"Kommunikation hilft den Blick zu schärfen!"

Von Anja Pötzsch

Powerfrauen – wie sich das anhört ...

Haben wir starken Frauen das nötig, müssen wir uns über solche Aussagen beweisen? Wie wichtig ist es mir, eine Powerfrau zu sein, oder bin ich überhaupt eine? Will ich überhaupt eine sein? Meine letzte Teilnahme am Unternehmerinnenstammtisch fällt mir da ein. Ohne es zu wollen, wurde aus einem kleinen harmlosen Gespräch ein kräftiger Schlagabtausch, bei dem ich auf einmal die Männer verteidigte. Dabei machen es mir Männer auch nicht wirklich immer leicht – aber eben auch nicht spürbar schwerer. Doch zurück zum Thema: POWER, Kraft auf Deutsch, also Kraft-Frauen. Klingt ungewohnt – fühlt sich für mich jedoch gut an. Kraft ist genau das, was Frauen von heute haben und brauchen. Kraft ist das, was sie verbindet mit den Frauen von gestern. Was ist Kraft?

• das menschliche Vermögen (körperliche, schöpferische Kraft)

• etwas den Dingen Innewohnendes (heilende Kraft)

• die Arbeitskraft (eine fähige Kraft sein)

Wortverbindungen sind:

• elementare Kraft

• körperliche, schöpferische, treibende Kraft

• heilende Kraft

Vielleicht machen Sie es wie ich und lassen diese Worte einfach mal auf sich wirken. Wie fühlt es sich an, seiner Kraft nachzuspüren? Ist da eher der Gedanke an die schöpferische oder die physische Kraft? Habe ich heilende Kräfte? Oder fühle ich meine Lebenskraft? Was habe ich schon in Kraft gesetzt und wann habe ich Dinge außer Kraft gesetzt?

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Gedanken sprudeln kraftvoll durcheinander. Da fallen mir die Frauen aus vergangenen Zeiten ein, deren Kraft heute noch wirkt und auch mich beeinflusst. Aktuell gibt es gleich mehrere Kinofilme: Mit Hildegard von Bingen wird gezeigt, wie sich eine Frau vor knapp 900 Jahren in einer Männerdomäne, der Kirche, erfolgreich durchsetzte. Was hat sie angetrieben? Ganz sicher nicht die Emanzipation! Der Glaube an Gott und sich selbst. Sie hörte auf ihre innere Stimme, vertraute auf sich und ihre Kraft. Sie hörte auf die Natur, bildete sich und nutzte die Kraft mächtiger Männer und Frauen jener Zeit.

Oder die heiliggesprochenen Frauen. Welche Kraft verkörperten sie? Dann kommen Gedanken an unsere Großmütter und Mütter. Ich habe aus Neugier Frauen und Männer nach ihren Gedanken zum Thema „Powerfrau“ gefragt. Die Antworten: „Powerfrauen sind gehetzte Frauen mit Aktentasche“, „Powerfrauen sind erfolgreich, weil sie unterstützt werden“, „Frauen waren schon in Urzeiten die Hüter der Feuer. Sie haben ihre Macht an die Männer übergeben und holen sie heute wieder zurück.“

Wichtig für die heutige Zeit finde ich die Verbindung zu den Frauen, über die in der Regel nicht im Zusammenhang mit „Powerfrau“ gesprochen wird. Die Frauen, welche „nur“ zu Hause sind. Den Frauen, die einfach gern Mutter sind und die in dieser Rolle aufgehen. Den Frauen, die allein den Alltag meistern für ihre Kinder. Den Frauen, die Angehörige pfl egen und sich hintenanstellen. Auch das sind Kraft-Frauen.

 

Anja Pötzsch

Psychotherapeutische Heilpraktikerin

Mit Erfolg verbinde ich ständige Veränderung und Weiterentwicklung mit dem Ziel sich selbst zu verwirklichen, jedoch nicht ohne Rücksichtnahme auf sich und andere. Die größten Hindernisse auf dem Weg zur Selbstverwirklichung sind Zeitbarrieren. Männer gehen großzügiger und eigenmächtiger mit ihrer Zeit um. Für Frauen ist es schwieriger, sich selbst zu verwirklichen, sobald sie eine Familie gegründet haben. Familie und Haushalt beanspruchen auch viel Zeit. Da Frauen über ihre Probleme sprechen, ist es für sie leichter, Krisen zu überwinden. Männer in Führungspositionen denken, dass sie sich eine sensible Seite nicht leisten können, und haben deshalb Schwierigkeiten, ihre Schwächen zuzugeben. Doch gerade in Krisensituationen verliert man den klaren Blick auf die Dinge, die man schon erreicht hat. Kommunikation kann helfen, diesen Blick wieder zu schärfen.

Ihre Karriere:

Die gelernte Versicherungskauffrau arbeitet seit 1999 selbstständig in Dresden. 2004 übernahm sie in Zusammenarbeit mit ihrem Schwager das Restaurant „Pillnitzer Elbblick“. Mit 31 Jahren ließ sich Anja Pötzsch zum Personalcoach und psychologischen Berater ausbilden. Die psychotherapeutische Heilpraktikerin arbeitet seit 2009 in eigener Praxis.