Zirkus als Lebenstraum

Foto: Pykado by Paul Kuchel

Der Inhaber und Betreiber des Dresdner Weihnachtscircus Mario Müller-Milano erklärt im Interview, was seine Shows so besonders macht und warum Qualität in diesem Geschäft so wichtig ist.

 

Wie war die Premiere des 21. Dresdner Weihnachtscircus?

Müller-Milano: Die 2.500 Besucher haben noch fünf Minuten nach Vorstellungsende stehend applaudiert. Es war phänomenal, das Programm ist sehr gut angekommen. Die Menschen haben uns noch stundenlang im Vor- und im Kaffeezelt gesagt, dass sie noch nie so ein tolles Zirkusprogramm gesehen haben. Für uns ist das eine große Auszeichnung. Wir versuchen von Jahr zu Jahr immer noch besser zur werden. 

 

Was sind die Highlights in diesem Jahr?

Müller Minlano: Wir haben wieder ein klasse Programm. Weltweit einzigartig ist der fünffache Salto. Das gibt es in keinem anderen Zirkus. Diese Nummer habe ich extra für den Weihnachtscirus in Dresden zurückgehalten. Die Premierenbesucher waren total begeistert, so etwas haben sie noch nie gesehen. Bei uns gibt es außerdem die besten Tierdressuren und den besten Zirkuszauberer.

 

Woher stammt ihre Zirkusbegeisterung?

Müller-Milano: Meine Eltern hatten bis 1971 den Zirkus Milano, der damals enteignet wurde. Ich bin Berufsartist, das war in der DDR ein Lehrberuf. Nach der Wiedervereinigung sind die Staatszikusse von der Treuhand verscherbelt worden. Heute gibt es sie nicht mehr. Wir sind der letzte Ostdeutsche Zirkus.  Es war mein Lebenstraum einen eigenen Zirkus zu führen. Das haben wir erreicht. Inzwischen haben wir 200 Mitarbeiter. Wenn die sich anstrengen, haben sie einen sicheren Job bis ans Lebensende.

 

Was bedeutet der Standort Dresden für Sie?

Müller-Milano: Dresden ist meine Heimatstadt. Dresden hat außerdem eine riesige Zirkustradition, Nach der Wiedervereinigung hatte ich das große Zirkusfestival ins Leben gerufen, das aufgrund mangelnde Unterstützung leider nicht mehr stattfindet. Daraufhin habe ich mich entschieden wieder selber Weltartisten und Spitzenprogramme mit einem eigenen Zirkus nach Dresden zu holen.

 

Wie wichtig ist Qualität wenn man Zirkus macht?

Müller-Milano:Immens wichtig! Heute kann man kein mittelmäßiges Programm mehr anbieten. Erst gestern haben mir die Vertreter des Europäischen Zirkusverbandes wieder bestätigt, das wir der beste Weihnachtszirkus in Europa sind. Diesen Titel haben wir bereits zwei mal verliehen bekommen. Das ist für uns Ansporn, immer wieder etwas neues zu machen. Die Art, wie wir Zirkus machen ist in den Sommermonaten nicht zu finanzieren. Außerdem muss man einen etablierten Namen haben.

 

Als No-Name zieht man kein Publikum an?

Müller-Milano: Inzwischen wissen die Menschen genau, das sie bei uns in jedem Jahr ein komplett neues Programm zu sehen bekommen. Und dieses Programm ist weltklasse. Genau deswegen kommen die Besucher, und es werden von Jahr zu Jahr mehr. Inzwischen kommen wir wirtschaftlich gut zurecht. Eben weil wir uns einen Namen gemacht haben. Man muss sich das Vertrauen das Publikums erarbeiten. In Deutschland werden viele minderwertige Programme als hochwertig angepriesen.

 

Was sind denn Ihre Träume?

Müller-Milano: Ich hätte gern noch einen Reisezirkus.

Die Show-Acts

 

Elisabeth Axt

Zur Welt gekommen ist die Ungarin in New York, wie sie sagt „gleichsam auf dem Trapez geboren“. Seit ihrem 13. Lebensjahr ist die Welt ihr Feld – als Allroundartistin, vorwiegend jedoch mit einzigartiger Akrobatik am Washington-Trapez. Darauf jongliert sie zum Beispiel im freien Kopfstand! Beim 31. Festival du Cirque de Monte-Carlo, der Weltmeisterschaft der Zirkuskünstler, errang sie gleich zwei Preise. Erfolgreich war sie auch beim 2. Internationalen Zirkusfestival in Budapest.

