Das neue Rollenverständnis der Geschlechter

Zur Lage der Frauen im Jahr 2020

Von Prof. Dr. Ulrike Detmers

In Deutschland und der Europäischen Union deuten zahlreiche Anzeichen darauf hin, dass die Frauen im Jahr 2020 auf dem Weg zur Gleichberechtigung ein großes Stück vorangekommen sind. Bestimmende harte Faktoren werden unter anderem das nachweisbar hohe Ausgebildetsein der Frauen, der gebührende Anteil an Frauen, die einen Beruf zu Erwerbszwecken ausüben, ein harter Konkurrenzkampf um Personal, die Angleichung der Gehälter der Geschlechter und der gestiegene Anteil an Männern in Elternzeit bzw. Teilzeitarbeitsverhältnissen sein. Ein entscheidender weicher Faktor wird ein neues Rollenverständnis der Geschlechter sein, das auch in traditionelleren Milieus Einzug hält.

 Nun lassen sich die aufgeführten harten Umstände verhältnismäßig leicht nachweisen. Aber es gibt auch hinreichende Indizien für neue Erwartungen an die Geschlechter.

 

Faktor Bildungsstand

Mädchen sind bildungshungrig. Beim Bildungsniveau haben junge Frauen mit den Männern gleichgezogen oder sie sogar überholt. So machen inzwischen mehr Frauen als Männer das Abitur, bei Hochschulabschlüssen sind Frauen und Männer gleich stark vertreten. Frauen haben bei der Bildung stark aufgeholt. 2004 haben 40,6 % der 25- bis unter 30-jährigen Frauen und 37,8 % der gleichaltrigen Männer ihre Schulausbildung mit dem Abitur abgeschlossen. Im Schuljahr 2004/05 besuchten 44 % der Schülerinnen die Hauptschule, 50 % die Realschule und 53 % ein Gymnasium. An Sonderschulen waren Mädchen im Schuljahr 2004/05 nur mit 37 % vertreten. Die Zahlen beweisen, dass Mädchen mit steigenden schulischen Anforderungen dabei sind, die jungen Männer bei dem Bildungsstand zu überflügeln. An Relevanz gewinnen Frauen mit Köpfchen in der sogenannten Wissensgesellschaft. Mit ihr wird eine Gesellschaftsform in hoch entwickelten Ländern bezeichnet, in der individuelles und kollektives Wissen und seine Organisation vermehrt zur Grundlage des sozialen und ökonomischen Zusammenlebens wird.

In der Wissensgesellschaft wird Wissen zur strategischen Ressource bei Produkten und Dienstleistungen sowie bei effektiver Nutzung des Wissens zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Innovationsfreudige Unternehmen mit professionellem Personalmanagement entwickeln vor diesem Hintergrund ein Arbeitgeberimage, zu dessen wesentlichen Kennzeichen eine „Gender-Diversity-Personalpolitik“ gehört.

Das Hauptziel besteht darin, geschlechtlich gemischte Fach- und Führungskräfte-Teams zu entwickeln und den Anteil von Frauen bei leitenden Angestellten deutlich zu steigern. Ein Blick über Deutschlands Grenzen hinaus zeigt, dass der Norden in Europa die personalpolitische Philosophie des „Gender-Diversity“ viel intensiver in die Tat umgesetzt hat als Deutschland. „Ladys first“ ist in Norwegen, Schweden, Lettland, Slowenien und Finnland längst Realität geworden beim Anteil von Frauen in den höchsten Entscheidungsgremien (Aufsichtsräten) der jeweils 50 größten börsennotierten Unternehmen. In Norwegen bestimmen in diesen Unternehmen 32 % Frauen mit, wie die Geschäfts- bzw. Konzernpolitik aussieht. In Schweden sind es immerhin 24 % und in Finnland 19 %. Derzeit liegt der Frauenanteil im Aufsichtsrat der 50 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands bei 11 % und damit im europäischen Durchschnitt. Der weiter steigende Bildungsstand deutscher Frauen und der Konkurrenzdruck globaler Wissensgesellschaften werden den Trend „Ladys first“ vorantreiben. Global Player mit professionellem Personalmanagement sind bereits heute präsent, wenn es heißt, die talentiertesten Menschen anzuwerben.

Der weibliche Nachwuchs hat beste Aussichten, vermehrt in Positionen mit umfangreichem Direktionsrecht aufzusteigen.

