Spaß, Frust und Sucht - Wie entstehen unsere Emotionen?

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Emotionen sind ein wichtiger Teil des Lebens eines Menschen. Sie begleiten ihn Tag für Tag und äußern sich bei jedem ganz individuell in eigener Intensität. Jeder Mensch verfügt über andere Mechanismen, um mit positiven und negativen Emotionen umzugehen. Was sind überhaupt positive und negative Emotionen, wie entstehen sie und wie lassen sie sich von Gefühlen abgrenzen?

 

Zunächst klären wir die Frage, worin der Unterschied zwischen Emotionen und Gefühlen besteht. Viele Menschen verwenden beide Wörter synonym, wobei sie zwei völlig eigenständige Bedeutungen haben. Emotionen stellen das dar, was wir empfinden. Das können Stimmungen wie Freude, Gelassenheit und Liebe als auch Besorgnis, Angst und Panik und darüber hinaus viele weitere Empfindungen sein. 

 Im Kontrast dazu steht das Gefühl. Gefühle sind bei allen Menschen ähnlich. Das bezieht sich beispielsweise auf den Schmerz. Jeder Mensch hat einen ähnlichen Umgang mit Schmerz und ebenso wie bei Kälte und Wärme löst der Zustand des Schmerzes bestimmte Empfindungen aus, die bei jedem Menschen ähnlich verlaufen.

 

Was unterscheidet positive von negativen Emotionen? 

Natürlich scheint die Differenz zwischen positiven und negativen Emotionen auf den ersten Blick klar zu sein. Was die meisten Menschen jedoch nicht wissen: Negative, wie auch positive Emotionen, wirken sich nachhaltig auf unseren Charakter aus und stehen mit unserem Erfahrungsschatz in direkter Verbindung. Hier greifen Wissenschaftler bevorzugt auf die Eindrücke zurück, die eine rote Ampel auf einen Fußgänger hinterlässt. 

 Da der Mensch dieses Erlebnis aufgrund der anschließenden Warteperiode als negativ wertet, entsteht im Gehirn der Glaube daran, dass ärgerlicherweise alle Ampeln „immer“ rot zeigen würden – bevorzugt dann, wenn einem gerade der Bus vor der Nase wegfährt. 

 Diese Regel gilt jedoch nicht ausschließlich für Ampeln. Sie ist auch sonst überall im Alltag vertreten. Die Schlussfolgerung lautet: Menschen brauchen viele positive Reize, um einen negativen Reiz zu unterdrücken. Beide Emotionen – negative wie positive – wirken als Verstärker. Wer häufig mit negativen Dingen konfrontiert wird, könnte sein Verhalten anpassen. Aus ihm wird vielleicht ein negativ denkender Mensch. 

Umgekehrt entwickelt sich ein Mensch mit zahlreichen positiven Erfahrungen unter Umständen zu einer Frohnatur. Ihn kann nichts erschüttern. Aufgrund seiner Einstellung zum Leben schafft er sich eine gewisse Barriere, eine Grenze, die negative Dinge und Zustände nicht überschreiten können. 

Natürlich sind dies überspitzte Betrachtungen. Aber es zeigt gut, wie Emotionen die Anschauungen und Verhaltensweisen von Menschen beeinflussen könnten.

 

Wo Emotionen entstehen

Der Entstehungsort der Emotionen ist der Cortex (Großhirnrinde) oder genauer gesagt: das limbische System. Wo genau die jeweilige Emotion entsteht, hängt wiederum mit ihr selbst zusammen. Denn auch das Gehirn unterscheidet zwischen positiv und negativ und so sind bestimmte Areale für die entsprechenden Emotionen verantwortlich. 

Knotenpunkt jener Emotionen ist der präfrontale Cortex, der seinerseits die von den Sensoren aufgenommenen Informationen aufnimmt. Weiterhin ist dieser Bereich wichtig, um die Außeneindrücke im Inneren verarbeiten zu können.

Natürlich spielen hier auch andere Bereiche mit hinein. Dabei ist in erster Linie an die Amygdala zu denken – ein weiterer Bereich des Hirns. Sie ist es, die eng mit Angst und Panik in Verbindung steht. 

 

Der Neurotransmitter Serotonin sorgt hingegen für Freude. Ein gesunder Serotoninspiegel führt also gewissermaßen unweigerlich zu einem freudigen Leben. Menschen mit Depressionen, Burnout und Angsterkrankungen weisen einen niedrigen Spiegel auf (auch andere Ursachen wie Schilddrüsenerkrankungen kommen dafür in Frage). Betroffene gleichen den Spiegel durch die Zugabe von Serotonin-Medikamenten aus. Allerdings gibt es auch durchaus kritische Stimmen, die eine Wirksamkeit solcher Präparate abstreiten.

