Wer ist Tom Buhrow wirklich?

Fröhlich begegnet er mir, lustig, fast kumpelhaft. Wie gute Bekannte wirken wir wohl für die anderen Gäste. Schnell hat er sich auf mich eingestellt. Seiner Frau würde er später sicher erzählen, er hätte mich „abgeholt“. Er schwärmt von Dresden. Das sollte er. Nicht nur, weil wir ein Dresdner Gesellschaftsmagazin sind und ich Dresdnerin. Dann greift er als Hauptthema aus seinem bemerkenswerten Buch das Kapitel „Kinder und Bildung“ heraus, um genau das ausführlich zu besprechen. Scheinbare Gemeinsamkeiten. Er hat Kinder, ich habe Kinder und ziemlich offensichtlich demnächst eins mehr. Das Gespräch ist flüssig und unterhaltsam, man muss ihn mögen,
darin hat er ganz sicher Übung. Und obwohl mir das alles klar ist und ich mich ärgere, warum er nicht zum Beispiel die Staatspolitik als Thema gewählt hat, um mich „abzuholen“, mag ich ihn. Schmunzelnd zwar, aber ich mag ihn. Gerade noch kann ich mich erinnern, dass ich ihn interviewen möchte und nicht andersherum.

Deshalb fühle ich ihm jetzt auf den Zahn. Seine Art, ich habe ihn doch durchschaut, oder? Nach einer Weile gibt er zu: „Ich will auf Augenhöhe sein. Ich will nicht wie Moses mit den Steintafeln herunterkommen. Trotz meines Informationsvorsprunges gehe ich in die Hocke und teile.“
Nun könnte meine Sympathie in, sagen wir mal diplomatisch, „starken Ärger“ umschlagen, aber mein Selbstbewusstsein sagt mir, dass er die Art meint, sich und seine Nachrichten dem Zuschauer zu verkaufen. „Klar“, bestätigt er und ich muss wieder lächeln. Haut er bei seiner lockeren Plauderei einfach manchmal „ein paar Dinger raus“, oder soll das Gespräch ein Schlagabtausch werden? „Ich mag Menschen und bekomme leicht Zugang zu ihnen. Für Barrieren bin ich nicht.“ Er ist halt ein Berufskollege. Er erklärt mir, was er macht, und ich erkenne mich darin. Ich würde behaupten, er kann mir nichts vormachen, und er wird das seiner Frau garantiert auch über mich sagen.

Das wird ein interessantes Gespräch. Ich liebe meinen Beruf!

Chefredakteurin Anja K. Fließbach im Gespräch mit Tom Buhrow

„Ich möchte ein schlichtes Gegenüber sein“, sagt er, und es ist der sechste Satz, den er nacheinander mit „Ich“ beginnt.
Berufsmäßig habe ich in diesem Artikel zwei davon so umgestellt, dass er als Interviewter besser da steht und sich mein Text besser liest. Aber das mit dem schlichten Gegenüber könnte auch mein Leitsatz sein. Tom Buhrow ist wirklich toll, ein Klassemensch. Ich mag ihn, aber das schrieb ich schon.

Doch weder sein noch mein Job sind pure Plaudereien, und so werden wir wieder ernsthafter. „Nachrichten sind mein Leben“, erklärt er. Im Genre der Weltnachrichten kennt er sich aus. Viele Jahre war er als Reporter unterwegs, oft an internationalen Brennpunkten. Stress, Improvisation, Einsatz rund um die Uhr. Da ist sein heutiger Job in der Tagesschauredaktion der ARD sehr viel entspannter. „Ich habe ein Büro, einen Computer und kann in Ruhe an den Nachrichten feilen“, freut er sich. Teil seines Jobs und seines Erfolges ist es natürlich auch, diese Vertrauenssituation zwischen sich und dem Zuschauer zu schaffen. Ernsthaft lobe ich ihn für seinen Mut, trotz oder gerade wegen seiner Verantwortung in einer der Hauptnachrichtensendungen des Landes, regelmäßig auch Stellung zu kontroversen Themen zu beziehen - sei es das Überbordwerfen der Stabilitätsgarantie für den Euro oder das Eurorettungspaket. Kaum denkbar, dass da nicht manchmal nach der Sendung das „rote Telefon“ klingelt.
„Natürlich nicht“, erklärt Buhrow bestimmt. „Wir genießen eine freie Redaktionsarbeit.“
Luxus bei der ARD? Natürlich nicht, schreibe ich ebenso bestimmt. Standart und Medienfreiheit in Deutschland!
Der Markt und die Konkurrenz im deutschen Nachrichtengeschäft interessieren mich. „Wir vergleichen unsere Arbeit schon auch mit anderen Formaten“, so Buhrow. „Unsere Stücke und Informationen sollen mehr beinhalten als andere Sendungen, auch in der ARD selbst. Im Gegensatz zu Tagesschau und Nachtmagazin wollen wir mehr Hintergründe, Interviews und Mehrwert bieten.“ Bei den Nachrichten auf anderen Sendern, sehe er sich höchstens die Aufmacher an.
Doch meist bleibt in der Hauptarbeitszeit vor der eigenen Sendung dazu kaum eine Möglichkeit. Denn Konzentration auf seine Arbeit ist ihm wichtig. So locker er bei unserem Gespräch ist, so angespannt sei er vor der Sendung. „Obwohl es eher eine Restspannung ist“, versucht er zu formulieren. „Oder eine Mischung aus Konzentration und Entspanntheit.“
Aber wenn die Stahltür des Studios sich schließt, die Scheinwerfer angeschaltet sind und er allein ist mit den automatischen Kameras, dann fühle er sich superwohl. „Dann dominiert die Freude, dann redet mir keiner mehr rein.“ … dann kommt er 1:1 zu uns ins Wohnzimmer.

