Das zweitälteste Gewerbe der Welt

Thomas Käfer betreibt seit 17 Jahren ein Pfandleihhaus in der Nähe des Münchner Bahnhofs. In Regalen reihen sich unzählige Kisten und Taschen aneinander, akribisch durchnummeriert. In Schubkästen be- finden sich Ordner mit hochwertigem Schmuck. Man kann nur erahnen, welchen Wert die hier gelagerten Waren insgesamt haben. Mit Disy sprach Käfer über die Besonderheiten im Pfandleihgeschäft. 

 

Welche Objekte kann man in Zahlung geben? 

Käfer: Alles, was einen materiellen Wert hat: Schmuck, Uhren, Antiquitäten, aber auch Fernseher, Laptops, Spielekonsolen oder Kameras. Die Kosten sind am Markt überall ähnlich, bei uns kostet es 3,50 Euro für einen Kredit über 100 Euro. 

 

Kommen Ihnen oft Fälschungen unter?
Käfer:
Ja, regelmäßig. Beliebt ist zurzeit unter anderem die gefälschte Krügerrandmünze. Sie hat nur eine Goldlegierung, besteht im Inneren jedoch aus Wolfram. Das ist tückisch, weil Wolfram das gleiche spezifische Gewicht hat wie Gold. Nur durch einen Magnettest kann die Echtheit nachgewiesen werden. Wolfram ist im Gegensatz zu Gold magnetisch. Diese gefälschten Münzen werden teilweise zu einem Drittel des Preises angeboten. Wenn sie dann durch verschiedene Hände gereicht werden und ein Kunde damit zu uns kommt, ist ihm meist nicht einmal böse Absicht zu unterstellen. Wenn allerdings einer mehrere abgeben will, werden wir misstrauisch. Natürlich gibt es auch viel gefälschte Markenware. Was teure Accessoires wie Taschen angeht: die nehmen wir nur mit Original-Rechnung auf den Namen des Kunden an. 

 

Haben Sie spezielle Sicherheitsvorkehrungen?
Käfer:
Hier bei der Pfandleihe sind die Leute selten an Überfällen interessiert. Manchmal werden sie aggressiv, wenn sie sich mehr versprochen haben, teilweise das Zehnfache des von uns vorgeschlagenen Wertes wollen. Sie werden dann ausfallend, wenn wir sie auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Mit dem Panzerglas brauchen wir keine Angst haben, dass sie uns an die Kehle springen. Im Juweliergeschäft ist das Risiko eines Überfalls logischerweise hoch, denn dort kann ein Dieb gleichermaßen Geld und Gold erwarten. 

 

Sie betreiben auch ein Juweliergeschäft?
Käfer:
Das Geschäft betreiben wir seit vergangenem September, das hat sich angeboten. Das Sortiment ist recht ausgefallen, weil wir nur Einzelstücke haben. Was weg ist, ist weg. Die Stücke stammen aus verschiedensten Zeiträumen, teilweise echte Klassiker. Hochwertigem Goldschmuck sieht man sein Alter nicht an, wenn er gut aufbereitet wird. Und die Schmuckherstellung in verschiedenen Ländern unter- scheidet sich, dadurch entsteht auch unterschiedliche Optik. 

 

„Alles für seine Firma zu geben, reicht oft nicht mehr.“ 

 

Was passiert mit Ware, die nicht wieder abgeholt wird?
Käfer:
Nach einiger Zeit, wenn die Ware zu lange bei uns gelagert war und wir den Kunden schon angemahnt haben, müssen wir die Objekte versteigern. Das geschieht nach frühestens vier Monaten. Das machen wir nicht gern, denn es bedeutet, dass wir Geld verloren haben, aber wir sind gesetzlich dazu verpflichtet. 

 

Was gefällt Ihnen an der Branche?
Käfer:
Das Pfandleihgeschäft ist das zweitälteste Geschäft der Welt. Nach dem Krieg wurde alles verpfändet: Schuhe, dicke Jacken, Bügeleisen, es fehlte ja schlicht an allem. Heute ist es ein lukratives Geschäft, weil alles teurer wird, gerade in München. Bei den Preisen in dieser Stadt kann keiner mehr mithalten. Und der Reiz, sein Geld aus- zugeben, lockt von überall. Damit kommt nicht jeder klar. Aber es ist auch nicht jeder zum Pfandleiher geboren. Ich habe 14 Konkurrenten hier, das bedeutet ein harter Kampf um die Kunden. 

 

„Man sieht sich immer an den gleichen Orten, besonders auf dem Oktoberfest. Es gibt viele, die überall dabei sein wollen und sich dazu zählen, obwohl sie eigentlich nicht in diese Kreise gehören.“ 

 

Was machen Sie besser?
Käfer:
Man muss Sachen auch mal stehen lassen können, wenn sie fertig sind und mit gutem Gewissen etwas abschließen können. Ich habe bei der Gründung 1999 bei Null an- gefangen und alles selbst aufgebaut. Deswegen freue ich mich, Dinge funktionieren zu sehen, aber auch zufriedene Mitarbeiter zu haben. So etwas motiviert einen weiter. 

 

Sie wirken sehr gelassen...
Käfer:
Es entsteht eine gewisse Entspanntheit, die mit dem Alter kommt. Man sieht die Dinge nicht mehr so eng, nicht so dramatisch. Ich zum Beispiel, und da geht es vielen in meinem Alter ebenso, kann auf eine Menge Sachen zurückblicken, auch weniger Schönes natürlich, aber
vor allem viel Positives. Ich kann mit Zuversicht auf das letzte Lebensdrittel zugehen. 

 

Wie soll es weiter gehen?
Käfer:
Durch Wirtschaftlichkeit und Profitabilität. Erfolg wird immer an Zahlen gemessen. Ich komme aus einer typischen Kaufmannsfamilie, mein Vater und mein Großvater waren Gründer. Aber alles zu geben, reicht oft nicht mehr, es bleibt vieles auf der Strecke. Ich habe den Zeitpunkt leider verpasst, Kinder in die Welt zu setzen. Mein Cousin zum Beispiel (Michael Käfer, GF Feinkost Käfer) ist ein wunderbarer Geschäftsmann, der seine Firma mit großer Leidenschaft führt und voranbringt. Für so etwas gibst Du heutzutage Dein Leben. 

 

Was macht die Münchener Gesellschaft aus? 

Käfer: Die ist ein Thema für sich. Man sieht sich immer an denselben Orten, besonders auf dem Oktoberfest. Es gibt viele, die überall dabei sein wollen und sich dazu zählen obwohl sie eigentlich nicht in diese Kreise gehören. Auf der anderen Seite gibt es die aus der Oberschicht oder Adelige, die man wenig sieht. Nur zur Wiesn mischen sich alle.