Die Lust am Pathos

„Jetzt setz ich diesen Traum um, jetzt mach ich die Bibel! ... Da sie mir eh alles zutrauen, darf ich das auch machen und ich werde das machen!“ Ben Becker 

Ben Becker liest die Bibel 

Ben Becker ist kein Heuchler. Mit den Bibel-Produktionen möchte er nicht missionieren. Es war schlicht die Lust am Pathos, die ihn dazu antrieb, „die Bibel zu machen“. Er wollte die „große Oper“: einmal wie Dolly Parton „He‘s alive“ singen, einmal wie James Brown als Prediger im Kultfi lm „Blues Brothers“ auftreten. 

2005 begann der Berliner Charakterschauspieler sich bewusst mit dem Buch der Bücher auseinanderzusetzen, wälzte, kürzte und strich mit Theologen an seiner Seite die Testamente zu einem persönlichen „Best of Bibel“. „Die Bibel, das ist die Geschichte, die alle kennen – und doch keiner richtig. Die Geschichte, in der jede andere Geschichte verankert ist, die jeden betrifft. Für jeden von uns hing dieser Mann an diesem beschissenen Kreuz“, sagt Ben Becker, gemeinhin nicht für seine Religiosität bekannt. Weggefährten haben ihm bestätigt: „Wenn einer die Bibel lesen kann, dann Du, denn Du kennst den Abgrund und totales Glück, und um das zu lesen, muss man beides in sich tragen.“ 2007 setzte er seinen Traum mit der CD-Veröffentlichung und den ersten zwei restlos ausverkauften Show-Terminen in Berlin um. Komponisten, Regisseur, Kostümbildner, Lichtdesigner, Arrangeure und Videokünstler reihten sich um ihn, um eine operngleiche, in dieser Form weltweit einzigartige Version der heiligen Schrift zu erschaffen.

Die Welturaufführung der Bühnenshow fand am 12.10.2007 im Tempodrom in Berlin statt. Auf der Bühne: Ben Becker und seine Zero Tolerance Band, das Filmorchester Babelsberg und ein Gospel-Chor. Im Hintergrund projizieren Videokünstler die u.a. in Marokko gedrehten Aufnahmen auf drei Leinwände, hoch über der Bühne als Triptychon angeordnet. Meditative Bilder, die den Text nicht illustrieren, sondern weiterdenken. Kräftig donnernd und machtvoll lässt Ben Becker seine Auswahl an den wortgewaltigen Texten der Bibel mit seiner basslastigen Stimme erklingen. Thriller, Sex & Crime: Im saftigen Lutherdeutsch werden die Erzählungen von Adam & Eva, Kain & Abel, Moses, Hiob, Jona und Jesus lebendig. „Gerade zum Ende, zur Auferstehung hin, entwickelt das Ganze eine Vehemenz, eine Power – etwas Größeres hatte ich vorher noch nicht gelesen“, so Ben Becker.

Das Filmorchester Babelsberg, unter der Leitung des Diri genten Peter Christian Feigel, begleitet ihn auf seiner Reise durch die Greatest Hits der Bi bel mit eigens neu komponier ten, zeitgenössischen Werken sowie einigen unverzichtbaren Neubearbeitungen wie z.B. von Gustav Mahlers „Urlicht". Aber auch spirituelle Klassiker von Johnny Cash, Simon & Garfunkel, Elvis Presley und schließlich - als Höhepunkt des Neuen Testaments - Dolly Partons „He‘s alive" treffen in eindrucksvollen Performances mit der Zero Tolerance und dem Gospel Chor auf die historischen Bibelzitate. Es entsteht eine sinnliche, mitreißende Sym biose aus Wort und Klang. Die Erzählungen der Bibel wandeln sich durch die musikalische Interpretation, Ben Beckers verbale Darstel lungskraft und seine ungeheure Bühnenpräsenz zu einem lebendigen, Generationen umspannenden, einzigartigen Erlebnis.  