 

Faktor Erwerbstätigkeit

Nirgendwo spiegelt sich der Wandel gesellschaftlicher Verhältnisse und Einstellungen so deutlich wider wie im Bereich des Ehe- und Familienrechts. Das jahrtausendealte, patriarchalische Beziehungsgefüge der Ehegatten wurde erst 1976 abgelöst durch die Partnerschaftsbeziehung, die das reformierte Ehe- und Familienrecht in den Brennpunkt rückt. Im Eherecht fiel die alte Regelung fort, wonach die Frau in erster Linie zur Haushaltsführung, der Mann zum finanziellen Unterhalt der Familie verpflichtet war.

Die Ehefrau durfte nur dann berufstätig sein, wenn sie ihre familiären Verpflichtungen nicht vernachlässigte bzw. musste dann berufstätig sein, wenn die Einkünfte des Mannes für den Familienunterhalt nicht ausreichten. Stattdessen sollen nach dem neuen Eherecht die Eheleute die Haushaltsführung in gegenseitigem Einvernehmen regeln. Beide waren nunmehr berechtigt, berufstätig zu sein, beide mussten auf die Familie Rücksicht nehmen. Diese Hintergründe sind von erheblicher Bedeutung bei der Feststellung, dass Frauen in Westdeutschland in der Vergangenheit vergleichsweise selten einer Erwerbstätigkeit nachgegangen sind. Insbesondere für Mütter war es extrem schwer, einen qualifizierten Job auszuüben. Es fehlten qualifizierende Betreuungs- und Bildungsangebote für den Nachwuchs. Bis 2020 wird sich daran viel ändern. Der männliche Alleinverdiener ist eindeutig auf dem Rückzug.

In der Mehrheit aller Ehen mit Kindern sind inzwischen beide Eltern berufstätig. Der Bildungsstand der Frauen, ihre Autarkie-Orientierung, Versorgungsrisiken durch Scheidung und Minirenten motivieren insbesondere Frauen mit einer Berufsbildung dazu, auf eigenen finanziellen Füßen zu stehen. Und: Immer mehr Partner erkennen, dass die Doppelverdienerehe mehr Unabhängigkeit von Transferzahlungen des Staates schafft. Seit dem Inkrafttreten des neuen Unterhaltsrechts seit dem 1. Januar 2008 gilt, dass es nach einer Scheidung jedem Ehegatten obliegt, selbst für seinen Unterhalt zu sorgen. Ausgenommen von dieser Regel sind geschiedene Mütter und – seltener auch geschiedene Väter –, die gemeinsame Kinder, die noch nicht das 3. Lebensjahr vollendet haben, betreuen. Diesem Elternteil steht bis zum Ende des dritten Lebensjahres eines gemeinsamen Kindes Betreuungsunterhalt zu, danach muss im Einzelfall geprüft werden, ob eine geschiedene Mutter weiterhin berechtigt ist, Unterhalt vom geschiedenen Vater des Nachwuchses zu erhalten. Das neue Unterhaltsrecht bewirkt demzufolge, dass insbesondere aufgeklärte, jüngere Frauen alles daran setzen werden, auch als Mütter den Anschluss an das Erwerbsleben nicht zu verlieren.

Damit sichern sie für sich den Erhalt von beruflicher Qualifikation und den Anspruch auf gerechte Leistungsvergütung. Da durch den Geburtenrückgang in Deutschland die Nachfrage nach Menschen mit beruflichen Fähigkeiten und Erfahrung das Angebot übersteigt, engagieren sich immer mehr Arbeitgeber für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Aus diesem Grund wird es Müttern, aber mit steigender Tendenz auch Vätern, immer leichter gemacht, erwerbstätig zu sein und Nachwuchs heranzuziehen. Der Gesetzgeber hat zudem die Betreuungslage der Kindertagesbetreuung für unter Dreijährige verbessert. Mit dem Kinderförderungsgesetz (KiföG), das derzeit in Bundestag und Bundesrat beraten wird, soll bis zum Jahresende ein letzter wichtiger Schritt getan werden. Bund, Länder und Kommunen sind sich einig, dass der Ausbau der Kindertagesbetreuung weiter beschleunigt werden muss. Bereits jetzt haben viele Kommunen und Länder ihr Betreuungsangebot für Kinder im Alter von unter drei Jahren erweitert. Dies bestätigt der TAG-Bericht, der die Entwicklungen seit Inkrafttreten des Tagesbetreuungsausbaugesetzes im Januar 2005 analysiert und bewertet:

• Die Zahl der betreuten Kinder unter drei Jahren hat sich innerhalb eines Jahres um 12 % von 287.000 auf 321.000 erhöht. Damit haben im vergangenen Jahr mehr als 15 % der unter Dreijährigen in Deutschland eine Tageseinrichtung oder eine Tagesmutter beziehungsweise einen Tagesvater besucht.