Seine Frau kommt zu uns, setzt sich dazu. Sabine Stamer, ebenfalls Journalistin. Sie wirkt erst streng, dann im beginnenden
Gespräch erscheint sie ebenso nett wie ihr Mann. Ähnliche „Abholmanöver“.
Egal, trotzdem wirklich nett. Gemeinsam sind sie auf Lesetour ihres gemeinsamen Buches „Mein Deutschland, dein Deutschland.“ Es ist ein gutes Buch.
Ich habe es gelesen, deshalb unterhalte ich mich gern mit beiden darüber. „Das eigene Land zu betrachten ist aufregend“, so Buhrow. Viele Jahre hat er mit seiner Familie in Amerika gelebt, und so kann er sein eigenes Land mit einem gewissen Abstand betrachten. „Wenn man lange in einem Land lebt, werden viele Dinge selbstverständlich. Uns sind die Dinge nach unserer Rückkehr erst richtig
aufgefallen.“ Es soll ein entspannter Blick auf Deutschland sein, nicht so verbiestert, und sie wollen auch nicht auf die perfekte Lösung kommen, die gäbe es nämlich gar nicht. „Wir hatten Lust zum Schreiben, Lust uns mitzuteilen, und haben ein Buch verfasst, das wir selber gern im Bett lesen würden.“

Das Autorenehepaar Buhrow

Dann ist Tom Buhrow wieder bei seinem Hauptthema, der Bildung. Erfahrungen als Vater von Schulkindern hat er durch seine Auslandsaufenthalte in den USA, Frankreich und natürlich auch hier in Deutschland gesammelt. „Das Problem in unserem Land ist, dass Leistung nicht hoch angesehen wird.“ Auf „Streber“ würde schnell mit dem Finger gezeigt.
Das entsprechende Bildungs-Kapitel im Buch heißt „Glückskiller Schule“. Je älter die Schüler würden, desto mögen würden sie die Schule. „In Deutschland geht es mehr um Prinzipien und Ideologien als ums Lernen und das Wohlergehen unserer Kinder“, meint das Paar. Sie kritisieren die Klassengrößen und besagtes „Anti-Leistungs-Klima“. In Amerika sei das anders: „Amerikanische Eltern gehen davon aus, dass Kinder lernen wollen, dass sie etwas leisten möchten, auf das sie stolz sein können. Wir dagegen fürchten in erster Linie, die Kinder könnten sich quälen, wenn wir zu hohe Leistungen von ihnen fordern.“ Außerdem plädieren sie für die gute alte Form, Diktate zu schreiben und auch wesentliche Dinge auswendig zu lernen. Die Lehrer der weiterführenden Schulen beklagen oft mangelnde Grundkenntnisse aus der Grundschule.

Zur Disziplin-Diskussion haben sie auch eine Meinung. Buhrow: „Disziplin wird in Deutschland gleichermaßen gehasst wie vermisst.“ Auch die Autorität der Lehrkräfte hätte stark abgenommen. Manche Eltern raten ihren Kindern sogar, alle Aussagen ihrer Lehrer
zu hinterfragen. Käme es zu einem Vorfall und einer Konfrontation, würden die Eltern der „Übeltäter“ meist ihre Kinder in Schutz nehmen. In den USA heißt es beim Aufzeigen der Grenzen der Kinder durch den Lehrer einfach: „Das ist die Regel.“ Und dann ist das die Regel.
„Im Land der Freiheit hat man überhaupt kein Problem damit, Vorschriften zu machen“, so der Buchautor. Denn Freiheit würde zum Egoismus, wenn man nicht auch an die Freiheit des anderen denkt. Außerdem fehle in deutschen Schulen Zuspruch, Ermutigung und Lob, was in der Gesellschaft insgesamt großzügiger verteilt werden müsste.
Die Kellnerin bringt ein neues Wasser für den Fernsehmoderator. Er hat sich warm geredet, brennt für seine Überzeugung und freut sich, dass er mit dem Buch seine Meinung endlich auf 20 bis 30 Seiten zu einem Thema mitteilen kann. „In den Tagesthemen ist immer nur so knapp Zeit.“
Seine Frau habe als Co-Autorin einen großen Anteil am Gelingen des Werkes. „Sie ist die eigentliche Buchautorin, sie kann das besser als ich und hat sozusagen die Dramaturgie übernommen.“ Die Themen hätten sie sich aufgeteilt, geschrieben, gegenseitig gegengelesen und ehrlich kritisiert.
„Meine Texte mussten immer gekürzt werden“, so Buhrow. Wenn ich nachts an meinem Schreibtisch sitze und mich in Euphorie schreibe, schlage ich manchmal über die Stränge und schreibe viel zu viel.“ Aber Tom Buhrow hat auch viel zu sagen, und es ist kein reines Geplauder.

 

So auch zu vielen anderen Themen wie der Vereinbarkeit von Beruf und
Familie, von sozialem Engagement, Patriotismus und Wirtschaft. Darüber
und über sein Bekennen, ein Dresden-Fan zu sein, lesen Sie mehr in
unserer nächsten Ausgabe!

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