Editorial 2018

Ich weiß, Sie fragen sich, warum kriegt der Axel Munz von mir so viele Seiten in der aktuellen Disy. Hat er dafür bezahlt? Nein! Hat er nicht. Weder für den Titel, noch für das Spezial. Richtig ist, dass Axel Munz seit vielen Jahren mit Angermaier Kunde bei uns ist. Es liegt auf der Hand, dass ich dafür dankbar bin. Es geht nicht um den monetären Wert dieser Treue. Es geht um Wertschätzung. Mit der regelmäßigen Buchung eines Anzeigenplatzes zeigt er, dass ihm der Wert der Marke Disy bewusst ist. Und ich bewerbe seine Produkte gern, weil sie hochwertig sind und den gleichen Anspruch an Qualität spiegeln wie unsere Magazine und Bücher. Wir wertschätzen uns gegenseitig. Und das seit vielen Jahren. In dem ausführlichen Interview (S. 94) sagt Axel Munz, wie wichtig ihm alte Werte sind: Loyalität, Vertrauen und Ehrlichkeit. Und er meint, dass in München Verträge durchaus mit Handschlag besiegelt werden, weil hier Versprechen eingehalten werden. Das klingt vielversprechend und gibt Hoffnung. Denn nach den letzten sechs Jahren Disy München teile ich diese Meinung nicht vollständig. Vielleicht haben wir nicht immer die richtigen Menschen ausgewählt. Wie im richtigen Leben. Oft hieß es: „Ja, wir unterstützen Euch, macht Ihr erst Mal Dies und Jenes.“ Und wir machten nicht nur Dies und Jenes, sondern oft noch etwas mehr. Dummheit, sagen Sie? Hat Axel auch gesagt. Ich würde wohl nicht in meinem eigenen Verlag Editorials schreiben, wenn ich dumm wäre. Nein! Es war Gewohnheit. So kennen wir das aus anderen Städten. Man schaut, dass man selbst gut lebt, aber der andere auch. Man ist fleißig und wertschätzt die Mühe und den Fleiß des anderen. Man bringt sich gegenseitig Respekt entgegen und ist selbst so klug zu erkennen, dass der andere es auch ist. Sind die Münchner dumm? Mitnichten! Sowenig wie ich. Aber sie handeln auch, wie sie es gewohnt sind. Es könnte sein, dass bei einer kleinen Gruppe von Münchnern aus Gewohnheit die Waage mehr in Richtung Nehmen statt Geben ausschlägt. Manchmal hieß es sogar (was in anderen Landesteilen als sehr selbstbewusst ausgelegt werden könnte): „ Die Bunte berichtet sowieso über mich.“ Soll ich antworten, dass ich meine Kleidung statt in dieser kleinen Münchner Boutique auch bei einem Weltkonzern wie Dior kaufen könnte? Wir sind nicht Springer, Burda oder Gruner & Jahr (wobei ich Angelika Jahr sehr gern habe und regelmäßig mit ihr in Hamburg essen gehe). Ich bin Disy! Ich bin auch keine angestellte Chefredakteurin oder gar ein freier Redakteur (was durchaus ehrenwert ist), der sich die große Marke einfach um den Hals hängt. Ich habe Disy als alleinerziehende Mama mit inzwischen drei Kindern vor 15 Jahren gegründet, seitdem viele Nächte und Wochenenden und Jahre ohne Urlaub durchgearbeitet. Für jede Ausgabe verausgabe ich mich mit meinem Team mit Kraft, Zeit, aber vor allem Herz und Liebe. Und wer das nicht zu schätzen weiß, der soll weiter in die Linse von BILD und Bunte lächeln (ich mache das selbst ja auch gern), aber für den verzichte ich mit meinen drei Kindern auf keinen Urlaub mehr! Keine Sorge! Ich lächle still vor mich hin, während ich das schreibe und freue mich schon auf die Reaktionen. Mal sehen, wieviele nie wieder etwas mit mir zu tun haben wollen. Aber wer weiß, vielleicht will auch der Eine oder Andere mal mit mir einen Kaffee trinken gehen, um mich und Disy besser kennenzulernen. Denn manchmal bereichert es auch, Gewohnheiten zu durchbrechen. Oder man trinkt ein Glas Champagner auf die guten alten Werte. Nun stoßen wir erst einmal auf 70 Jahre Angermaier an und auf Axel Munz, der uns allen vormacht, wie das mit den Werten so geht.