Die kleinste Republik der Welt
Es ist nicht alles klein in Mikronesien - die Palmen sind hoch, die Herzlichkeit der Menschen ist überdimensional und die militärisch strategische Lage spielte und spielt eine große Rolle. Wir besuchten Mikronesien auf unserer Tour durch den Pazifik Richtung Japan…
Das Wetter war schlecht. Die schönen Klischee - Sonnenuntergänge waren vorbei und mussten einer Waschküche weichen. Feuchtigkeit, Schwüle, Wolken, warmer Regen und morgens eine Art Nebel. Wie immer schlug das Wetter auf die Gemüter und so saßen nicht alle Passagiere in den
Tenderbooten, die von der "MS Amadea" nach Nauru, einem Inselstaat in Mikronesien, fuhren.
Nauru, ein Atoll auf der Spitze eines erloschenen Vulkans, der bis 2000 Meter unter Wasser reicht, ist die kleinste Republik der Welt. Lange Zeit konnte die Einwohner vom Abbau von Phosphat leben,
der sich aus den Exkrementen von Seevögeln bildete. Doch die Einwohner von Nauru hatten kein gutes Händchen bei der Anlage ihres Reichtums. Einst hatte Nauru das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt und rutschte nach dem Ausschöpfen der Phosphatreserven in die Armut ab. Heute steht Nauru kurz vor dem Bankrott, doch von Resignation war nichts zu spüren. Mit viel Mühe und Aufwand begrüßten die Bewohner uns Besucher. Sie hatten Busse zur Verfügung gestellt und boten spontan und kostenlos Fahrten über die ganze Insel an. Sie demonstrierten Gastfreundschaft ohne Groll. Obwohl Nauru bis 2006 von der Umwelt isoliert war und aufgrund der hohen Gläubigerforderungen vor dem Verlust der Unabhängigkeit steht. Davon abgesehen droht der Insel ein weiteres Schicksal. Wegen der globalen Erderwärmung und dem Anstieg des Meeresspiegels, droht die Insel zu versinken. Doch die Einwohner jammern nicht und klagen. Sie leben.
Auch auf Pohnpei, einem anderen Teil Mikronesien, den wir zwei Tage später erreichten, war die Freundlichkeit der Menschen besonders. Ähnlich wie auf der Osterinsel gibt es auf Pohnpei ein unerklärtes Rätsel. Es sind die 10 Tonnen schweren Basaltblöcke der Ruinenstadt Nan Madol, die vor 1000 Jahren Kultzentrum war. Bis heute können die Wissenschaftler Fragen wie "Warum sind die Blöcke da?", "Wie kamen sie dahin?" und "Wie wurden sie bewegt?" nicht sicher beantworten.
Chuuk, wieder zwei Tage später, war das letzte Atoll in Mikronesien, das wir besuchten. Es ist der weltweit beste Tauchplatz für Schiffswracks und gilt als Unterwassermuseum. Hier liegt ein japanisches Versorgungsgeschwader, das 1944 von US-Fliegern versenkt wurde auf 20 Meter Wassertiefe. Die Geschichtsinteressierten von uns schauen sich die Überbleibsel aus dem 2. Weltkrieg an: Japanische Tunnel und Bunker. Ein österreichischer Passagier findet sich plötzlich als
Lehrer in einer Schule von Chuuk wieder und doziert über die Lage und Größe seines Heimatlandes - in was für Situationen man, wie schon oft erwähnt, auf solchen Reisen eben rutschen kann. Louisa und ich schwatzen mal wieder mit den
Leuten. Wir lassen uns von ihrem täglichen Leben erzählen und begleiten sie zu einer Petroleumstation, wo sie sich regelmäßig die benötigte Menge in Kannen und Eimer für ihre einfachen Häuser abholen. Der amerikanische Einfluss ist auf der Insel spürbar. Es gibt Chips, Coca Cola und amerikanisches Eis.
Um fünf Uhr am Nachmittag wird der Anker gehoben und "MS Amadea" nimmt Kurs auf Guam. Dort sollen wir in zwei Tagen sein. Doch wir hatten die Rechnung ohne die Amerikaner gemacht. Mehr dazu - morgen
