So nah dran
Es sind schwere Tage. Eigentlich sind es schon schwere Wochen. So nah dran bin ich. So nah dran an – der nächsten Weltreise. So nah dran an – gigantischen Projekten in Dresden für das nächste Jahr. So nah dran, endlich die Reise abzusagen. So nah dran, die Flüge zu buchen. So nah dran…
Oft habe ich mich gefragt, ob Menschen ohne Entscheidungsmöglichkeiten nicht ein besseres Leben haben. „Nicht die Fähigkeiten bestimmen ein Leben, sondern die Entscheidungen“, sagte ein bekannter Mann, den ich gerade nicht einordnen kann. Mit seinen eigenen Entscheidungen bestimmt man alles: Richtung, Weg und Geschwindigkeit – je nach Widerstand versteht sich.
Rational spricht alles gegen eine neue Weltreise. Na, sagen wir vieles. Die Ideen und neuen Projekte, der „Lauf“ der Disy, der Freundeskreis, den ich gerade reaktiviere bzw. aufbaue und meine Bequemlichkeit. Ehrlich gesagt bin ich ziemlich müde, wenn ich an ein solches neues Abenteuer denke. Es ist das Emotionale, das einen schlaucht. Gefühlsmäßig habe ich mich von der letzten Weltreise auf der Amadea noch nicht wirklich erholt. Gar nicht negativ gemeint. Im normalen Leben hat der Mensch einfach nicht diesen Horizont, die eigenen Gefühle betreffend. Ich behaupte, kaum ein Mensch kennt sein wahres Portfolio in Sachen Emotionen. Wenn man dann plötzlich auf dem Schiff damit konfrontiert wird, kostet das extrem viel Energie. Diese Power-Reserven sind bei mir noch nicht wieder neu aufgeladen. Seit ich wieder hier bin, arbeite ich extrem viel und beschäftige mich mit der Schule meiner Tochter. Aktion. Rationalität. Viele Gespräche, aber kein Tiefgang. Nette neue Freunde, vor allem Eltern aus Louisas Klasse und aus der Nachbarschaft, aber keine Nähe. Sich schnell wiederholende Tätigkeiten, Tage, die fliegen. Schon nett, aber… So nah dran! Ich bin so nah dran.
„Das Meer schrie und schrie: ´Das Leben ist gewaltig, kannst du das nicht begreifen? Gewaltig!`“ Das ist wieder mal eine Stelle aus dem Ozeanpianisten. Mein Leben soll gewaltig sein! Das geht natürlich auch hier. Aber es ist viel anstrengender, diese Form von „gewaltig“ im Alltag hinzubekommen. Man muss sehr viel flitzen und viele kleine Details und Glücksmomente zusammentragen in der Hoffnung, dass sie ein Ganzes werden. Auf dem Schiff ist es, als drückt einer den Knopf und das ganz große Kino beginnt.. Das ganz große Kino mit brillanten Farben und einer High End Technik. So nah dran…
