Lohnenswert: „West Side Story“ in der Semperoper

Musical-Klassiker mit Feuer. Fotos: BB Promotion

Ich gebe es zu: „West Side Story” war die erste Langspielplatte (ja, so etwas gab es mal in jedem Haushalt…), die aus dem Plattenschrank meiner Eltern auf Nimmerwiedersehen in meinem Kinderzimmer verschwand. Meine Freundin Monika und ich kannten alle Texte auswendig und träumten davon, so hinreißend romantisch schön zu sein wie Maria. Oder wenigstens so feurig wie Anita. Und so begab es sich, dass ich rund drei Jahrzehnte später die Helden meiner Kindheit wieder traf. Auf der Bühne der Semperoper. Mit der Premiere des Musical-Klassikers „West Side Story“ von Leonard Bernstein begann das Opernhaus seine Sommersaison. Ehrensache, dass ich alle Texte kannte und mich deshalb beherrschen musste, nicht mitzusingen. Die Story spielt in Manhattan, wo die Einwanderer aus Puerto Rico auf die „weißen Amis” treffen und sich heftige Straßenschlachten liefern. Vorurteile, Angst und Intoleranz bestimmen die Gräben, die sich zwischen den zwei rivalisierenden Gangs, den „Jets” und den „Sharks” auftun. Sprühende, elanvolle Tanzszenen des durchweg erstklassigen Ensembles begeisterten die Zuschauer. Die Inszenierung von Joey McKneely erzählt mit viel Tempo, Dynamik und Einfühlungsvermögen die Liebesgeschichte von Maria (Elena Sancho Pereg) und Tony (Liam Tobin). Die zwei gehören verschiedenen Gangs an, die sich bekämpfen. Und so sehr sich beide auch bemühen, geraten sie zwischen die Fronten. Eine Tragödie, die tödlich endet. Eine hinreißende Maria mit viel Stimme und ein sehr hübscher Tony, dessen Stimme jedoch etwas beengt erschien, sorgten für Sympathie beim Publikum. Mir gefiel Anita (Penelope Armstead-Williams) am besten. Ihre feurigen Tanzeinlagen waren grandios und die Stimme bewegend. Echter Hingucker: Bernardo (Pepe Munoz), Anführer der „Sharks“. So lieben wir den Machismo... So furios das Ensemble mit sprühender Lebensfreude auch sang und tanzte, die eigentlichen Lorbeeren gebühren den Musicalmachern Leonard Bernstein und Jerome Robbins. Der Stoff ist einfach immer noch brandaktuell und die Choreografien absolut heutig. Das Orchester unter der Leitung von Donald Chan spielte die wunderbare Musik mit viel Elan und dem entsprechend jazzigen Feeling. Alles in allem ein gelungener Abend und ein toller Auftakt für die Sommersaison.

 

Fazit: Mitreißend, bewegend, irgendwie Vintage und doch brandaktuell. Ein Musical-Klassiker, den man unbedingt gesehen haben sollte.

Fotos: BB Promotion