„Die Bibel, das ist die Geschichte, die
alle kennen – und doch keiner rich-
tig. Die Geschichte, in der jede andere
Geschichte verankert ist, die jeden
betrifft. Für jeden von uns hing dieser
Mann an diesem beschissenen Kreuz.“

Sein LEBEN
Der Sohn der Schauspieler Monika Hansen und Rolf Becker ist der Bruder von Meret Becker und der Stiefsohn von Otto Sander. Seine Großmutter war die Komikerin Claire Schlichting. Becker wirkte bereits als Kind in Hörspielen mit und übernahm frühzeitig kleine Film rollen. Er betätigte sich als Bühnenarbeiter bei der Berliner Schaubühne und erhielt von 1985 bis 1987 Schauspielunterricht. Danach erhielt er sein erstes Engagement am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg. Anschließend ging er an das Staatstheater Stuttgart, wo er 1991/92 Ferdinand in Schillers Kabale und Liebe verkörperte, dann an das Schauspielhaus Düsseldorf, während er 1993/94 in der Rolle des Tybalt in Shakes peares Romeo und Julia am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg agierte. Im Kino fiel Ben Becker erstmals 1991 in dem Reisefilm „Das serbische Mädchen" als arroganter deutscher Freund der schwangeren serbischen Titelheldin auf. Seinen endgültigen Durchbruch brachte 1995 die Rolle des in einen Mann verliebten Peter in Joseph Vilsmaiers Film „Schlafes Bruder". In der Filmbiografie „Comedian Harmonists" (1997) verkörperte er den Sänger Robert Biberti. Becker wandte sich unterdessen wieder verstärkt der Bühne zu und inszenierte 1995 sein eigenes Theaterstück Sid & Nancy mit Schwester Meret in der Hauptrolle. Eine seiner herausragenden Theaterrollen war 1999 die Hauptrolle in der Dramatisierung von Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz" am Maxim-Gorki-Theater in Berlin. 2005 beeindruckte Becker in der Kinofassung des Monologstücks „Ein ganz gewöhnlicher Jude". Wie seine Schwester Meret ist auch Ben Becker als Musiker aktiv. Dabei reicht seine Bandbreite von melancholischem Sprechgesang bis zu Punk. Ben Becker besitzt die Kneipe „Trompete" in Berlin/Tiergarten. Mit seiner Lebensgefährtin Anne Seidel hat er eine Tochter, Lillith. Sein Onkel war der Komiker Jonny Buchardt.

AUSZEICHNUNGEN

1991:
Adolf-Grimme-Preis in Silber für seine darstellerische Leistung in „Landschaft mit Dornen“

1994:
Adolf-Grimme-Preis in Gold für seine Darstellung des Jobst Dettmann in der Folge „Totes Gleis“ der Krimi-Reihe Polizeiruf 110

1997:
Berliner Bär (BZ-Kulturpreis)

1998:
Goldene Kamera für seine Darstellung des Robert Biberti in „Comedian Harmonists“

1998:
Bayerischer Filmpreis: Spezial-Preis (zusammen mit Heino Ferch, Ulrich Noethen, Heinrich Schafmeister, Max Tidof, Kai Wiesinger) für „Comedian Harmonists“

2000:
Publikumspreis Goldener Vorhang

FILMOGRAFIE

1983: Eine Liebe in Deutschland
1987: Eine geschlossene Gesellschaft
1987: Tatort - Tod im Elefantenhaus
1988: „Lindenstraße“
1991: Tatort - Tod im Häcksler
1991: Landschaft mit Dornen
1991: Das serbische Mädchen
1995: Schlafes Bruder
1995: Tatort - Die Kampagne
1996: Die Bibel – Samson und Delila
1997: Comedian Harmonists
1998: Tatort - Bienzle und der Champion
1999: Ein Lied von Liebe und Tod (Gloomy Sunday)
1999: Der Einstein des Sex
2000: Marlene
2001: Frau2 sucht HappyEnd
2001: Sass
2005: Ein ganz gewöhnlicher Jude
2005: Max und Moritz Reloaded
2006: Ab durch die Hecke (Synchronisation)
2007: Esperanza (Erzähler) - Regie: Zsolt Bács
2007: Die rote Zora - Regie: Peter Kahane