Zum Gedenken an Wolfgang Lippert

Bis an die Grenze des Machbaren 

 

Die Zeit nach seinem Schaffen hatte Wolfgang Lippert sich so vorgestellt, dass er zwischen seinen Wohnsitzen pendeln würde. Mal in Italien, mal in Deutschland, wo er seinen Salons als Berater und Ideengeber beistehen wollte. Pläne, die plötzlich und viel zu früh vom Schicksal durchkreuzt wurden. Für Familie, Freunde und Mitarbeiter schockierend und unerwartet verstarb Lippert mit 58 Jahren an einem Herzinfarkt. Auch die Disy-Redaktion, die mit ihm ein intensives und freundschaftliches Verhältnis pflegte und kurz vor seinem Tod noch bei ihm zu Gast war, trauert und blickt zurück auf ein bewegtes Leben und einen gelebten Traum. 

 

Erfolg zu haben und diesen auch noch teilen zu dürfen, war immer mein großes Ziel.“ Diesen Traum merkte man ihm täglich an. Seinen Job und sein Geschäft hat er aufrichtig geliebt, die Profession gelebt. Seine Mitarbeiter, fast alle aus einer anderen Generation, schätzten seine geradezu väterliche Art. In Wolfgang Lippert steckte selbstverständlich nicht nur der Geschäftsmann, der Star-Coiffeur, sondern vor allem der Familienmensch. „Meinen Töchtern habe ich stets die richtigen Werte mit der gebotenen Strenge mitgegeben“, war er sich sicher. Nun geht das traditionsreiche Münchener Familienunternehmen, leider früher als erwartet, in die vierte Generation über. 

„Zusammen mit meinen Mitarbeitern gehe ich an die Grenze des Machbaren“, hatte er uns im Disy-Interview gesagt. Dieser Perfektionismus zeigte sich in der Qualität, wegen der seine Kunden den Ser- vice schätzten. Alles, was in München Rang und Namen hatte, nahm in seinem Frisierstuhl Platz. Aber auch internationalen Stars kam sein Ruhm zu Ohr – ob Schauspielerin Teri Hatcher oder It-Girl Paris Hilton. Er und sein Team arbeiteten zusammen mit diversen Veranstaltungen wie dem Deutschen Filmball, zahlreichen Fashionshows oder Hochzeiten prominenter Kunden.
Privat war Lippert ein Genussmensch, schätzte das Leben in allen Fa cetten. „Luxuslimousine oder Vespa, Sterneküche oder Fastfood, Oper oder Open Air – das Leben ist vielfältig. Das sollte man genießen!“, sagte er.
Seit 60 Jahren bietet das Unternehmen „Lippert’s Friseure“ seinen Service an. Übernommen hatte Lippert das Stammhaus einst von seinen Eltern. Danach hatte er zunächst den Salon am Lenbachplatz eröffnet, expandierte nach gut zehn Jahren mit dem „L2“ in der Ottostraße, gleich um die Ecke. Dabei wäre es unter anderen Umständen vielleicht nicht einmal in seine Hände geraten. „Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes machen, Journalist werden“, gestand er uns einst. Dass er den Salon seiner Eltern weiterführte, war von ihm nicht geplant. Dennoch stürzte er sich mit Feuereifer in diese Herausforderung, setzte sich immer neue Ziele und strebte stets nach Verbesserungen. 

 

„Das Leben ist vielfältig. Das sollte man genießen.“ 

 

Dass das Unternehmen auch ohne ihn in guten Händen liegt, ist kaum zu bezweifeln. Das junge Team, dem rund 40 Friseure angehören, hatte einen guten Mentor, der ein glamouröses Imperium hinterlässt. Sein Werk wird weitergeführt und sein Spirit ist auch heute noch allgegenwärtig. Im Salon steht ein großes Foto von ihm an der Stelle, von wo er stets seine Mitarbeiter überblickt hatte, wo er Gäste begrüßte oder verabschiedete. 

Auch wir nehmen Abschied, von einem großen Mann, der für sein Unternehmen und die Stadt München, aber vor allem für seine Familie eine prägende Persönlichkeit war. Seinen beiden Töchtern Natalie und Maxyne, seinen Freunden und Weggefährten, Mitarbeitern und Gästen, sprechen wir unser herzliches Beileid aus! 

