Traditionsreiche Genossenschaft geht mit der Zeit

Foto: markenteam

Im Gegensatz zu den meisten anderen Konsumgenossenschaften, hat es die Konsum Dresden eG nach der Wiedervereinigung geschafft, sich zu behaupten und wirtschaftlich zu arbeiten. Im letzten Jahr hatte das Unternehmen mit seinen 35 Filialen in Dresden und Umgebung einen Umsatz von fast 109 Millionen Euro. Das Disy Magazin hat mit Vorstandsmitglied Roger Ulke gesprochen.

 

Warum lenken Sie mit einer Veranstaltung wie der Heimatwoche die Aufmerksamkeit besonders auf regionale Produkte?

Ulke: Als ich im Jahr 2000 begonnen habe, für die Konsum Dresden eG zu arbeiten, gab es bereits einen großen Anteil an regionalen Ar- tikeln in unseren Regalen. Das war für uns naheliegend. Wir hatten schon immer sehr gute Beziehungen zu unseren regionalen Lieferanten und sind mit ihnen eng vernetzt. Das war für uns eine Selbstverständ- lichkeit. Im Zuge der voranschreitenden Globalisierung haben wir aber gemerkt, dass es für die Kunden von Interesse ist, woher ein Produkt kommt. Deshalb haben wir 2012 beschlossen, offensiv zu zeigen, dass wir einer der größten Händler für regionale Produkte sind. Deshalb haben wir die Heimatwoche ins Leben gerufen.

 

Wie groß ist der Anteil von sächsischen Produkten?

Ulke: Wir haben rund 3000 solcher Artikel in den Regalen. Deren Anteil an unserem Gesamtumsatz beträgt, je nach Saison, 22 bis 25 Prozent. Bei Backwaren sind es sogar bis zu 77 Prozent. Ich denke, dass ist eine deutliche Hausnummer, deutschlandweit schafft das kaum ein Einzelhändler.

 

Wie kommt es zu diesem hohem Anteil?

Ulke: Unsere Kunden fragen ganz konkret regionale Produkte nach. Der Konsum ist eine Verbrauchergenossenschaft. Unsere Mitglieder sind unsere Kunden. Und unsere Mitglieder sagen ganz eindeutig: Bit- te mehr aus der Region!


Die Verbraucher fragen immer mehr spezielle Lebensmittel nach: Bio, vegan, glutenfrei etc. Können Sie diese Nachfrage mit lokalen Lieferanten bedienen?

Ulke: Wir haben über 500 vegane und über 1700 Bio-Produkte im Sortiment. Wir müssen mit dem Trend gehen. Auch unsere Lieferanten stellen sich darauf ein.

 

Die Kunden schauen natürlich nach dem Preis. Sind Produkte von kleinen, regionalen Herstellern nicht teurer als von Massenliefe- ranten?

Ulke: Wenn Sie immer das billigste Produkt suchen, sind Sie bei uns sicher falsch aufgehoben. Bei uns zählen auch noch andere Werte. Uns ist die Verknüpfung mit der Region wichtig und ein gutes Miteinan- der mit unseren Lieferanten aus der Umgebung. Bei denen können wir nicht so sehr auf den Preis drücken wie bei den ganz großen, überre- gionalen Anbietern. Diese haben gerade wegen ihrer Größe eine ganz andere Kostenkalkulation. Wir sind da eher auf partnerschaftlichen Wegen unterwegs.

 

„Wenn Sie immer das billigste Produkt suchen, sind Sie bei uns sicher falsch aufgehoben. Bei uns zählen auch noch andere Werte. Uns ist die Verknüpfung mit der Region wichtig und ein gutes Miteinander mit unseren Lieferanten aus der Umgebung.“

 

Welchen Vorteil zieht Ihr Unternehmen aus dieser Strategie?

Ulke: Bei uns gibt es einige Artikel, die kein anderer Supermarkt an- bieten kann.

 

Neben dem Preis spielt für den Kunden immer Qualität eine große Rolle...

Ulke: Das ist richtig. Wir haben sehr, sehr strenge Qualitätsstandards. Wir nehmen viele Artikel bereits vor dem Erreichen des Mindesthalt- barkeitsdatums aus den Regalen. Das heißt aber nicht, dass sie ver- nichtet werden. Diese Artikel spenden wir an die Dresdner Tafel. Im Fall von Obst und Gemüse geht auch viel an den Zoo.