 

Dup Slobodenyuk – Clown Slobi

Der russische Clown gab seinen Einstand beim Dresdner Weihnachts-Circus 2001. 2002 kam er mit seiner Ehefrau. Das Duo wird beim Wiedersehen zum 21. nicht wieder zu erkennen sein. Vladi und Olga überraschen mit einer Vielzahl neuartiger und ideenreicher Entrees und haben sogar eine reizende Nummer mit „Hund, Katze, Maus“ dabei. Ihre Clownerie verbindet Komik und Akrobatik nahtlos. Das Publikum ist überall fasziniert, weil es, so die Frankfurter Rundschau,  „jenes feine Understatement beherrscht, das russische Komiker auszeichnet“. Den i-Punkt  setzt Vladimir mit seiner Spitzendarbietung auf dem Schlappseil.

 

Manuel Farina

Soeben noch umjubelter Star des französischen Cirque Arlette Gruss, gastiert der italienische Raubtierlehrer jetzt in Dresden. Mit einer der selten gewordenen „Gemischten“, einer Gruppe von Löwen, Tigern und einer Rarität, dem weißer Löwen, vorgeführt im klassischen Stil voll Tempo und Temperament. 2013 und 2014 belegte er beim ukrainischen Festival „Golden Trick of Kobzow“ jeweils den ersten Platz in der Kategorie Raubtierdressur. 

 

Ingo Stiebner

Er lebt in London, ist Preisträger des Internationalen Circus-Festivals Enschede (Niederlande) und kommt wie Farina geradewegs mit zwei lustigen Gesellen aus Paris. Sein Vater Werner wurde als Dompteur von Leoparden und Schwarzen Panthern berühmt, er mit Seelöwen. Eine tolle Show von Gelehrigkeit und anhaltendem Spaß! 

 

Marek Jama

Der 40-jährige Pole gilt als einer der begnadetsten Tierlehrer der Gegenwart. Dabei hatte der Sohn eines Fabrikdirektors die Warschauer Artistenschule als Luftakrobat absolviert. Bald jedoch siegte die Tierliebe. Mit learning by doing in mehreren europäischen Zirkussen entdeckte er sein goldenes Händchen für viele Tierarten, Tiger und Elefanten eingeschlossen. 2007 holte ihn Direktor Sascha Melnjak in seinen Zirkus Charles Knie, wo Marek zum Chefdresseur und Oberhaupt der Stallungen aufstieg. Sein erstes Dresden-Gastspiel ist also quasi eine Leihgabe. In drei Auftritten mit einer großen Pferdefreiheit, dem ungewöhnlichen Exoten-Tableau „Afrika United“, ergänzt mit Kängurus, und einer Hohen Schule wird er sein vielseitiges Talent unter Beweis stellen. Preisgekrönt bei internationalen Festivals wurde Marek 2010 in Massy und 2013 in Prag. Von Dresden reist er direkt zum 41. Festival du Cirque de Monte-Carlo. 

 

Duo Devlikamov

Das russische Ehepaar Olga und Marat brilliert mit einer akrobatischen Romanze an der Chinesischen Pole. Früher hieß das Gerät Standperche und geriet in Vergessenheit. Mit dem Poledance in Bars erlebte die Stange bei Akrobaten ein Comeback. Die Devlikamovs wechselten von der Sportakrobatik in den Zirkus. Sie arbeiteten in verschiedenen Genres, bis sie 2012 in Moskau mit ihrer ersten eigenen Darbietung, dem „Rendezvous“ an der Pole, debütierten. Noch heute sagen sie „unsere Traumnummer“. Ein Traum wurde auf alle Fälle bereits wahr: ein Engagement beim weltbekannten kanadischen Cirque du Soleil. 

 

Erdene Mongolia Production

Zwei große Truppen mit Spitzenleistungen schickt Erdene Nergui, Mongolia Circus Production, nach Dresden: die Nomads mit Schleuderbrett und NOMUNA mit Handvoltigen. Beide wurden mehrfach bei internationalen Zirkusfestivals ausgezeichnet. Allein in diesem Jahr Gold in Figueres (Spanien) und in Ischewsk (Republik Urtmutien/ Rußland) sowie mit „Best Trick oft The Year“ beim Master-Festival in Sotschi. In Ischewsk stellten die Nomads außerdem mit einem sechsfachen (!) Salto einen Weltrekord auf. Ihre Bestleistungen sind ein doppelter parallel gesprungener Viermannhoch sowie ein Fünfmannhoch mit Stange. Absoluter Höhepunkt bei NOMUNA ein nur mit Händen geworfener Viermannhoch!