Wertschätzung neu interpretiert
Was mich wirklich nervt sind Menschen, die sich nicht darum kümmern, welche Konsequenz ihr Verhalten für ihre Mitmenschen hat. Egoismus hin oder her. Persönliche Freiheit in allen Ehren. Spontane Entscheidungen schön und gut. Aber…
gemein und unfair wird es, wenn diese nachvollziehbaren und heute sehr geschätzten Eigenschaften auf den Schultern anderer ausgetragen werden. Anlass für meine Wut ist eine kurzfristige Absage einer Person für unsere Relaunch-Party. Die Leute, die mitfahren, brauchen nichts zu bezahlen. Sie wurden eingeladen, sie haben zugesagt und wir haben die Reise für sie gebucht. Wir tragen die Kosten und wir sind es natürlich auch, die auf den Kosten sitzen bleiben, wenn die Absage so kurzfristig kommt. Kann man da nicht eher ein Zeichen geben, wenn man es sich anders überlegt hat oder die eigenen Prioritäten plötzlich verschiebt? Was ist das für eine Wertschätzung unseres Good Will, unserer Vorbereitung und Planung. Es ist schon ärgerlich, wenn man Veranstaltungen vor Ort organisiert, die Leute sich anmelden und dann einfach nicht kommen. Man plant, bucht Räume, Essen etc. und richtet sich dabei nach einer bestimmten Gästezahl. Erstens ist es nicht höflich, nicht zu erscheinen, zweitens wird nicht bedacht, dass dem Veranstalter Kosten entstehen. Nun stellt euch das Ganze potentiert bei einer Party mit Kreuzfahrt vor. Da sagt einer kurzfristig eine 10-tägige Kreuzfahrt ab und wir haben den Schlammassel. Wen soll man denn so kurzfristig noch einladen, der nicht beleidigt wäre, nicht eher eingeladen worden zu sein. Wer kann heute spontan zehn Tage weg? Wer lässt Partner oder Frau zu Hause, weil es eine Einzelkabine ist?
Ein Storno kostet bei Phoenix so kurzfristig 75 Prozent Gebühr. Und das bei diesen Summen. Die Zeiten, wo ich auf der Straße stehe und mit einem Bündel 1000 Euro-Scheine winke, sind noch nicht in Sicht. “Wer will, wer will, wer hat noch nicht? Sie vielleicht ein Bündelchen?”
Hätte die Person die Reise selbst gebucht, hätte sie alles in Bewegung gesetzt, das Storno zu vermeiden. Aber da sie eh nichts gezahlt hat… Wie bei den Events vor Ort. Wenn die Leute sich selbst Theaterkarten kaufen, gehen sie doch auch hin und bleiben nicht einfach weg, weil sie an dem Abend keine Lust haben, es regnet oder Gäste kommen. Weil es für sie verbindlicher ist. Wertvoller, weil sie den Wert sehen. Der Verlust würde sie selbst betreffen. Aber sie schätzen den Wert nicht, wenn sie ihn von anderen geschenkt bekommen.
Wenn ich Wert sage, dann ist es nicht nur der Geldwert, sondern auch der emotionale. Es ist so, als hätte man ein Jahr lang mit aller Liebe und Kreativität an einem ganz persönlichen Geschenk gebastelt und wenn es der andere dann Weihnachten bekommt, packt er es nicht mal aus, weil ihm das zu anstrengend ist. Das ist nicht nur frech - das ist gemein! Und das bei einer Person aus dessen Mund das Wort “Wertschätzung” reativ oft herausplätschert - wie durchsichtiges Wasser! Lauwarm!
So! Jetzt geht es mir besser!
Grrrrr!