 

Das unerwartete Erbe 

Nach dem unerwarteten Tod ihres Vaters mussten Natalie (25) und Maxyne (23) Lippert nicht nur mit diesem schweren Schicksalsschlag fertig werden. Plötzlich standen sie auch vor der Aufgabe, das Imperium, das Lebenswerk des Vaters fortzuführen. Die ältere Tochter hatte gerade ihren Bachelor in Germanistik absolviert, die jüngere studiert im 7. Semester Jura. Nun nimmt ihr Leben in vielerlei Hinsicht eine ungeplante Wendung. Disy sprach mit den beiden Lippert-Töchtern über ihren Vater Wolfgang – den Geschäftsmann und Promi, aber vor allem über den Vater und Familienmenschen, den Genießer, Pavarotti-Fan und Hobby-Astrologen. 

 

„Er hat uns gut auf das Leben vorbereitet.“ 

 

Wie haben Sie als Familie Ihren Vater erlebt? 

Natalie Lippert: So wie wir kennt ihn niemand. Natürlich haben wir auch die geschäftliche Seite gekannt, aber wenn er zuhause war, war es noch einmal etwas ganz anderes. Wir haben bis letztes Jahr zusammen bei ihm gewohnt. Da war man immer füreinander da, wenn einer jemanden zum Reden brauchte. Nach der Trennung unserer Eltern sind wir zu ihm gezogen und haben dadurch auch mit ihm die meiste Zeit verbracht. Er hat uns immer eine verrückte WG genannt. Es war gar kein klassisches Vater-Tochter-Verhältnis, weil man einfach über alles mit ihm reden konnte. 

 

Wie kam es, dass sie nach der Trennung Ihrer Eltern zum Vater gegangen sind und nicht zur Mutter?
Natalie Lippert:
Als wir das entschieden haben, war ich 16, meine Schwester 14. Wir wollten lieber bei ihm leben, weil er die Dinge oft einfach etwas lockerer gesehen hat. Trotzdem hat er uns ernst genommen. Er war für uns wie Mutter und Vater gleichzeitig. 

 

Wie würden Sie Ihren Vater mit drei Worten beschreiben? 

Natalie Lippert: Nur drei sind schwierig. Aber auf jeden Fall: stark, liebevoll und erfolgreich. 

 

Welche Pläne hätte er noch gehabt?
Natalie Lippert:
Viele auf jeden Fall. Er wollte das Geschäft so weit bringen, dass die Mitarbeiter aus dem Management es irgendwann ohne ihn schaffen. Danach wollte er sich zurückziehen, aber nie ganz aus dem Geschäft gehen. Das hätte er nie gekonnt. Dafür hat er diese Passion zu sehr gelebt. In seinem Ruhestand hätte er aber am liebsten die Hälfte der Zeit in Italien verbracht, dort ein Haus gekauft. Das Land war immer sein Traum, dort wäre er gern öfter gewesen. Am Meer sitzen, die Sonne genießen, aber dennoch ganz bodenständig, nicht weit von Zuhause. Die andere Hälfte wäre er hier in München gewesen, immer noch mit einem Auge auf das Geschäft. 

 

War er ein Workaholic?
Natalie Lippert:
Ja, auf jeden Fall! Urlaub hatte er nie, jedenfalls nicht wie andere Menschen. Es hat auch da immer das Telefon geklingelt und drei Viertel des Tages hat er Geschäfte gemacht. 

 

Ihr Vater hat immer gesagt, er wäre Genussmensch. Wie äußerte sich das, wenn er doch eigentlich gar keine Freizeit hatte?
Natalie Lippert:
Arbeiten im Extrakt, Leben im Extrakt. Das war sein Motto. Er wollte die wenige Freizeit, die er hatte, auf ganz andere Weise genießen, als andere. Er hat sie sich nach seinen Vorstellungen schön gestaltet, hatte auch die Möglichkeiten dazu. Essenziell waren für ihn ein bisschen Ruhe, gutes Essen und schöne Autos, Schwimmen im Meer, eigentlich ganz normale Sachen, die jeder genießen würde. Aber eben die- se normalen Sachen hat er mehr genossen, weil es für ihn nicht alltäglich, nicht selbstverständlich war, auch mal durchatmen zu können. 

 

„Essenziell waren für ihn ein bisschen Ruhe, gutes Essen und schöne Autos, Schwimmen im Meer, eigentlich ganz normale Sachen, die jeder Mensch genießen würde.“ 

 

Er hat uns oft erzählt, wie sehr er die Oper liebte...
Natalie Lippert:
Musik war eine seiner großen Leidenschaften. Er ist häufig mit uns in Musicals und in Opern gegangen. „La Traviata“ war seine Lieblingsoper. Und er liebte Luciano Pavarotti. Den hat er auch einmal persönlich getroffen, das war sein Highlight. Davon hat er immer wieder begeistert erzählt. 

