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Die Crew der MS Amadea

Es gibt Menschen, die machen einen Job wegen des Geldes. Es gibt Menschen, die machen einen Job aus Prestigegründen oder wegen der Aufstiegschancen. Und dann gibt es jene Menschen, die ihre Leidenschaft und ihre Liebe in eine Tätigkeit legen, die ihren Job leben…

Dsc05010 Auf der "MS Amadea" gibt es von allen etwas. Doch wer auf See arbeitet, braucht mehr Beweggründe als die erstgenannten. Wer nicht in bestimmter Art das Meer und die Seefahrt liebt, hat es schwer. Viele Kellner, Putzfrauen, Cleaner unterstützen mit ihrem Job an Bord zu Hause ganze Generationen von Familien. Es gibt Frauen, die Abschied_singapur_1_051 hier arbeiten und daheim Kinder haben, die sie sechs Monate, manchmal neun Monate nicht sehen. Für sieDsc03952 ist der Beweggrund, hier zu arbeiten, Existenzgrundlage für eine ganze Sippe. Entsprechend liebevoll gehen sie, auch viele Väter, die von ihren Lieben getrennt sind, mit meiner Tochter um. Louisa ist ein Sonnenschein und durch sie kompensieren viele an Bord arbeitenden Eltern die Sehnsucht nach ihren Kindern.

Dsc04951 Dann gibt es noch die Europäer, die hier arbeiten. Viele von ihnen hätten gute Chancen an Land, ähnliche Positionen zu finden. Warum dann Schiff? Ich frage viel und höre: "Reisen ohne Geld ausgeben", "Die Welt sehen wollen", "Freiheit", "Flucht", "Den Absprung Kapitns_garten_024 verpasst", "Schiff". Die Antwort "Schiff" drückt alles aus, was man nicht erklären kann. Das, was ich versuche zu ergründen, auch für mich zu entdecken und womit ich immer wieder an Stellen komme, wo sich mir wieder ein neues Feld auftut. Jetzt verstehe ich es… Denkste!

Wenn man Menschen an Bord ihr Leben beschreiben lässt kommt: "Viel Arbeit", "Müde" und immer Dsc03890 wieder "Schnelllebigkeit". Heute Südsee, morgen Japan, dann Indien. Kollegen kommen und gehen und es bleibt nur ein flüchtiger Gedanke. "Ach, ist der und der schon weg? War der nicht gerade erst gekommen?"

Es ist ein öffentliches Leben – jeder weiß alles. Zweckbeziehungen werden Dsc04522 geschlossen. Man weiß, man will nicht allein sein für die Länge des Vertrages, darüber hinaus hat aber kaum eine Beziehung eine Chance. Entweder geht einer an Land oder sie arbeiten auf unterschiedlichen Schiffen. Liebe auf Zeit, Nähe mit Distanz. Ein Hauch Melancholie liegt manchmal in der Luft. Auch die Sehnsucht fährt oft mit. Der eine sehnt sich nach der eigenen Couch zu Hause, der andere nach der Schwester, der Dritte würde einfach gern mal bis zum Mittag ausschlafen. Probleme, die es zu Hause gibt - mal mit dem Chef, mit dem Img_1392 Kollegen, der Freundin - wiegen auf dem Schiff durch die ständige Nähe viel schwerer. Man kann nicht weg. Keine Möglichkeit zum Rückzug. Bei der Arbeit wird Professionalität verlangt, mit den anderen Crew- und Staffleuten muss man auskommen und sich selbst disziplinieren. Augen zu und durch!

Dsc04949 Also müssen die Chefs an Bord auch immer zu einem Teil mit Psychologen sein, um das Gesamtgefüge im Gleichgewicht zu halten. Eine Crew, die aus 19 Nationalitäten besteht, ist schwer unter einen Hut zu bringen. Die einen brauchen ihren Reis zum Frühstück, die anderen mögen ihre Landesnachbarn, die hier Kollegen sind, schon aus geschichtlichen Gründen nicht. Die Männer mancher Regionen haben Probleme,  Frauen als Chefs zu respektieren. Manche Nationalitäten sind von sich so überzeugt, dass sie nicht verstehen, dass Service in gewisser Weise auch mit dienen zu tun hat. Es ist auf jeden Fall und in jeder Beziehung eine Herausforderung - so ein Schiff.

Die drei wichtigsten Personen, die die Fäden in der Hand halten, sind Kreuzfahrtdirektor Christian Kapitns_garten_009 Adlmaier, Kapitän Jens Thorn und der neue Hoteldirektor Rainer Büttner. Besonders Christian Adlmaier ist die "Graue Eminenz" an Bord. Er ist scheinbar immer und überall. Egal wann ich das Schiff verlasse,Langkawi_182  er steht am Ausgang. Egal wann ich wieder an Bord komme, er wartet auf die Passagiere am Eingang. Nachts sitzt er mit den Gästen und hört sich deren Probleme an, gibt Ratschläge und Tipps für die nächsten Länder, das Schiff oder das Leben als solches. Morgens fünf Uhr steht er zur Ausschiffung bereit, gibt jeden Tag um zehn die Positionsmeldung über Lautsprecher durch und immer wenn ich mich gerade frage, Img_1382welche Insel das in der Ferne wohl ist oder welches Schiff gerade an uns vorbei fährt, kommt prompt über Lautsprecher Christian Adlmaiers Stimme mit der entsprechenden Info. Er plauscht mit der 80-Jährigen Dame über ihre Enkel, fachsimpelt mit Premierministern über die Weltpolitik oder unterhält sich mit Louisa über die "Golden Girls". Christian Adlmaier ist einfach immer da.

Dsc03753 Auch fast alle anderen, die hier arbeiten, sieht man täglich. Okay, zur Wäscherei, den Leuten im Maschinenraum oder dem Proviantmeister hat man weniger Kontakt, arbeiten die doch eher in den Kellern des Schiffes. Auch die so genannten "unsichtbaren Geister" arbeiten im Verborgenen, putzen die Fenster, wienern die Fahrstuhltüren oder reinigen das Deck nachts, wenn alles schläft (außer mir natürlich).

Es ist schon bewundernswert, wie man so eine kleine Stadt, die relativ unabhängig und autonom oft fernab von jedem Land funktionieren muss, im Griff behält. Denn die vielen Befindlichkeiten der Passagiere kommen noch dazu und die sind auf so einem Schiff ganz sicher nicht kleiner als an Land. Im Gegenteil.

Mein Respekt gehört also allen, die ihre Jobs auf der "MS Amadea" mit Fleiß und Aufopferung erfüllen und mit ihren Persönlichkeiten ausfüllen. Es ist mir eine Ehre, sie kennen lernen zu dürfen.

Nationalitäten an Bord (Stand heute):

Österreich 1

Bulgarien 9

Kroatien 3

Deutschland 27

Griechenland 1

Ungarn 7

Indien 5

Niederlande 2

Philippinen 186

Polen 1

Portugal 1

Rumänien 5

Russland 2

Serbien und Montenegro 2

Slowakei 10

Sri Lanka 1

Türkei 8

Ukraine 9

England 1

* Spruch des Tages, den Phoenix-Reiseleiterin Manuela ausgesucht hat: "Am Abend wird man klug für den vergangenen Tag, doch niemals klug genug für den, der kommen mag" (Friedrich Rückert)

* Musiktipp zur Stimmung: Titel "Nimm mich mit", 2raumwohnung, Album "Tag und Nacht"

Anja Fliessbach | 31. März 2007 | 14:57

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