Wie wird man Unternehmerin? Interview mit Doreen Jacobsen über den Verein "Frauen in die Wirtschaft e.V."

Doreen Jacobsen, Mitgründerin und amtierende Präsidentin des Vereins "Frauen in die Wirtschaft e.V. - (FIW)" (Foto: TextGestalt Verlag)

Am 25. April 1994 beschlossen sieben Frauen aus Politik, Wirtschaft und Kultur, einen Verein zu gründen für Frauen, die sich selbständig machen oder beruflich weiterentwickeln wollen. Doreen Jacobsen ist die amtierende Präsidentin des Vereins „Frauen in die Wirtschaft e. V.“ (FIW) und eins seiner Gründungsmitglieder.


Disy: Welche Unterstützung haben Sie damals bei der Gründung von Verbänden, vom Land und von der Stadt bekommen?

Jacobsen: Mehr als moralische Unterstützung kam von den Verbänden nicht, denn sie hatten Anfang der 90er Jahre alle mit sich selbst zu tun. Land und Stadt waren insbesondere an dem von uns geplanten Gründerinnenzentrum interessiert. Das war ja etwas, was es noch nicht gab und was deshalb große
Unterstützung fand.


Disy: Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Gründerinnenzentrum und dem FIW?

Jacobsen: Ohne den FIW gäbe es das Gründerinnenzentrum nicht. Unsere damalige Präsidentin, Dr. Christiane Banuscher, hat jahrelang bei Stadt und Land für den Verein gekämpft und schließlich mit der Gesellschaft für Haus und Verwaltung GmbH (GHV) auch den idealen Träger gefunden. Die GHV hat das Objekt dann in die Finanzierung genommen und die Büroräume an die Frauen vermietet.


Disy: Welche Zielsetzung hatten Sie bei der Gründung des Vereins?

Jacobsen: Wir wollten Anlaufpunkt und Koordinationsstelle für Existenzgründerinnen sein. Außerdem wollten wir für die Frauen da sein, die sich bereits gegründet haben, denn bei ihnen besteht natürlich weiterhin ein enormer Gesprächsbedarf. Bei uns finden sie Gleichgesinnte: Frauen, die sich ebenfalls gerade selbständig gemacht haben, und die erfahrenen Älteren, die konkrete Hilfestellung leisten können, ohne dass gleich in barer Münze bezahlt werden muss. Wer mit unserer Hilfe gegründet hat, der bleibt uns in der Regel treu und dient den Neuen als Expertin oder Ratgeberin.


Disy: Welche konkreten Hilfestellungen bieten Sie einer Gründerin?

Jacobsen: Jede Gründerin erhält ein erstes kostenfreies Einführungsgespräch. Im Anschluss kann sie an einem ebenfalls kostenlosen Gründerseminar teilnehmen. Es folgt die weiterführende Begleitung durch unsere Mitglieder, die dem Verein als Coachs und Dozentinnen dienen. Und dann hat sie durch uns Zugang zu einem immensen Netzwerk – nicht nur innerhalb des FIW, sondern auch zu anderen regionalen und überregionalen Vereinen und Verbänden, mit denen wir kooperieren.

 

Disy: Was beinhaltet das Gründerseminar?

Jacobsen: Das Seminar besteht aus mindestens 60 Stunden. Im Wesentlichen geht es um die Fragen: „Wie muss das Konzept einer Existenzgründung aufgebaut sein und welche Eignungsvoraussetzungen sollte ich erfüllen?“ Informiert wird außerdem über Steuern, Fördermittel, Finanzierung,
Marketing, Kommunikation, Recht, Kosten, Umsatz, Rentabilität, Liquidität und nicht zuletzt über die Vereinbarkeit von Familie und Existenzgründung.


Disy: Auf welchen Mitarbeiterstab können Sie zurückgreifen?

Jacobsen: Aktuell erhalten wir Förderung für vier Ganztags- und eine Halbtagsstelle. Alle anderen Damen, die hier coachen und beraten, tun es ehrenamtlich.

 

Disy: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft und wie soll es weitergehen?

Jacobsen: Seit geraumer Zeit stellen wir fest, dass die Fokussierung auf die reine
Existenzgründung nicht mehr ausreicht. Die Unternehmenssicherung tritt immer weiter in den Vordergrund und ist ein zentrales Thema unserer Zukunftsplanung.

 

Disy: Wie alt sind die Frauen, die Sie bei der Unternehmensgründung begleiten? Gibt es da Unterschiede zu den Männern?

Jacobsen: Wenige sind in den Zwanzigern. Die meisten sind wenigsten Mitte Dreißig. Oft warten Frauen, bis die Kinder groß sind. Die Belastung durch die Familie ist für gründungswillige Männer kaum je ein Problem. Kein Mann wird von der Bank gefragt, wie er denn eigentlich Familie und Existenzgründung unter einen Hut kriegen will.
(...)


(Das Interview führte: Diane Winkler, Disy Rostock Herbst 2006)

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