 

Ihr Vater liebte es, gute Dinge zu genießen. Er hat uns einmal gesagt, dass er sich gern Sterneküche schmecken lässt, aber zuhause auch mal nachts Kartoffelbrei mit Ketchup aß.
Natalie Lippert:
Genau so war es und so hat er uns auch erzogen. Sich im Sternerestaurant wohlfühlen und bedienen lassen können, aber auch einfach irgendwo auf dem Land in einer Brauerei gutbürgerliche Kost schmecken lassen. Mal waren wir im Fastfood-Restaurant, dann wieder bei Käfer und zu besonderen Anlässen haben wir es auch mal krachen lassen. 

 

Was haben Sie von ihm für das Leben gelernt?
Natalie Lippert:
Er hat uns gut auf das Leben vorbereitet, besser als die meisten anderen Väter, die ich kenne. Wenn man mehr haben will, als die anderen, muss man hart dafür arbeiten. Das gilt für das Geschäft und für das Privatleben. Man soll seine Träume verfolgen, muss sich aber den Erfolg verdienen. Und das hat er auch vorgelebt. Erfolg beginnt nach 18 Uhr, nicht vor 18 Uhr, hat er immer gesagt. Bei ihm war nie um 16 Uhr Feierabend. 

 

Er hat einmal gesagt, dass er Sie so erzogen habe, dass er Ihnen die richtigen Werte mitgegeben hat. Welche sind das?
Natalie Lippert:
Bodenständigkeit, Rücksichtnahme, Integrität, Wertschätzung, Moral. So, dass man am Ende sagen kann, dass ein wertvoller Mensch aus einem geworden ist. Dass man nicht über andere hinweg geht und seine Gegenüber immer respektvoll behandelt. 

 

War er streng in seiner Erziehung?
Natalie Lippert:
Ja, streng, aber fair. Er hat uns viel ermöglicht, aber auch viel gefordert. Er hat uns jede Ausbildung bezahlt, hat uns in die USA in eines der teuersten Internate geschickt, aber immer unter der Prämisse, dass wir uns darauf nicht ausruhen. Wir mussten immer unsere Leistung bringen, solange die gestimmt hat, war er auch bereit, alles für uns zu tun. Hätten wir irgendetwas einfach schleifen lassen, hätte er das nicht gemacht. Aber wir haben ihn in der Hinsicht auch nie enttäuscht. 

 

„Er hat uns viel ermöglicht, aber auch viel gefordert.“ 

 

Was hätten Sie ihm gerne noch gesagt?
Natalie Lippert:
Dass er sich mehr entspannen und mehr auf sich achten soll. Nicht immer für die anderen arbeiten, sondern das er hätte auch an sich selbst denken müssen. 

 

Und was hätte er dazu gesagt?
Natalie Lippert:
Wahrscheinlich, dass er das gerne tun würde, es aber nicht geht. Dazu fühlte er sich zu verantwortlich für alle anderen. 

 

Was hätte er dagegen Ihnen noch mitgegeben?
Natalie Lippert:
Mir persönlich, dass ich mehr Selbstvertrauen, mehr Selbstbewusstsein entwickeln soll. Dass das Leben schön ist und wir es genießen sollen. Und nicht alles zu ernst nehmen. Das hat er vielleicht selbst nicht ganz so konsequent durchziehen können, wie er es uns gesagt hat. Aber über solche Dinge haben wir viel geredet, er hat uns nie wie Kinder behandelt. 

 

Wächst man als Geschwisterpaar durch solch einen Schicksals- schlag näher zusammen?
Natalie Lippert:
Auf jeden Fall! Ich sehe oft in meiner Schwester vom Papa, die ich selbst nicht habe, und umgekehrt. Wir fragen uns auch häufig, was er in einer bestimmten Situation gesagt oder getan hätte. Wir richten uns gegenseitig auf, wenn eine am Boden ist, weil das auch unser Papa so gewollt hätte. Er war die Mischung aus uns beiden – meine Schwester ist eher emotional, aber liebeswürdig. Ich bin mehr mit kühlem Kopf dabei. Deshalb glauben wir, dass das Beste dabei rauskommt, wenn wir zusammenhalten. 