Eine angeschlagene Amygdala lässt sich jedoch nicht so schnell korrigieren. Zu gering ist das Wissen über diesen Bereich des Gehirns. Über eines sind sich Forscher jedoch einig: Die Amygdala bringt eine Art Gedächtnis für Emotionen mit sich. Was auch immer der Mensch erlebt, die Eindrücke bleiben gespeichert. In ähnlichen Situationen greift das Gehirn dann auf die Informationen zurück und kann besser darauf reagieren. Das ist in Gefahrensituationen von enormer Wichtigkeit.

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Welche Auswirkungen das Suchtverhalten auf das Gehirn hat

In Deutschland leben viele Menschen und jeder ist einzigartig. Aufgrund verschiedener Umstände, kann es passieren, dass die Betroffenen in eine Sucht hineinrutschen. In der Regel tun sie das mehr auf passivem denn auf aktivem Weg und bemerken die sich einschleichende Sucht vorerst gar nicht. 

 

Spielsucht ist hierzulande ein sich immer mehr ausdehnendes Problem. Zahlreiche junge Menschen suchen auf der Jagd nach dem vermeintlich schnellen Geld die Casinos des Landes auf. Beim Spielen im Casino, kommt es zu einem erstaunlichen Phänomen. Der Mensch wähnt sich im Vorteil und wendet beim Spiel diverse Strategien an, die seiner Meinung nach Erfolg versprechen: Martingale und Fibonacci sind nur zwei der am häufigsten eingesetzten Spielverfahren.

Natürlich gibt es beim Glücksspiel immer mal wieder Phasen, in denen dem Spieler das Glück hold zu sein scheint. Dieser kurzweilige Erfolg führt im Gehirn zur Ausschüttung von Glückshormonen. Der Spielende fühlt sich bestätigt. Die Freude in diesem Moment ähnelt dem urmenschlichen Jagdtrieb. 

 

In der heutigen Zeit meint dies eher die Gier des Siegens, die Gier nach mehr. Der Mensch verliert durch den Glauben an einen Gewinn und durch Zwischengewinne immer mehr den Bezug zur Realität. Nach kurzer Zeit bewegt er sich in einem Suchtkreislauf.

Aber: Nicht jeder, der gerne und regelmäßig ins Casino geht, ist direkt spielsüchtig. Anhand verschiedener Kriterien, lässt sich ausfindig machen, wie problematisch das Spielverhalten einer Person ist. So lassen sich schnell Gegenmaßnahmen in die Wege leiten – sofern erforderlich.

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Biologische Hintergründe zur Sucht

Die biologischen Hintergründe zur Sucht spielen sich im Belohnungszentrum des Gehirns ab. Dazu muss ein Mensch jedoch erst einmal süchtig sein und dieser Begriff ist durchaus dehnbar. Kompliziert wird es zum Beispiel bei Suchterkrankungen wie der Magersucht, die sich sehr facettenreich zeigen kann und nicht an ein konkretes Suchtmittel gebunden ist. 

 

Beim sogenannten Craving – dem direkten Wunsch nach Erhalt des Suchtmittels – aktiviert sich in erster Linie der Nucleus Accumbens. An zweiter Stelle steht die sich ebenso im Gehirn befindende Insula, die eng mit den Emotionen und ihrer Verarbeitung verknüpft ist.

Sobald ein Mensch ein stärkeres Verlangen nach einer Bedürfnisbefriedigung im Sinne eines Suchtverlangens hat, sind diese beiden Areale sozusagen „scharf geschaltet“.

 

Bei Drogenabhängigen spielt sich ein ähnlicher Prozess ab. Auch ihre Insula und der Nuccleus Accumbens aktivieren sich während der Mangelerscheinung und sorgen nach der Befriedigung für Freude. Die Intensität der Ausschüttung jener Areale ist bei den meisten Suchterkrankungen nahezu identisch.

Ein besonderes Kennzeichen von Suchterkrankungen ist, dass diese sich nicht einfach wieder „abtrainieren“ lassen. Ein Alkoholiker kann ohne den Alkohol leben, doch wird er seine Sucht stets behalten. Die kurze Aktivierung genügt und schon sind die Reize wieder da. Beim Spielsüchtigen ist das ebenso. Daher benötigen Betroffene unbedingt Hilfe. 

 

Zumeist bemerken sie ihr Suchtverhalten nicht oder reden es klein. Wer als Außenstehender die Signale erkennt, sollte dringend handeln. Mit einer raschen Therapie und der Befragung und Analyse der Hintergründe zum Suchtverhalten begibt sich der Betroffene auf einen effektiven Weg zur Heilung und kann hoffentlich schon bald wieder ein normales Leben führen.

 

Text: Sven Hofer