• Insbesondere die Kindertagespflege ist deutlich auf dem Vormarsch: Mit rund 42.600 betreuten Kindern unter drei Jahren stellt sie inzwischen 13 % der Betreuungsangebote in Deutschland – in Nordrhein-Westfalen und in Schleswig-Holstein beträgt ihr Anteil sogar mehr als ein Viertel. Bis 2013 soll ein bundesweit bedarfsgerechtes Angebot in guter Qualität vorhanden sein.

Die Betreuungsangebote entsprechen noch nicht den Bedürfnissen der Kinder und den Wünschen der Eltern in Deutschland. Auch halten sie dem Vergleich mit den europäischen Nachbarn nicht stand. Bund, Länder und Kommunen haben sich deshalb darauf verständigt, bis zum Jahr 2013 für bundesweit im Durchschnitt 35 % der Kinder im Alter von unter drei Jahren Betreuungsplätze in Tageseinrichtungen und Kindertagespflege zu schaffen. Rund ein Drittel der neuen Betreuungsplätze sollen in der Kindertagespflege entstehen.

Die Profilierung der Kindertagespflege ist deshalb ein wichtiges Anliegen und das Kinderförderungsgesetz ein zentraler Baustein in der sich entwickelnden Wissensgesellschaft. Das Kinderförderungsgesetz soll den Ausbau eines qualitativ hochwertigen Betreuungsangebotes in Deutschland beschleunigen und den Eltern echte Wahlmöglichkeiten eröffnen. Mit dem Kinderförderungsgesetz stellt das Bundesfamilienministerium die Beteiligung des Bundes an den Betriebskosten sicher: Die Länder erhalten durch eine Änderung des Finanzausgleichgesetzes, das im Kinderförderungsgesetz geregelt wird, für die Jahre 2009 bis 2013 insgesamt 1,85 Milliarden Euro und dauerhaft jährlich 770 Millionen Euro als Entlastung für die Finanzierung der Betriebskosten.

 

Faktor Konkurrenzkampf um qualifiziertes Personal

Bis 2050 wird der Anteil der Erwerbspersonen an der Bevölkerung von heute rund 50 % auf 47,5 % zurückgehen. Ohne die Rente mit 67 und die höhere Erwerbsbeteiligung der Frauen würde sich ein Wert von unter 42 % ergeben.

Den Anteil der Erwerbspersonen an der Gesamtbevölkerung 2005-2050 ohne bzw. mit der Berücksichtigung der gleitenden Erhöhung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre und der Erhöhung der Frauenerwerbsbeteiligung bildet unten stehende Übersicht ab.

 Diese positiv wirkenden Effekte können zusätzlich unterstützt werden durch die Verkürzung von Ausbildungs- und Studienzeiten, wie sie gegenwärtig durch den Übergang zum Bachelor angestrebt wird.

Nicht das Angebot an Arbeitskräften wird daher zukünftig ein Problem sein, sondern eher die Qualifikation. Die Nachfrage nach höher qualifizierten Tätigkeiten wächst in der Wissensgesellschaft kontinuierlich an. Besonders Tätigkeiten, die eine qualifizierte Berufsausbildung bzw. einen Hochschulabschluss voraussetzen, gewinnen auf der Bedarfsseite, repräsentiert durch Arbeitgeber, bis 2020 erheblich an Relevanz. Einfache Fachtätigkeiten und Hilfsdienste werden voraussichtlich weniger nachgefragt (siehe Grafik unten). 

Arbeitgeber werden auch hier verstärkt auf das verbesserte Qualifikationsniveau der Frauen angewiesen sein. Der Anteil ungelernter Frauen geht massiv zurück, während im Gegenzug immer mehr Frauen einen Berufsschulabschluss sowie einen Hochschulabschluss erwerben. Sie tragen zukünftig massiv dazu bei, ob Deutschland als Hochtechnologie- und Hochlohnstandort im globalen Wettkampf um Marktanteile und Bevölkerungswohlstand eine Spitzenposition einnimmt. Die deutschen Arbeitgeber müssen sich bei der gleichstellungsorientierten Personalpolitik darauf einstellen, dass die gebildeten Frauen selbstbewusst den Leistungsausgleich fordern werden wie ihre männlichen Kollegen.

