Die Hauptrolle

Erstmals spielt Stephanie Stumph in einem Film die Hauptrolle. Eine große Herausforderung für die gebürtige Dresdnerin, die mit der großen Verantwortung aber gut zu Recht kam und viel Spaß bei den Dreharbeiten hatte.

 

Im November lief ein Zweiteiler im Fernsehen, in dem Sie die Hauptrolle spielen. Was ist das für ein Film?
Stumph: Der Titel des Films ist "Das Mädchen mit dem indischen Smaragd" und am Ende bin ich sozusagen dieses Mädchen. Eigentlich ist es der Titel eines Märchens, das am Anfang erzählt wird und mit dem der Film am Ende auch wieder schließt.

Und worum geht es eigentlich?
Stumph: Es ist eine Mischung aus Krimi und Gesellschaftskritik in Bezug auf die schlechte Stellung von Mädchen in Indien, die zum Teil abgetrieben oder vertauscht werden.

Wo ist der Film entstanden?
Stumph: Wir haben den Film im Herbst letzten Jahres in Indien gedreht. Das dauerte zehn Wochen und wir haben mit vielen indischen Schauspielern zusammengearbeitet.

Was ist für Sie das Besondere an diesem Film?
Stumph: Es ist das erste Mal, dass ich eine Hauptrolle für einen so großen Zweiteiler zugetraut bekomme. Ich hab mich sehr über das Vertrauen in mich, diese Aufgabe zu meistern von Nico Hofman und dem ZDF, gefreut.

Lastet bei einer Hauptrolle mehr Druck auf einem Schauspieler?

Stumph: Ich bin sehr ehrgeizig - das ist gut, steht mir manchmal aber auch im Weg. Bei Ensemble-Filmen wie z. B. beim "Der Turm", verteilt sich das Interesse auf mehrere Figuren. Hier liegt jetzt das Hauptaugenmerk auf mir. Da entsteht ganz automatisch der Druck, in jeder Minute die Zuschauer nicht langweilen zu dürfen.

Über welche Einschaltquoten würden Sie sich freuen?
Stumph: Ich weiß nicht was erwartet wird. Die Quoten sind ein nicht greifbarer Messwert, der jedoch viel Gewicht hat, ob ein Film erfolgreich war oder nicht. Ob gut oder schlecht, ist da nochmal eine andere Sache. Irgendetwas über 5,5 Millionen wäre, glaub ich, zufriedenstellend.

Wie zufrieden sind Sie mit sich selbst?
Stumph: Ich bin positiv überrascht. Man denkt immer hier und da geht es noch besser. Aber man muss auch zufrieden sein, denn ändern kann man eh nichts mehr. Deswegen ist es wichtig, am Drehtag selbst auf dem Punkt zu sein, damit man nichts bereut.

Ist Drehen in einem fremden Land eine Extra-Herausforderung?

Stumph: Die Dreharbeiten waren intensiv. Hitze, Gestank machten es nicht unbedingt einfacher. Man lernt dabei sehr viel über sich selbst.

Was zum Beispiel?

Stumph: Ich bin gelassener geworden. Ich habe gelernt, Dinge loszulassen, die man nicht ändern kann. Außerdem gehe ich nicht mehr so hart mit mir ins Gericht und kann mir auch mal das eine oder andere verzeihen. Ich versuche es zumindest.

Wie kann man sich einen Drehtag vorstellen?

Stumph: Früh um vier klingelt der Wecker, kurz vor fünf geht's in die Maske und abends halb sieben ist man zu Hause, bereitet sich auf den nächsten Tag vor und versucht schnell zu schlafen.

Wie schafft man das?

Stumph: Man muss schonend mit seinen Kräften umgehen. Kein Risiko, was den Dreh gesundheitlich gefährdet. In Indien muss man schon aufpassen, wo man isst, damit man Magen-Darm mäßig über die Runden kommt.

Haben Sie da überhaupt etwas vom Land gesehen?
Stumph: Einmal war ich am Taj Mahal. Das war aber wirklich mehr Stress als alles andere.

Hatten Sie Heimweh?
Stumph: Für Heimweh hatte ich gar keine Zeit. Aber selbst wenn, wäre es nicht so schlimm gewesen. In meinem Beruf gibt es immer die Gewissheit, dass Heimweh zeitlich begrenzt ist.

Kamen Sie mit dem Team gut klar?
Stumph: Unsere Crew bestand aus rund 200 Leuten. Viele davon waren Inder, die schon bei großen Hollywood-Produktionen mitgewirkt haben - echte Profis. Da konnten unsere Leute noch was lernen.

Was kommt als nächstes?
Stumph: Im Dezember kommt das Finale von Stubbe. Es war eine schöne Zeit, aber ich freue mich auch, weil ich denke, dass ich mich nur dann weiterentwickeln kann, wenn ich diese Rolle hinter mir lasse. Klar ist damit auch ein Risiko verbunden, wenn man sich die Situation für Schauspieler ansieht. Aber ich konnte mich lange damit auseinander setzen und bin optimistisch.

Was macht Sie so optimistisch?

Stumph: Ich habe gute Agentinnen, die an mich glauben und meine Rollenauswahl teilen. Es ist wichtig, dass ich selbst entscheide, was ich machen möchte aber gern mit dem Rat von Menschen, denen ich vertraue. Außerdem habe ich eine 4-jährige Schauspielausbildung in Leipzig genossen, was ein gutes Fundament ist, auf dem man aufbauen kann. Ich vertraue darauf, dass es Schritt für Schritt weiter in eine Richtung geht, so dass ich diesen Beruf auch in 30 Jahren noch ausüben kann.