Ellen John, Zahnchirurgin (44), meistert bravourös Karriere und Großfamilie

„Ich bin nicht die große Überfrau“


Sie mag Winterurlaub und Skifahren, hat einen „ausgeprägten Weihnachtsfimmel“, kocht gern mit ihrer Patchworkfamilie, hat ein Faible für alle Arten von Ballett und Tanz, liebt die Spaziergänge mit ihren 2 Schäferhunden, verabscheut an anderen Faulheit und Schlampigkeit, führt mit ihrem Geschäftspartner Doz. Dr. med. habil. Michael Fröhlich eine sehr erfolgreiche Praxis für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie (MKG) in Dresdens Innenstadt.

Man schafft alles, es ist nur eine Frage der Organisation“, sagt Ellen John selbstbewusst und mit einem Lächeln gleich am Anfang unseres Gesprächs. Und sie ist der lebende Beweis dafür.
In den 80ern studiert die gebürtige Dresdnerin Medizin in Berlin und Dresden bis zum medizinischen Staatsexamen. Sie heiratet, erhält eine Anstellung an der Uniklinik in Dresden und ihr Sohn wird geboren. Doch dann bekommt ihr klar geplanter Karriereweg durch die Wende einen Knick und ihr großes Organisationstalent ist erstmals so richtig gefragt. Am Tag der anstrengende Job in der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, zu Hause ein kleines Kind und dazu ein nach neuen Richtlinien notwendig gewordenes 2. Studium wollen gemanagt werden. Trotz dieser Belastungen schließt sie 1997 mit tollen Noten und dem Facharzt für MKG ihre Ausbildung ab. Doch sie ist ein viel zu dynamischer, nach vorn denkender und perfektionistischer Mensch, um sich auf diesen Erfolgen auszuruhen. Ellen John macht also in diesem Tempo weiter und wechselt 1998 in die Praxis von Doz.Dr.med.habil. Michael Fröhlich. Mit ihm betreibt sie seit 2002 eine Gemeinschaftspraxis für MKG mit dem Schwerpunkt Implantologie. Im Dezember 2004 erfolgt der Umzug der Praxis in eine der Topadressen der Stadt. Der Slogan dieser Einrichtung: medizinische Innovation im Herzen Dresdens, präzise, anspruchsvoll, hochwertig - und sie finden damit begeisterten Anklang bei den Patienten. Als harmoniebedürftiger Teamplayer schafft sie sich mit hochmotiviertem Personal das Arbeitsumfeld, das sie befähigt, auch nach 12 Stunden anspruchsvoller Operationen ihre positive Ausstrahlung zu behalten und sagen zu können, sie fühle sich nie gestresst.

Parallel zu dieser Entwicklung baut sich die inzwischen geschiedene Ärztin in Großröhrsdorf ihre „Großfamilie“ auf. Ausgangspunkt war: „Mein Sohn sollte kein verwöhntes Einzelkind werden und die Möglichkeit haben, fließend Englisch im Alltag zu lernen.“ So beginnt sie vor über 10 Jahren, junge Austauschschüler für 1 Jahr oder länger bei sich aufzunehmen. Derzeit leben eine rumänische Studentin (20) und eine mexikanische Schülerin (18) bei ihr. Die Jugendlichen werden jedes Mal vollständig ins Familienleben integriert. Sie möchte Werte vermitteln und Emotionen zurückbekommen. Ellen John braucht Leben und Trubel um sich und möchte den Kids eine nicht „typisch deutsche“ Familie nahebringen. „Man begreift so die Weltpolitik besser“, sagt sie über ihre internationalen Gäste. Das Sprachgewirr zu Hause umfasst Englisch, Spanisch, Russisch und Deutsch und zur Not kommt die „Bibel“ der Familie, das Wörterbuch, zum Einsatz. Ein besonderes Highlight bildet jedes Jahr das Weihnachtsfest mit 5 Meter hoher Tanne und reichlich erzgebirgischem Schmuck im ganzen Haus. „60 Bleche Kekse haben wir im letzten Jahr gebacken“, verkündet Ellen John und ihre Augen glänzen begeistert.

Doch auch damit nicht genug. Sie macht eine Zusatzausbildung für medizinische Hypnose mit dem Ziel einer möglichst stressarmen Zusammenarbeit von Patienten, Angehörigen und Ärzten. Außerdem arbeitet sie an einer weiteren Promotion, die sich thematisch mit dem Angstverhalten der Patienten unter Hypnose im Vergleich zur Anwendung von Tranquilizern befasst. Dabei wirkt sie weder gehetzt noch rastlos. Sie arbeitet gern und viel, findet aber auch die Zeit für eine Entspannungsmassage, zelebriert Saunastunden zu Hause und besucht Ballett­abende mit den Mädchen.

Ihre Akkus lädt sie unter anderem im alljährlichen Winterurlaub auf, den sie mit Kids und Hunden in den Bergen verbringt. Um „ihren Kindern“ Schnee nahezubringen, lernen traditionell alle bei ihr Ski fahren.

Die Begegnung mit dieser warmherzigen, offenen und lebenslustigen Frau ist für jeden eine Bereicherung und lässt mich nur Hochachtung und Respekt empfinden, auch wenn sie keine „Heldenverehrung“ mag. Ihr Motto: „Mein sonniges Gemüt macht mir alles leichter“. Sie braucht ihren befriedigenden Job genauso wie ein offenes Haus und einen großen Freundeskreis. Sie ist streitbar und sagt von sich: „Zurückhaltung ist nicht mein Ding, ich diskutiere lieber, bis die Fronten geklärt sind.“ Und sie beweist einmal mehr, dass Frauen von heute Karriere und Familie durchaus unter einen Hut bringen können, ohne dass der Spaß am Leben zu kurz kommen muss.            

Kerstin Fliedler