WJELBIK - Kornstraße 7

Witajce k nam - Herzlich Willkommen“, begrüßt uns die Wirtin nach sorbischer Art mit Brot und Salz im WJELBIK in Bautzen. Wir sitzen in einer gemütlichen Nische, das Restaurant ist gut gefüllt. Und noch vor dem ersten Gang erfahren wir durch unsere Bedienung und von zwei Einheimischen, die wir zu unserem Test extra mitgenommen haben, Wissenswertes über sorbische Tradition und Kultur. Schließlich können wir nur mit dieser Expertise fachmännisch einschätzen, ob hier wirklich so viel authentische Tradition geboten wird, wie man verspricht. Und schon mal das Urteil vornweg: Alles bestens! Der Name WJELBIK verrät sorbische Herkunft und heißt „kleines Gewölbe“ und „Vorrats- oder Speisekammer“. Das denkmalgeschützte ca. 600 Jahre alte Natursteingewölbe wurde im Zuge des Wiederaufbaus des kriegszerstörten Gebäudes restauriert und beherbergt seit 1978 das WJELBIK. Seit 1991 wird das WJELBIK von den sorbischen Wirtsleuten Stefan und Veronika Mahling geführt. Seit 2009 unterstützt Tochter Monika als Restaurantleiterin mit ihrem Ehemann Thomas Lukasch als Küchenchef. Wir sind gespannt auf die Speisen, die garantiert sorbisch und mit frischen Zutaten aus der Region bereitet sein sollen. Natürlich bestellen wir Hochzeitssuppe (4,90 Euro) und Quark mit Leinöl (9,80 Euro). Die Hochzeitssuppe hatten wir bei unserem ersten Besuch sehr kritisiert und wurden für unsere Kritik wiederum kritisiert. Also bestellen wir zwei Schüsseln Suppe und reichen sie herum. Restaurantkritiker, Gäste und Zeugen kosten. Und: Es gibt nichts zu mäkeln. Was haben die Köche heute gemacht, oder bei unserem letzten Besuch? Egal – es schmeckt allen. Dieses Mal ist sie kräftig genug, das Gemüse ist knackig und frisch, die Fleischklößchen zerfallen auf der Zunge. Super! Zu Kartoffeln und Quark wird das Leinöl extra gereicht. Sehr lecker! Unsere Bautzener Gäste bestätigen das Typische an dem Gericht und wie verbreitet Leinöl im Gebiet sei. Die weiteren Vorspeisen können wir genauso loben: Dreierlei vom Karpfen (6,80 Euro) und einen kleinen Salatteller (4,90 Euro). Wir schauen uns um: Im Gewölbe befi nden sich 55 Plätze, im Hochzeitszimmer 45. Der Raum eignet sich gut für Hochzeiten und Familienfeiern. Wir bewundern das farbige Fensterbild mit dem weiblichen Naturgeist, der Mittagsfrau, und der Schlange. Das Ambiente ist gemütlich, die Damen vom Service wechseln sich ab. Alle sind sehr nett. Wir bestellen die Hauptgänge: typische Lausitzer Speisen mit böhmischen Einfl üssen. Karpfen blau aus der Oberlausitzer Heideund Teichlandschaft (14,50 Euro), Sauerbraten (12,90 Euro) und Entenbrust (15,80 Euro). Wir mögen, dass die Extra-Soße automatisch gereicht wird. Die Ente ist knusprig, die Soße kräftig und dunkel. Der Karpfen ist überhaupt nicht strohig, eher leicht, zart und saftig. Geschmack und Konsistenz des Karpfens hängen ja bekanntlich stark von den Haltungsbedingungen ab. Wir sind zufrieden. Der Sauerbraten ist perfekt süßlich und säuerlich und zart genug. Dazu trinken wir einen Spätburgunder Edition S von der Fellbacher Weingärtner eG (21,40 Euro). Bei den Desserts stechen zwei hervor: der Café glacé (3,90 Euro) ist super und das Baileysparfait (5,60 Euro) schmecken uns am besten.

 

Fazit: Bei diesem zweiten Besuch war alles perfekt! Es war ein gemütliches Essen, nicht übertrieben opulent, nicht modern, aber auch nicht altbacken. Eine gute Mischung aus aufmerksamem, aber dennoch dezentem Service, gelebter Tradition und wirklich leckerem Essen. Aller guten Dinge sind drei - wir kommen wieder!

Foto: Disy