Mein Lebenstraum

Der Dresdner Schauspieler Tom Pauls im Disy-Gespräch

„Die Leute sollen sagen, ’ach, hier kannste hingehen, hier gibt’s immer was Gutes’.“

Träge liegt die Mittagshitze in den Gässchen der Altstadt, fast italienisch muten die freundlichen Pastellfarben der Fassaden
an. Im Peter-Ulrich-Haus in Pirna fallen dem Stoffteddy auf dem roten Plüschsofa schon fast die Augen zu vor Müdigkeit. Er sitzt in „Ilses Kaffee-Stube“ vom Tom-Pauls-Theater am Pirnaer Markt. Hier hat der Schauspieler, Kabarettist und Tausendsassa Tom Pauls sich seinen Traum vom eigenen Theater verwirklicht. Der Prinzipal betritt das Café lässig in T-Shirt und luftiger Hose, stellt die Aktentasche ab und begrüßt freundlich Mitarbeiter und Gäste. Bei einem „Tässchen Bohnenkaffee“ lehnt er sich im Disy- Gespräch entspannt zurück und erzählt von seinem 3,3 Millionen Euro teuren „Baby“, zu zwei Dritteln aus Fördermitteln finanziert.
Hier im ältesten deutschen Baumeisterhaus Deutschlands von 1506 ist ein wahres Schmuckkästchen für die Kultur entstanden. 180 Plätze laden im allerfeinst denkmalgerecht sanierten Theatersaal ein, rund 15 Vorstellungen im Monat stehen auf dem Programm. Mehr als die Hälfte des Programms bespielt der Chef selbst, die restlichen Vorstellungen sind Gastspiele, Musikabende, Lesungen. „Aber auch, wenn viele Programme schon ausverkauft sind, lohnt es sich immer mal nach Restkarten zu fragen“, verrät der Prinzipal.

Und kaum sichten ihn Fußgänger und Caféhaus-Gäste, fragen sie nach Karten. Geduldig gibt Pauls Auskunft, verweist die Besucher an das Theaterlädchen oder die Reservierungs-Hotline. Spielzeit-Pause gibt es in Pirna nicht. Auch im Sommer wird gespielt: Publikumsliebling Ahmad Mesgarha präsentiert gleich zwei Programme: „Der Überzieher“ - ein Otto Reutter Programm mit Sebastian Reuther am Flügel und „Glück Glanz Gloria - Es gibt kein richtiges Leben im valschen“, ein Robert Gernhardt Abend (Klavier: Benjamin Rietz, Gitarre: Marc Dennewitz). Aus New York kommt am 8. Juli der Jazzer Greg Pattilo (20 Uhr, Eintritt: 21 Euro). Das Ziel der  Theatermacher: „Die Leute sollen sagen, ’ach, hier kannste hingehen, hier gibt’s immer was Gutes’.“ Geplant sind auch noch Kinder- und Jugendprogramme, aber dafür wird Hilfe gebraucht, denn das Theater ist ein rein privates Unternehmen. Gespräche mit der Sparkassenversicherung als Sponsor laufen schon.

„Ein Haus für die sächsische Seele“, hat sich Tom Pauls gewünscht, der es um seinen 50. Geburtstag herum „einfach noch mal wissen wollte“. Nach dem Dresdner Theaterkahn und dem Burgtheater Stolpen, die bereits „auf seinem Mist gewachsen“ sind, brauchte er noch eine Steigerung. „Aller guten Dinge sind drei“, grinst Pauls verschmitzt.

„Ich hab drei Kinder, drei Theater gegründet und wir sind drei Geschäftsführer.“Begeistert führt der Prinzipal, Schauspieler und Kabarettist jetzt Gäste durch die Räume, zeigt all die verborgenen Schätze seines Theaters:
Hier eine barocke Wandmalerei, dort ein verstecktes Pferdchen, ein traumhaftes Kellergewölbe und liebevoll restaurierte spätgotische Holzbalkendecken.
Staunend bekommt der Betrachter den Hauch einer Ahnung von der Arbeit und Mühe, die darin steckt, all diese Schönheiten wieder ans Tageslicht zu bringen. Nach zwei Jahren Bauzeit freut sich der Hausherr aber auch darüber, dass er die Bauzeit hinter sich hat und endlich alles fertig ist. Entspannung findet Pauls jetzt bei einer Angeltour am Nordkap, dann warten schon die nächsten Projekte: Mit Frank Schöbel feiert er dessen 50. Bühnenjubiläum im Oktober und November auf einer ausgedehnten Tournee durch Ostdeutschland und Ilse Bähnert lädt im kommenden Jahr zur „Tubamania“. Auch das Silvesterkonzert mit der Philharmonie will vorbereitet werden. In Pirna aber scheint Tom Pauls jetzt zwischen all seinen Terminen und Verpflichtungen eine Oase gefunden zu haben. Am Markt 3 ist die gewünschte Symbiose zwischen Denkmal, Refugium und Kulturtempel geglückt. Ein Lebenstraum? „Na klar, auf alle Fälle,“ freut sich Pauls. Vielleicht Sachsens schönstes Theater? Tom Pauls zögert: „Na, ich weiß nicht. Aber eine Perle für Pirna, das ist es allemal.“

Claudia Homberg