Angelika Perret (46), Partnerin von "Schneider + Partner"

„Der Weg hinaus ist der Weg hindurch“

Nur wenige Frauen haben das, was Angelika Perret hat: die perfekte Mischung aus Strenge und Charme, Zielstrebigkeit und Gelassenheit, Freundlichkeit und Härte.

Die Wahldresdnerin mit der Doppelqualifikation Wirtschaftsprüfer und Steuerberaterin ist Partnerin und Niederlassungsleiterin der führenden Dresdner Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Schneider + Partner. Daneben ist Angelika Perret Präsidentin der Wirtschaftsprüferkammer in Sachsen.

Eine Siegerin in einer Männerdomäne, ein Vorbild für viele Karrierefrauen. In Augsburg geboren, hat sie ein Wirtschaftsgymnasium besucht, danach eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Sparkasse in Augsburg absolviert. Sie schloss ein Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an und wurde Steuerassistentin bei AA&Co (Arthur Andersen in München).

Nach bestandenem Steuerberaterexamen entschied sie sich für eine Anstellung bei der Alllianz, wo sie für die Entsendung deutscher Angestellter ins Ausland verantwortlich war. Im Jahr 1992 hatte sie dann selbst die Möglichkeit, nach San Francisco zu gehen. Während der Entscheidungsfindungsphase traf sie einen ehemaligen Kollegen von „Arthur Andersen“ wieder und bei einem Gespräch im Englischen Garten in München kam das nächste Angebot: Dresden.

„Ich fuhr also an einem schönen Sommerwochenende nach Dresden, freute mich über die schöne Landschaft der Sächsischen Schweiz, die Dampfer auf der Elbe und den Kaffee im Luisenhof und entschied – zwei Jahre.“

Ende desselben Jahres zog Angelika Perret dann nach Dresden, wo das kalte Regenwetter des Novembers ihre Stimmung zunächst trübte und sie ins Zweifeln kommen ließ, ob es richtig gewesen war, ihre Freunde und Bekannten in München zurückzulassen. „Die ersten drei Jahre bin ich regelmäßig zwischen München und Dresden gependelt“, erzählt sie. „Ich wusste aber, dass es über die Entfernung schwer ist, Beziehungen zu pflegen, und dass ich mich entscheiden muss.

Letztendlich ist meine Wahl dann endgültig auf Dresden gefallen.“  Angelika Perret, mit 46 Jahren ledig und kinderlos, bereut ihre Entscheidung von damals heute nicht. „Mein Leben ist ausgefüllt und glücklich. Ich habe hier viele neue Freunde und Aufgaben gefunden.“

Die ersten Monate in Dresden 1992 schlief sie auf einer Matratze bei einer Freundin in Johannstadt, erklärte ihren Mitarbeitern Grundsätze der Buchhaltung und organisierte viele Arbeitsabläufe neu. Sie führte ein Zeiterfassungsgerät ein, verbot Radios in den Büros, stellte Regeln auf, bestimmte Arbeitskleidung und Kernarbeitszeiten.

„Die reinste Pionierarbeit“, erinnert sich die erfolgreiche Geschäftsfrau. Sie hat bei den rund hundert Mitarbeitern auch heute noch den Ruf einer strengen Chefin. „Ich bin konsequent. Hart, aber gerecht. Es gibt kein Du und keine Sonderstellung. Miniröcke, Tops und Jeans im Büro sind verboten“, erklärt sie ihre Linie. So streng sie auf der einen Seite ist, so ein großes Herz hat sie auf der anderen. Angelika Perret ist ehrenamtlich Schatzmeisterin in vielen Vereinen und gemeinnützigen Institutionen wie beim „Sonnenstrahl e.V.“, beim „TC Blau-Weiß“ oder im „Förderverein Kommunikationswissenschaft der TU Dresden“.

Das enorme Arbeitspensum schafft sie, weil sie sehr früh morgens im  Büro ist. „So habe ich einige Zeit Vorlauf.“  Abends bleibt sie oft bis acht oder zehn Uhr im Büro, kommt einen Tag am Wochenende auf Arbeit. „Ja und? Alle Geschäftsführer und leitenden Angestellten machen das bei uns“, wischt sie den Einwand der Aufopferung weg.

Abends stehen häufig Geschäftsführerbesprechungen, Mandantenseminare oder gesellschaftliche Veranstaltungen an. Daneben hält Angelika Perret  Vorträge an der TU oder kümmert sich um den Nachwuchs des Berufsstandes als Mitglied der Prüfungskommission für Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Das Geldverdienen steht dabei nicht im Mittelpunkt. „Geld ist Mittel zum Zweck eines guten Lebens.“

 Einmal im Monat geht sie mit Freunden wandern, zweimal in der Woche zum Fitness ins Thomas Sportcenter (vor der Arbeit), manchmal auch ins Kino (Lieblingsfilm: „Die weiße Massai“). Sie hat zwei Abos für die Semperoper, mag Konzerte in der Frauenkirche und ist eine begeisterte Köchin. „Nudeln und Salat, da bin ich Spitze. Ich hab nur keine Zeit zum Einkaufen“, lacht sie.

Als sie von ihrer Villa erzählt, wird die Geschäftsführerin endlich etwas lockerer, lehnt sich zurück, entspannt sich. „Ich habe die Villa 2003 gekauft und in drei Monaten saniert“, berichtet sie stolz. Ihre Mutter und ihre Schwester leben noch in Augsburg. Ob sie ihre Familie vermisst? „Manchmal schon. Besonders wenn es einem mal nicht so gut geht, ist Familie sehr wichtig.“  Angelika Perret weiß, wovon sie spricht. 1986 war sie selbst schwer krank, war ein halbes Jahr im Krankenhaus. „Die Krankheit verändert das Leben, begleitet einen ständig, mal mehr und mal weniger stark.“ 1996 folgte wieder eine schwere Operation. „Man merkt, wie die Medizin sich entwickelt hat. Dieses Mal brauchte ich nur zehn Tage im Krankenhaus bleiben.“

Angelika Perret hat noch viel vor. Sie will Schneider + Partner zu einer Marke entwickeln und noch bekannter machen, sie braucht mehr Fachpersonal und will das Leben weiter genießen bei Fahrten mit ihrem roten BMW-Cabrio, einem Espresso im „Alte Meister“, beim Verwöhnenlassen bei „Coiffeur Lauda“ oder einem Kurzurlaub auf La Gomera oder in Südafrika. Ihr Lebensmotte: „Der Weg hinaus ist der Weg hindurch.“        

 

(Anja K. Fließbach, Disy Frühling 2006)