 

Freunde kennen einen Menschen anders als Familie oder Mitarbeiter. Was haben seine Freunde an ihm geschätzt?
Natalie Lippert:
Er hatte zwar nur wenige, von denen man sagen kann, dass sie sehr gute Freunde waren. Aber für die hatte er auch immer ein offenes Ohr. Sie schätzten seine Hilfsbereitschaft, seine Ratschläge. Auch nach Geschäftsschluss. Dann kamen sie zu uns nach Hause, blieben oft bei einem Glas Rotwein über Nacht. 

 

„Erfolg beginnt nach 18 Uhr, nicht vor 18 Uhr.“ 

 

Und was mochten seine Kunden an ihm?
Natalie Lippert:
Er war die perfekte Mischung aus Vorbild, was Ehrgeiz und Erfolg betrifft, und einem Menschen, der das Auge und das Herz für die Probleme anderer hatte. Das schätzten auch seine Mitarbeiter sehr. Er war eben nicht der strenge Chef, sondern auch im Betrieb eine Vaterfigur. Man konnte mit jedem Problem zu ihm kommen und er hat es so geregelt, dass es einem am Ende des Tages wieder gut ging und man mit einem Lächeln wieder nach Hause gehen konnte. 

 

In einem unserer Disy-Interviews hat Wolfgang Lippert einmal gesagt, dass er ursprünglich gar nicht den Plan hatte, den Betrieb zu übernehmen, sondern eigentlich Journalist werden wollte. Was hat es damit auf sich? 

Natalie Lippert: Das war ganz früher sein Plan, ja! Aber dann war die Situation ganz ähnlich wie jetzt. Als sein Vater gestorben war, musste auch Jemand das Unternehmen weiterführen. Eine Chefredakteurin hat damals zu ihm gesagt, dass es viele mittelmäßige Journalisten gibt, aber nur sehr wenige erstklassige Frisöre. Das hat er sich zum Leitfaden genommen. In dem Fall war er realistisch, hat sich nicht überschätzt und hat das Beste daraus gemacht. 

 

Wie haben Sie sich mit dem Gedanken arrangiert, dieses Imperium zu übernehmen?
Natalie Lippert:
Generell waren wir nicht darauf vorbereitet, dass unser Papa so früh geht. Meine Schwester und ich sind jeweils unseren eigenen Weg gegangen, waren mitten im Studium. Ich stand gerade eine Woche vor der Abschlussprüfungen, als wir völlig überrumpelt wurden. Wir waren hin und hergerissen, ob wir das Geschäft weiterführen wollen, aber dann haben wir uns doch dafür entschieden. In einer Probezeit, zusammen mit dem Management-Team, machen wir das jetzt erst einmal bis zum Ende des Jahres und wachsen da rein. 

 

Hatten Sie über die Jahre hinweg nicht immer auch mal einen Einblick in das Geschäft bekommen?
Natalie Lippert:
Der Salon war 24 Stunden Papas Arbeit, dadurch kannten wir das auch von klein auf. Er hat nie abgeschaltet, nicht einmal nachts. Wir waren oft bei wichtigen Telefonaten dabei, als Kinder oft lange mit im Geschäft. Wir haben viel von den Abläufen mitbekommen, die Mitarbeiter kennengelernt. Also ist es kein komplettes Neuland für uns. 

 

Wenn man von Kindesbeinen an mit einem Friseursalon aufwächst, hat man dann nicht auch irgendwann den Berufswunsch Friseur?
Natalie Lippert:
Wir haben früher mal darüber geredet, aber unser Vater hat gesagt, wir sollen erst einmal etwas Gescheites lernen. Er war auch noch mit voller Power dabei, hat sich über die Nachfolge noch gar keine Sorgen gemacht und wir haben mit dem Studium angefangen. Es stand im Raum, ob wir das Geschäft eines Tages übernehmen sollen, aber unser Vater hat uns immer freie Hand gelassen, unsere Träume zu verwirklichen. Nur jetzt, da er früher gegangen ist, als er selbst geplant hat, wollten wir das Geschäft nicht sich selbst überlassen. Er hat es von seinem Vater übernommen, der von seinem, da wäre es schade, wenn es jetzt aus der Familie gerät. Wir fühlen uns verbunden damit und wollen sein Lebenswerk nicht aufgeben! 