Die Auslaufmodelle, zu denen Arbeitgeber gehören werden, die nicht begriffen haben, dass Frauen die Augenhöhe beanspruchen, gehören zu den Verlierern im Kampf um die Talente. Bereits heute ermöglichen der Erwerb interkultureller Kompetenzen und die weltweite Intensivierung des Wettbewerbs um das Personal die internationale Auswahl von Arbeitgebern.

Mit der Auswanderung in andere EU-Staaten oder Nicht-EUStaaten wie die USA, Australien und Neuseeland beispielsweise geht Wissen mit. Für Frauen ebenfalls ein Pfund, mit dem sie in Deutschland wuchern können.

 

Faktor Angleichung der Gehälter

Sowohl das hohe Ausgebildetsein der Frauen, ihr gebührender Anteil an den Erwerbstätigen wie auch der wachsende Wettbewerbsdruck bei der Personalrekrutierung unterstützen die Angleichung männlicher und weiblicher Gehälter. Bereits heute steigert die Familienpolitik, die Beruf und Kindererziehung effizient fördert, das weibliche Einkommen. Gut ausgebildete Frauen können in Großstädten deutlich mehr Geld verdienen als in der Provinz, wo häufig die Überalterung der Bevölkerung dort mit dazu beiträgt, den Ausbau an qualifizierten Kinderbetreuungsangeboten zu vernachlässigen.

Der sogenannte „Gender Pay Gap“ ist in Metropolregionen wesentlich geringer. Mit dem „Gender Pay Gap“ ist das Gehaltsgefälle zwischen den Geschlechtern bei gleicher Qualifikation gemeint. Während weibliche Angestellte in Großstädten immerhin 80 % des durchschnittlichen Einkommens ihrer männlichen Kollegen erreichen, kommen sie in ländlichen Gebieten auf nur 67 %. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, die die Bruttostundenverdienste von Angestellten in den Jahren 2005 und 2006 auswertet. In den Metropolregionen wie Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt, Stuttgart und München ist die Bevölkerung bereits heute jünger, gebildeter und innovativer als in ländlichen Regionen. Junge Stadtfrauen zwischen 20 und 30 Jahren etwa in New York City verdienen aufgrund ihres Bildungsstands bereits heute rund 17 % mehr als ihre männlichen Kollegen. Dieser Trend ist auch in Deutschland zu verzeichnen und eine natürliche Folge eines hohen Bildungsniveaus der Frauen, ihres Strebens nach finanzieller Gleichstellung und guter Voraussetzungen zur Vereinbarung von Berufsausübung und Familienmanagement.

 

Faktor Männer in Elternzeit und Teilzeit

Männer wollen mehr am Leben ihrer Kinder teilhaben: Immer mehr Väter nehmen Elternzeit, doch noch ist die Akzeptanz im Betrieb gering.

Der Rollenwechsel vom Alleinverdiener zum Partner beim Kinder- und Familienmanagement ist in Deutschland bei Vätern auf dem Vormarsch, auch wenn es insbesondere traditionellen Arbeitgebern nicht gefällt, sich mit diesen Arbeitnehmern zu arrangieren. Nach wie vor ist der Druck der Arbeitswelt zu groß, als dass sich Männer in großem Stil trauten, die Betreuung ihrer Kinder zu übernehmen. Kollegen machen sich lustig, Vorgesetzte drohen mit Repressalien und insbesondere auf dem Land wird ein aktiver Vater schnell schief angesehen und als Weichei stigmatisiert, so wie arbeitende Mütter schnell zur Rabenmutter erklärt werden. Aber der Trend zum Vater, der zumindest zeitweise Beruf und Familie unter einen Hut bringt, ist auch in Deutschland unverkennbar. Insbesondere in den Metropolregionen wird ihnen dieser typisch weibliche Spagat erleichtert. Hier bestimmt zunehmend eine diversifizierte Großstadtkultur mit steigender Toleranz gegenüber vielfältigen Lebensmodellen das Gepräge. Das Elternzeitgesetz unterstützt die männliche Emanzipation von der traditionellen Männerrolle, die dem Mann allein die finanzielle Versorgerfunktion durch die Ausübung einer Vollzeiterwerbstätigkeit zuschreibt. Förderlich wirken sich aber auch die wachsenden Ansprüche von Frauen auf Teilhabe am Erwerbs- und Familienleben aus. Experten bescheinigen den Männern schon länger, dass sie nicht weniger geeignet sind für den Job zwischen Wickelkommode und Herd.

