„Schön bin ich nicht, aber in meinem Gesicht tut sich etwas.“

Frau von damals

Grethe Weiser

Die Schauspielerin, Kabarettistin und Chansonsängerin mit Herz und Schnauze begeisterte mit ihrer unnachahmlichen schnoddrigen Schlagfertigkeit Millionen.

Die 1903 in Hannover geborene Mathilde Ella Dorothea Margarethe Nowka wuchs in der Dresdner Fürstenstraße 89, jetzt Fetscherstraße, und später in Klotzsche auf. Als Tochter eines Bauunternehmers besuchte sie die Höhere Töchterschule und die Friedel’sche Privatschule in Blasewitz. Schon mit 17 Jahren verließ sie ihr Elternhaus und heiratete den jüdischen Süßwarenfabrikanten Josef Weiser, mit dem sie auf Schloss Eckberg wohnte. 1926 bekamen die beiden ihren Sohn Rolf-Günther.

Nach der Inflation zogen sie nach Berlin. Weiser pachtete das Kabarett „Charlott“ auf dem Berliner Ku‘damm, in dem sie erste Berufserfahrungen sammelte, während er zahlreiche Seitensprünge hatte. Die Ehe zerbrach und wurde 1934 geschieden. Ihr Resümee: „Die schwierigste Aufgabe für eine Frau ist es, einem Mann klarzumachen, dass er ohne sie nicht leben kann.“ Der Heiratsantrag sei das größte Kompliment, das ein Mann einer Frau machen kann. Leider sei es oft auch das letzte. Dabei sei ein Ehemann Rohstoff und kein Fertigprodukt.

Schon vor der Trennung nahm Grethe Weiser Gesangs- und Schauspielunterricht, zog auch als alleinerziehende Mutter von Bühne zu Bühne und gab ihren Sohn nach England aufs Internat, während Josef Weiser nach Holland ging. Eins ihrer zahlreichen Gastspiele führte sie 1938 auch an die Dresdner Komödie.

Bereits Anfang der 30er-Jahre gelang der kleinen, zähen Frau der Durchbruch als Filmschauspielerin mit Erich Waschnecks Film „Die göttliche Jette“ über den Erfolgsweg einer Berliner Sängerin. Danach wurde sie in vielen Filmen für Nebenrollen besetzt, so auch 1942 in „Wir machen Musik“.

Nach dem Krieg wurde sie als Witwe, Schwiegermutter oder Tante besetzt. Ihre Paraderolle wurde die Mary Miller in der Komödie „Das Kuckucksei“ von Irma und Walter Firner, die sie zehn Jahre lang auf der Bühne verkörperte. Ihre Mutter Wolffen in Gerhart Hauptmanns klassischer Gaunerkomödie „Der Biberpelz“ ist ebenfalls legendär. Die sterbende Toilettenfrau Nomsen in Friedrich Dürrenmatts Theaterstück „Der Meteor“ blieb ihr einziger Ausfl ug ins ernste Fach. Besonders erfolgreich war ihr Auftritt in der Kriminalgroteske „Keine Leiche ohne Lily“.

„Beim Klatsch kommt es nicht auf den Kern der Sache an, sondern auf die Einzelheiten“, wurde eins ihrer berühmtesten Zitate.

1970 kam sie bei einem Unfall ums Leben.