 

„Wir waren ein außergewöhnliches Trio.“ 

 

Wofür haben Sie Ihren Vater bewundert?
Maxyne Lippert:
Am meisten für seine emotionale Stärke. Papa ist immer mein Vorbild gewesen, weil er objektiv war. Wir konnten super Gespräche miteinander führen, aber auch mal zusammen sitzen und gar nichts reden. Es hat mich immer beeindruckt, für wie viele Menschen er sehr wichtig war, auch emotional. Das hat man auch bei der Beerdigung gespürt. 

 

Was hat ihn als Mensch, aber auch als Geschäftsmann besonders ausgezeichnet?
Maxyne Lippert:
Er war sehr loyal und er hat eine wichtige Mischung ausgestrahlt – zum einen aus Strenge und Autorität, aber auch Herz und Verstand. Er hat jedem gegenüber Menschlichkeit und Respekt gezeigt, vom Klempner bis zum Vorstand von Wella. Er ist mit jedem Menschen gleich umgegangen. 

 

Welches sind Ihre liebsten Erinnerungen?
Maxyne Lippert:
Am meisten unsere Gespräche in der Küche, meistens spät abends, zu zweit oder zu dritt. Mein Papa und ich haben immer geraucht und unvernünftig gegessen. Meine Schwester hat dann dabei gestanden und uns beäugt. Da haben wir über Gott und die Welt geredet und das war immer die schönste Zeit mit ihm. Das war typisch familiär. 

 

„Da haben wir über Gott und die Welt geredet. Das war immer die schönste Zeit mit ihm.“ 

 

Welche Eigenschaften haben sich bei Ihnen eingeprägt?
Maxyne Lippert:
Mein Papa war immer der Fels in der Brandung. Er hatte für jedes Problem eine Lösung, ob man mit einer schlechten Note kam oder einer hohen Handyrechnung oder ob ich eine Frist versäumt hatte. Selbst mit Beziehungsproblemen konnte ich zu ihm kommen. Er hat auf souveräne und charmante Art die Dinge geregelt, hat Unangenehmes aufgelöst. 

 

Was werden Sie am meisten vermissen?
Maxyne Lippert:
Dass ich zu ihm gehen kann, wenn es mir nicht so gut geht. Ich öffne mich eigentlich nicht so gerne, zeige ungern Schwäche. Aber bei ihm fand ich eine emotionale Stütze. Er war die einzige Person, die mir Halt gegeben hat, weil ich wusste, dass er noch stärker ist. 

 

Was hat er am meisten an anderen geschätzt?
Maxyne Lippert:
Loyalität und Ehrlichkeit. Es hat ihn beeindruckt, wenn jemand hinter ihm stand und ihm seine ehrliche Meinung sagen konnte, egal ob geschäftlich oder privat. 

 

Was hat er als letztes zu Ihnen gesagt?
Maxyne Lippert:
Wir hatten telefoniert und er hat gesagt, dass ich vorbeikommen soll, aber dass ich ihn schlafen lassen soll, weil er sich krank fühlt. Ich könne gerne Freund und Hund mitnehmen. Aber er wäre froh, wenn ich da bin. 

 

Ihr Vater sagte, dass das Leben vielfältig sei, weshalb man es genießen sollte. Wie hat sich das in seinem Lebensstil gezeigt? 

Maxyne Lippert: Dass man das tun konnte, was einem Spaß macht. Wir waren zusammen mal schick unterwegs, konnten aber auch in Jogginghose den Tag auf der Couch ausklingen lassen. Im Urlaub waren wir da, worauf wir gerade Lust hatten. Wir waren nie spießig oder nur in eine Richtung unterwegs. Das hat er uns gut vorgelebt. Dass es so viel zu erleben gibt und man immer Neues entdecken kann. 

 

Als Beispiele für diese Vielfalt hatte er gesagt: Luxuslimousine oder Vespa, Sterneküche oder Fastfood, Oper oder Open Air... 

Maxyne Lippert: Genau, das sind auch alles Dinge, die wir zusammen erlebt haben. Mit der Vespa durch Italien war ein wunderbares Gefühl, schöner noch, als in einem großen und schnellen Auto zu fahren. Die Erlebnisse waren immer gegensätzlich, aber wir konnten alles genießen. Zusammen mit dem Hund im Wald spazieren gehen, Pizza essen und dabei schlechte Fernsehsendungen zu gucken, aber auch schick anziehen und in die Oper gehen. 

