Das Hobby zum Beruf gemacht: Annette Bellan - exklusives Essen ist ihre Passion

Sie liebt gutes Essen, hat ein Faible für Südostasien, erholt sich beim Walking Waldpark oder mit Ayurveda. Als Chefin eines der führenden sächsischen Cateringunternehmen sie Feinschmecker von Dresden über London bis hin nach St. Petersburg.

"Eigentlich wollte ich Fluglotse werden, große Flugzeuge dirigieren, sie in den Himmel auf ihre weiten Reisen schicken und wieder sicher auf den Boden zurückgeleiten“, erinnert sich Annette Bellan, Gründerin und Geschäftsführerin von „Bellan Catering“ in Dresden. Jetzt schickt die agile Geschäftsfrau, die erst vor wenigen Tagen ihren 40. Geburtstag feierte, auch wieder Menschen auf die Reise. Allerdings sind diese Reisen eher lukullischer Art und führen zu einer anderen Form des Abhebens, als dies bei einem Flugzeug möglich wäre.

Als junges Mädchen stand die heutige Unternehmerin häufig bei ihrer Mutter in der Küche und half beim Kochen, aber auch beim Tischdecken. Dass dies und die Zubereitung unterschiedlichster Speisen einmal zum Beruf werden würde, war auch bei Antritt der Lehre als Hotelfachfrau im Nürnberger Maritim Hotel nicht absehbar.
Die dreijährige Ausbildung in den Jahren 1987 bis 1990 absolvierte die gebürtige Fränkin recht gelassen, hatten doch verschiedene Praktika und Vertretungen im Hotel ihres Vaters am Nürnberger Messegelände mit Arbeitszeiten zwischen 12 und 16 Stunden die junge Frau frühzeitig abgehärtet.

Den Weg in die sächsische Landeshauptstadt fand Annette Bellan, wie zahlreiche andere Neudresdner auch, über die Liebe. „Einen Tag nachdem ich das Angebot erhalten hatte, Verkaufsleiterin des Nürnberger Altea Hotels zu werden, wechselte mein Partner nach Dresden.“ Dass man als Berufseinsteiger eine derartige Stelle nicht ausschlägt, versteht sich von selbst, und so pendelte das Paar zwei Jahre zwischen Nürnberg und Dresden. Mitte 1994 gab es schließlich das Angebot, in die Verkaufsabteilung des Maritim Hotel Bellevue zu wechseln. So hatte die unendliche Fahrerei dann doch ein Ende.

Mehr Zeit in Dresden bedeutete allerdings neben mehr Zeit für den Beruf auch, dass immer mal wieder der Gedanke an eine Selbstständigkeit durch den Kopf geisterte – und 1997 war es dann plötzlich so weit. „Ich saß bei einem Termin, beobachtete nebenbei, wie gerade das Buffet für eine Abendveranstaltung aufgebaut wurde, und hatte auf einmal das Gefühl, da passt etwas nicht, und eigentlich kann man so etwas viel ansprechender und besser machen. Gerade in der Boomzeit ab 1996 gab es damals in Dresden Bedarf für einen Premium Cateringservice, den die großen Hotels allein nicht befriedigen konnten“, so die Gastronomin rückblickend.

Mithilfe von Kundenbefragungen und -profi len war recht schnell klar, dass hier eine Marktlücke existierte, und so begann die „Jungunternehmerin“ nach ihrem Ausstieg aus der Hotellerie Mitte 1997 bei einem benachbarten Hotelier am Wohnsitz im Kurort Hartha, erste Cateringaufträge zu bearbeiten. Das erste Geschäftsjahr konnte dann bereits mit 3.000 bewirteten Gästen abgeschlossen werden. Parallel dazu fanden der Erwerb und die Sanierung der „Villa Germania“ auf der Loschwitzer Straße 36 in Dresden-Blasewitz statt, in die das Unternehmen im Herbst 1998 einzog. Mit den hier vorhandenen Räumlichkeiten und einer modern eingerichteten Profiküche war das junge Unternehmen in der Lage, auch größere Aufträge anzunehmen.

Dass das „Wagnis Selbstständigkeit“ auch belohnt wurde, zeigen die Zahlen, denn mit rund 450 Veranstaltungen und über 30.000 Gästen im vergangenen Jahr konnte sich das Unternehmen nachhaltig in Dresden und darüber hinaus etablieren. So gehören inzwischen auch Veranstaltungen mit bis zu 1.500 Gästen wie etwa der Neujahrsempfang des sächsischen Ministerpräsidenten oder die Feier anlässlich der deutschen Wiedervereinigung in der deutschen Botschaft in London im Oktober 2005 mit gut 1.000 Gästen zum „Repertoire“.

Dass die Gäste inzwischen auch vegetarische, Vollwert- und ayurvedische Buffets bestellen können, hängt mit der Vorliebe der Chefin für Ayurveda zusammen. „Zu mehr als einem Urlaub im Jahr reicht die Zeit leider nicht“, so die dynamische Unternehmerin bedauernd. „Insgesamt drei Wochen schneiden wir uns raus und verbringen diese Zeit allerdings intensiv, fahren nach Sri Lanka, um hier in strenger und fast mönchischer Abgeschiedenheit eine Ayurveda-Kur zu absolvieren.“
Danach ist der Akku wieder für ein Jahr geladen. Sollte dann noch Zeit übrig sein und die Küche der Villa Marie am Blauen Wunder ebenfalls noch nicht geschlossen haben, dann „geht die passionierte Genießerin“ auch mal fremd, gehört doch der Lammrücken in diesem Restaurant zu ihren absoluten Lieblingsessen.

Autor: Stephan Trutschler (Disy Winter 2006/07)

 

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