 

Damit wären wir beim Thema Nachhaltigkeit. Haben Partner aus dem Umland auch bei diesem Punkt Vorteile?

Ulke: Auf jeden Fall! Die Artikel sind weniger auf der Straße, sind schneller in unseren Geschäften und dadurch frischer. Das ist eines unserer ganz großen Ziele. Aktuell versuchen wir eine EMAS – Zerti- fizierung zuerreichen. Das ist ein Gütesiegel der EU für Unternehmen, die kontinuierlich daran arbeiten, ihre Umweltbilanz zu verbessern. Deshalb haben wir bei uns ein umfassendes Umweltmanagementsy- stem eingeführt. Das betrifft u.a. Abfallvermeidung, Energieaufwand und eben auch die Lieferantenauswahl.

 

Gibt es auch Schwierigkeiten, die Ihr Unternehmen nicht hätte, wenn es nur mit den großen, überregionalen Anbietern zusammenarbeiten würde?

Ulke: Besonders bei kleineren Lieferanten haben wir oft eine Art Men- torfunktion. Vielen müssen wir helfen, unseren Anforderungen gerecht zu werden. Das sind Details wie die Einführung eines Barcodes oder bestimmte Zertifizierungen. Darauf müssen wir aber bestehen, damit die Anbieter unseren Qualitätsstandards gerecht werden. Deswegen ist auch nicht jeder kleine Produzent für uns als Lieferant geeignet. Andererseits konnten wir auch vielen Unternehmen helfen, sich wei- terzuentwickeln.

 

Welches Produkt aus der Region mögen sie am liebsten?

Ulke: Ich liebe sächsische Weine. Ich kann nicht verstehen, wenn ge- sagt wird, sächsischer Wein sei zu teuer. Sächsische Weine sind eine absolute Rarität und einige Goldrieslinge und Eisweine gehören zu den besten.

 

 

Das Genossenschaftsmodell

Der Konsum Dresden ist bereits 1888 als Genossenschaft gegründet wurden. Die mehr als 22.500 Mitglieder sind die Eigentümer des Unternehmens. Alle 4 Jahren wählen sie 50 Interessenvertreter. Dieses „Parlament der Mitglieder“ entscheidet in allen für die Ge- nossenschaft wesentlichen Angelegenheiten. Als oberste Instanz beschließt die Vertreterversammlung die Satzung, wählt das Kon- trollgremium der Genossenschaft, den Aufsichtsrat und entscheidet über die Gewinnausschüttung. Mitglied kann jeder werden. Ein Ge- nossenschaftsanteil kostet 75 Euro. Mitglieder, die mindestens fünf Anteile besitzen, bekommen eine jährliche Dividende. Im letzten Jahr rund 1,88 Euro pro Anteil 2,5%. Für alle Anteilseigner gibt es außerdem einen Rabatt, der rückwirkend als Rückvergütung am Ende des Geschäftsjahres ausgezahlt wird. Um Finanzspekulati- onen mit Anteilen zu verhindern, darf jedes Mitglied maximal nur zehn Anteile pro Jahr erwerben.

 

Unternehmensfakten

108,8 Millionen Euro Umsatz 2015, 40.000 Kunden pro Tag, 35 Filialen, 850 Mitarbeiter , 22.500 Mitglieder, 30.000 m2 Verkaufs- fläche, 35.000 Artikel

 

Vita Roger Ulke

Roger Ulke wurde am 1964 in Leipzig geboren. Sein beruflicher Werdegang startete mit Gestaltung und Ladenbau. 1994 richte- te er als Projektleiter Key Accounts der Vitrashop AG/CH große deutsche Textil- und Sportwarenhäuser ein. Mitte der 1990er Jahre wechselte Roger Ulke zur Jos De Vries The Retail Company BV.. Als Strategy Consultant veranstaltete er Studienreisen, betreute den deutschen Food-Markt und entwickelte Shopkonzepte für die unter- schiedlichsten Anbieter. So arbeitet er für Famila, Spar, EDEKA, Tank&Rast, für Karstadt oder für KONSUM. Seit 2000 ist Roger Ulke als Vorstandsmitglied der KONSUM DRESDEN eG in un- terschiedlicher Funktion verantwortlich für das operative Geschäft der Genossenschaft. Roger Ulke ist verheiratet und lebt in Dresden. 

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