 

Durch seine prominenten Kunden wurde Ihr Vater selbst zu einem Star. Hat ihm dieser Status etwas bedeutet?
Maxyne Lippert:
Er hat es aus geschäftlicher Sicht sehr geschätzt, hat sich auch gefreut, wenn die Presse auf ihn zu kam, mit ihm reden und über ihn schreiben wollte. Aber privat hat man keinen Unterschied gesehen, wir haben ihn immer nur als unseren Vater wahrgenommen, nie als Promi. Ich habe mich immer für ihn gefreut, dass dieser Status da ist, weil er das auch selbst auskosten konnte. Rein aus geschäftlicher Sicht natürlich, er hat nie damit angegeben oder sich etwas darauf eingebildet. 

 

Im Disy-Interview hat er einmal gesagt, dass er mit Feuereifer an die Sache geht, weil er Stier ist. Hat er etwas auf Sternzeichen gegeben?
Maxyne Lippert:
Ja, die waren ihm immer ganz wichtig. Er hat ganz oft die Leute gefragt, welches Sternzeichen sie haben, privat, aber beispielsweise auch bei Einstellungsgesprächen. Er mochte es immer gern, wenn wir ihm Horoskope vorgelesen oder ausgedruckt haben. Er hat beim Stier immer viel gefunden, was auf ihn zutraf. Unter anderem, dass Stiere immer mit dem Kopf durch die Wand wollen. Das traf im positiven Sinne auf ihn zu. Er hat nie immer nur ein bisschen probiert, wollte immer das ganz Große. Ob es nun um geschäftliche oder Pressetermine ging. Wenn schon, denn schon, war hier seine Devise. 

 

Welche Rolle spielen im Zuge der Geschäftsübernahme die beiden Geschäftsführer Markus Ruidl und Alexander Voit?
Maxyne Lippert:
Der Markus ist nun schon sehr lange dabei, den kennen wir seit fast 20 Jahren. Alexander kannten wir auch schon sehr lange, aber nicht ganz so gut, weil er eher der ruhige Typ ist gegenüber Leuten, die er nicht so gut kennt. Aber beide sind extrem wichtig, weil sie die Philosophie leben. Sie kennen Salon und Alltag in und aus- wendig und wissen, auf was Papa Wert gelegt hat, wie die Kunden zu behandeln sind, wie Vorstellungsgespräche zu führen sind. Man kann sich voll auf sie verlassen, privat und geschäftlich. 

 

Planen Sie, Ihr Jurastudium zu Ende zu führen?
Maxyne Lippert:
Es ist gerade ein großes Hin und Her. Mein Dekan zeigte viel Verständnis für meine Situation, dafür gibt es diese speziellen Härtefall-Semester. Aber ich würde das Studium auf jeden Fall gern weiterführen, zunächst einmal bis zum ersten Staatsexamen. Ich bin zeitlich gut dabei, von den Noten im guten Bereich. Aber jetzt nehme ich mir erst einmal das halbe Jahr, um das Lebenswerk von meinem Papa zu erhalten. Das Geschäft steht für mich auf Nummer Eins. Das wäre zu egoistisch, wenn mir das Studium jetzt wichtiger wäre. 

 

Auch wenn es nie direkt geplant war, beschäftigt man sich doch theoretisch bestimmt mal mit der späteren Übernahme des Familienbetriebes?
Maxyne Lippert:
Es war immer mal ein Thema, wir haben es auch untereinander oft diskutiert. Ich bin Diejenige von uns, die nicht die reine Theoretikerin ist. Zu meinen Hobbies gehörte auch schon seit meiner Kindheit alles zum Thema Schönheit, ob Frisuren, Nägel, Make-up. Zu meinem Beruf wollte ich das nie machen, aber ich habe mich auch nie felsenfest auf nur ein Ziel versteift. Ich fange das an, wovon ich überzeugt bin, dass es zu mir passt, und ziehe das durch. Aber bisher hat mich noch nichts in eine endgültige Richtung gezogen. Da bin ich vielleicht flexibler als meine Schwester. 

 

Was soll man über Ihren Vater wissen, was noch nicht so bekannt ist?
Maxyne Lippert:
Dass er ein guter Familienmensch war, ein liebender Vater, und nicht nur der strenge Chef, wie ihn die Außenwelt viel- leicht oft gesehen hat. Meine Schwester und ich waren nicht so gerne in der Presse, deshalb haben wir das nicht so nach außen getragen. Aber diese familiäre Seite kennen wirklich nur Leute, die ihm auch nahe standen. Wir waren ein außergewöhnliches Trio, hatten eine besondere Beziehung zueinander. Und das weiß so fast niemand.