Wenn diese den Schritt raus aus dem Büro oder weg von der Werkbank geschafft haben, seien sie zu derselben Fürsorge in der Lage wie Mütter, sagt Professor Hartmut Kasten vom Institut für Frühpädagogik in München.

 

Faktor neues Rollenverständnis der Geschlechter

Der hohe Bildungsstand jüngerer Frauen hat deren Selbstbewusstsein gestärkt. Ein Trend hin zum Gleichgewicht der Geschlechter bei der Erwerbstätigkeit, der Führungskräfteanteile, dem Lohnniveau etc. ist deutlich erkennbar. Die „Skandinavisierung“ der Geschlechterverhältnisse ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch, zumindest dort, wo um das beste Humankapital konkurriert wird und Vereinbarkeit von Beruf und Familie optimiert wird. Jungen Frauen wird die finanzielle Unabhängigkeit und die gute Bildung immer wichtiger.

In der großen BRIGITTE-Studie „Frauen auf dem Sprung“ verdeutlicht sich, dass die jungen Frauen unabhängig, zielstrebig und selbstbewusst sind und sich gut vorstellen können, einen Beruf auszuüben und gleichzeitig Kinder zu erziehen. Vom Kindsvater verlangen immer mehr Nachwuchsfrauen mehr Engagement in der Familie. Stolz zeigen sich denn auch immer mehr Väter mit Kinderwagen in der Öffentlichkeit. Partnerschaftliche Beziehungsfähigkeit wird für junge heiratswillige Männer mit Kinderwunsch immer mehr zum Anziehungsmerkmal. Angefangen hat übrigens alles in den 70er-Jahren, als es geradezu zur Pflicht für einen guten Ehemann und Vater wurde, der Geburt des Nachwuchses beizuwohnen. Der Trend zur partnerschaftlichen Geschlechterbeziehung in Ehe und Familie ist unaufhaltsam, zumal immer deutlicher wird, welche Vorteile damit verbunden sind: finanzielle Verbesserung, Minderung von Krankheits-, Arbeitslosen- und Scheidungsrisiken, positiver Erziehungseinfluss auf den Nachwuchs usw. Auch die Familien- und Gleichstellungspolitik wird die gleichberechtigten Geschlechterbeziehungen weiter fördern.  

 

Die Professorin

Ulrike Detmers wurde 1956 in Herford geboren, studierte von 1974 bis 1983 in Bielefeld Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaften und profilierte sich währenddessen als Assistentin der Geschäftsleitung eines mittelständischen Unternehmens. 1984 bis 1986 absolvierte sie ihr Referendariat und stieg danach in die Abteilungsleitung von Personal, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit eines mittelständischen Unternehmes ein. Danach wurde sie Studienrätin, unterrichtete an einer kaufmännischen Schule in Bielefeld und promovierte 1992. 1994 wurde sie Professorin und 1999 Prodekanin am Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Bielefeld. Seit 2000 ist sie Mitglied im Beirat des Interdisziplinären Frauenforschungszentrums an der Universität Bielefeld. Daneben leitet sie seit 1994 als Mitgesellschafterin der Mestemacher-Gruppe Markenmanagement und Social Marketing des Unternehmens. Sie ist seit 1975 verheiratet, zweifache Mutter und hat einen Enkel. Seit 2008 ist sie Trägerin des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

 

Der Anlass

Eingeladen wurde Ulrike Detmers vom Forum Tiberius, wo sie ihre Ausführungen zum o.g. Thema vortrug. Ziel des Forums ist es, Netzwerke zwischen Wirtschaft und Kultur herzustellen und sie zum gegenseitigen Vorteil zu nutzen. Auf internationaler Ebene gelingt das mit Wettbewerben wie dem Internationalen Klavierwettbewerb „Anton G. Rubinstein“ (Finalkonzert am 3. Oktober in der Semperoper) und dem Internationalen Gesangswettbewerb der Italienischen Oper „Competizione dell‘ Opera“ (Finalkonzert am 6. September in der Semperoper). Zu den internationalen Vorrunden veranstaltet das Forum Kultur- und Wirtschaftsreisen. Außerdem plant es das zweite „World Culture Forum“ in Fortführung des „Gründungssymposiums“. Kernstück der Arbeit des Forums stellt eine Vortragsreihe prominenter Referenten aus dem In- und Ausland dar, die das Engagement einer Bürgergesellschaft mittragen und unterstützen.