Die Avantgardisten

Man soll immer etwas wagen, auch weitgehend, aber nie zu weit. So lautet das Credo der Modedesigner Adrian Runhof und Johnny Talbot. Für ihre Abendmode favorisieren sie schillernde, irisierende Seidentafte mit Stretchanteil, Seidenchiffons und Satins in schweren und opulenten Farben. Mit ihrer Laufsteg-Show messen sich die beiden Autodidakten während der Fashion Week in Paris alljährlich an den Top-Designern der Branche. In Dresden haben sie eine gute Freundin: Ute Lange. Disy hat Adrian Runhof in Frau Langes Shop im QF getroffen.

Urban, mondän und authentisch

Adrian Runhof wickelt, faltet und dressiert Hauchzartes um Schultern und Hüften

Er wollte schon Mode machen, als er BWL studierte. Gemeinsam mit Johnny Talbot fand Runhof eine eigene Handschrift und suchte nach einer internationalen Perspektive. Die beiden wollten sich von Anfang an mit den Top-Designern der Branche messen. Disy sprach mit dem berühmten Modemacher.

Wer hat zu der Kollektion, wie sie jetzt zu sehen ist, beigetragen?

Adrian Runhof: Wir sind ein gutes Team, herausgefordert durch die Laufsteg-Show während der Fashion Week in Paris in jeder Saison. Das bringt uns weiter. Wir experimentieren mit ungewöhnlichen Ideen und erfinden Designs, wie es sie noch nie gab. Außerdem haben wir sehr gute Mitarbeiter, die das umsetzen.

Gibt es Augenblicke, in denen Sie zweifeln?

Adrian Runhof: Nie, wir sind abgehärtet, da wir ohne Geld angefangen und auch schwierige Phasen wie nach dem 11. September durchgemacht haben. Damals hatten wir gerade begonnen, uns in den USA zu engagieren, und hatten erhebliche Einbrüche. Es dauerte, bis die Leute sich wieder trauten, schön zu feiern. Da wir anlassbezogene Kollektionen machen, gehörten wir zu den ersten Betroffenen, deren Kleider nicht mehr in dem Maße gekauft wurden.

Womit überraschen Sie Ihre Kundinnen in der laufenden Saison?

Adrian Runhof: Mit einer sinnlichen, femininen und erotischen Kollektion mit typischen Boudoir-Farben in Lippenstift-Rot und Lila, schwer und opulent. Wir haben schillernde, irisierende Stoffe, teils in sich gemustert, teils mit femininen Drucken. Inspiration ist der „Salon Kitty“, eine Institution im Berlin der 30er Jahre, in der Diplomaten, Staatsfreunde und -feinde, ausgehorcht wurden.

Was macht das Feminine der Drucke aus?

Adrian Runhof: Sie sind floral. Wir entwickeln sie selbst und bringen sie in Inkjet-Technologie auf die Stoffe auf. Die Drucke sind vielfarbig mit komplexen Mustern. Dadurch wirkt es reich. Sie erinnern an traditionelle ethnische Drucke. Das Naturalistische auf schwarz-goldene Lamé Seide gedruckt ist wirkungsvoll.

Welche Materialien verarbeiten Sie sonst?

Adrian Runhof: Seidentafte mit Stretchanteil, Seidenchiffons, Satins, leichte Stoffe, die fließen und den Körper umspielen. Unsere Linie ist körperbetont.

Ihre Dresdner Models bei Ute Lange tragen langes Haar. Welche Frisuren favorisieren Sie selbst zu diesen Kleidern?

Adrian Runhof: Ich mag es natürlich und authentisch. Die Kunden sollen sich nicht verkleiden, sonst fühlen sie sich nicht wohl, da man sich für einen Abend oder einen besonderen Anlass sowieso schon anders kleidet als im Alltag.

Wenn Sie auf das zurückschauen, was Sie gemeinsam mit Jonny Talbot geschaffen haben, können Sie da schon umreißen, was Sie das Leben gelehrt hat?

Adrian Runhof: Wir haben ein Motto, das auf unsere Kollektion und unsere Lebensweise zutrifft: Man soll immer etwas wagen, auch weitgehend, aber nie zu weit. Das ist natürlich auch eine Lebenslehre, die sich immer wieder bewährt hat. Durchhalten und an sich glauben ist enorm wichtig, um Ziele zu erreichen und glücklich zu werden.

Haben Sie Lust, ein Beispiel zu nennen?

Adrian Runhof: Das kann eine Kundin sein, die abends ausgeht. Sie soll sich schon aufstylen – tolles Kleid, tolle Frisur, toller Schmuck – aber man muss darauf achten, dass es nicht zu viel wird, und lieber ein Schmuckstück weglegen, wenn man fertig angezogen ist. Dann hat man die richtige Balance erreicht und kann losziehen.

Das Interview führte Christine Salzer