dann bin ich ausgepowert und hab keine Ideen mehr“, so Enka Schwabe. Schon um ein Straußenei fertig zu stellen, benötigt die Designerin zwischen 20 und 35 Stunden.

Der heutige Kundenkreis besteht aus Menschen, die sich für schöne Dinge begeistern können. Sie hat keine Laufkundschaft. „Die Leute kommen mit einem Ziel hierher. Da geht keiner raus, der nichts kauft“, verrät die Künstlerin.

Bis jetzt hat Enka Schwabe schon 156 Eier verkauft und der Bedarf scheint nicht ab-, sondern eher zuzunehmen. Mit ihrer Philosophie, „immer ausgefallene Sachen haben“, liegt sie goldrichtig.          

Adriane Schmidt (Disy Herbst 2006)

 

Eine Künstlerin mit internationalem Renommee