-Eine kleine Hommage-

Seit Jahren gehöre ich zur Disy-Leserschar und wurde auch schon als Powerfrau von ihr geadelt. Zugegeben – für die Lektüre hatte ich einmal mehr und einmal weniger Zeit. Immer aber begrüßte ich jede neue Ausgabe mit Freude und Sympathie. Aus gegebenem Anlass blätterte ich nochmal in meinem Stoß der Disys, die sich im Laufe der Jahre unter meinem Wohnzimmertisch angesammelt haben, und entdeckte dabei neue Seiten, die ich vorher nicht wahrgenommen hatte. Meine Gedanken um die Disy führten mich zurück in die 90er-Jahre. Ich lernte Anja K. Fließbach als Redakteurin der Morgenpost kennen. Als damals Stellvertretende Regierungssprecherin waren Verbindungen zu Journalisten und Redakteuren mein täglich Brot.
Ein Aha-Erlebnis war es für mich jedoch, als wir Anja Mitte der 90er nach Amerika verabschiedeten. Der Innenhof des Hotels Elbflorenz war in eine spektakuläre Lichtperformance getaucht, und Luftballons mit amerikanischen Fähnchen stiegen in den Abendhimmel. Für jemanden wie mich, der in Dresden aufgewachsen ist, hatte das einen Hauch von ‚großer weiter Welt‘. Das flößte mir Respekt vor dem Mut dieser bildhübschen, jungen Frau ein, so einfach in die Ferne zu ziehen. Für einige Jahre haben wir uns dann aus den Augen verloren.
Lange nach der Jahrtausendwende bekam ich durch Zufall eine Disy in die Hände, und ich dachte „Oh, die Anja ist ja wieder da und macht ein Magazin“ - und wieder stellte sich bei mir ein erstauntes Gefühl ein: „Das ist aber mutig!“ Der Markt für Presseerzeugnisse war gesättigt, und ich fragte mich, welche Lücke wird sich die Disy erschließen? Ich muss zugeben, ich war kein großer Leser von Hochglanzmagazinen – einerseits, weil einem als alleinerziehendem Single mit 130%-Beruf selten Mußestunden bleiben, andererseits, weil solche Magazine für mich als gelernter DDR-Bürger im Tal der Ahnungslosen nicht zu meiner Sozialisation gehörten und ein Faible dafür nicht angelegt war. Vielleicht gehöre ich auch nicht zur Leserkernzielgruppe ...? Als ich dann regelmäßig die Disy erhielt, fing ich an, mit zunehmendem Vergnügen darin zu schmökern. Ich kenne hier eine Menge Leute. Es war für mich sehr reizvoll und interessant, viele in diesem Magazin wiederzufinden und mehr über sie zu erfahren, als man das gewöhnlich im Smalltalk kann. Aber auch darüber hinaus entwickelte sich eine Freude an den breit gefächerten Themen.
Die Kultur des Essens, die Mode, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, Politik und Anjas Weltreise - aber vor allem reizten mich die Geschichten von den Machern, den Kreativen, von Menschen, die ihr Leben anpacken. Es ist wohltuend, Dresden durch die Augen auch von weltberühmten Nicht-Dresdnern wie Barak Obama oder Armin Mueller-Stahl in einer so positiven Weise widergespiegelt zu sehen, dass einem das Ansehen dieser Stadt erfreulich bewusst wird und man sich leise fragt - vielleicht wird aus Dresden doch noch eine Weltstadt?
Lächelnd lese ich auch die Disy-Seiten über Oldtimer und ihre Besitzer – schön! Ich gehe in mich – fehlt mir da etwas? Mein 16 Jahre alter Polo ist mir ein vertrauter Begleiter. Überall Dellen und Kratzer, eben ein typisches Äußere-Neustadt-Auto. Aber es fährt und fährt und fährt. Ich möchte nicht beurteilt werden nach der Luxus-Ausstattung meines Autos. Aber ich kann beim Lesen durchaus Freude empfinden über die Schönen und Reichen, ohne Neid, denn die Disy schafft es, auch hier Sympathie und Authentizität zu erwecken. Ich vermute, dass die journalistische Leichtigkeit und der Charme der Chefredakteurin auch das ganze Disy-Team motiviert. Denn um so ein Magazin am Leben und Atmen zu erhalten, benötigt es kreative Menschen, die Freude daran haben, Probleme zu lösen und die Augen und Ohren für das Leben und die Gesellschaft offen zu halten. Sicher gehört auch eine große Portion Unternehmertum, Sinn für Qualität und Ehrgeiz dazu, nicht zuletzt, um immer wieder die so wichtigen Sponsoren zu gewinnen. Ich selber war mein Leben lang als ehrgeizig verschrien. Ich habe nie verstanden, was daran negativ sein soll. Da treffen sich wohl verwandte Mentalitäten. Vielleicht gehöre ich ja doch zur Leserkernzielgruppe?
Das Nachdenken über die Gesellschaft hat mich niemals losgelassen; sich mit neuen, jungen Denkarten zu beschäftigen und zu überlegen, was ich an Altem für überlebensfähig halte. Da finde ich mich in vielen, oft auch nachdenklichen Passagen der Editorials von Anja K. Fließbach wieder. Vor allem jetzt, wenn ich mich nochmal selbstständig mache, erkenne ich, was für Power und Mut solch ein Unternehmen erfordert. Aber trotz harter Marktwirtschaft bleibt auch mir das ‚mehr Sein als Schein‘ ein Lebenscredo. Ich habe es erfreulicherweise auch bei vielen der starken Menschen, die die Disy vorstellt, wiedergefunden. Und es gibt auch durchaus kritische Beiträge. Gut so. Die Disy ist ein lebensbejahendes Magazin mit erfreulich wenig Bonbon-Geschmack.
Ich wünsche dem Disy-Team eine fortwährend steigende interessierte Leserschar und dass sie mit Lust, Leichtigkeit und Kompetenz weiter am Ball bleibt, um für die Disy die interessanten Menschen und Geschichten einzufangen, die letztendlich Dresden ausmachen.
Herzlichen Glückwunsch!