Disy besuchte Florenz, die Hauptstadt der Toskana, und fand schnell Anschluss

Foto: Matthias Brinker/pixelio.de

Gut 60 Prozent der wichtigsten Kunstwerke der Welt finden sich laut UNESCO in Italien – die Hälfte davon sieht man in Florenz. Vom Gardasee (siehe letzte Disy) führt uns der Weg auf unserer Italienreise weiter rund 240 Kilometer südlich. Vorbei an malerischen Zypressenwäldern, durch die Hügellandschaft der Toskana erreichen wir nach vier Stunden Florenz.

 


Über der Kathedrale versinkt gerade die Abendsonne und die schier endlosen roten Ziegeldächer leuchten ein letztes Mal auf. In Florenz scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Zu schön sind die unzähligen schmalen Gassen, um nach Einbruch der Dunkelheit nicht weiter durch sie zu schlendern. Zu warm sind die Sommerabende, um nicht in einem der zahlreichen Bars noch zu verweilen. Wir stellen die Koffer im Apartmenthaus Nr. 4 ab und tauchen ein in das italienische Nachtleben – laut, temperamentvoll, bezaubernd schön.

 

Am nächsten Tag geht’s richtig los: Florenz bietet zahlreiche Möglichkeiten, die Zeit zu verbringen und sich vom Flair der Renaissance verzaubern zu lassen. Nicht umsonst zählt die Stadt, die auf halber Strecke zwischen Rom und den Alpen liegt, zu den beliebtesten Reisezielen. 

 

Über der Silhouette der Stadt thront die Cupola der Kathedrale Santa Maria del Fiore, das unbestrittene Wahrzeichen der Stadt. In unserem Reiseführer haben wir gelesen, dass sie 1420 in Auftrag gegeben wurde. Der Innendurchmesser beträgt 41,5 Meter – gewaltig! Wir schauen in die Höhe. Hier ist alles groß. Auch der Glockenturm der Kathedrale gleich daneben ist riesig. Uns beeindruckt besonders die prächtig verzierte Westfassade. Bis ins 19. Jahrhundert haben verschiedenste Baumeister an ihr gearbeitet. Dreifarbiger Marmor diente als Gestaltungsmittel. Lange stehen wir im Innenraum der Kirche und lassen die Ruhe auf uns Wirken. Bei den Fresken war kein Geringerer als Giorgio Vasari, der Vater der Kunstgeschichtsschreibung, federführend. Genau 463 Stufen mussten wir in die Laterne hinauf steigen und wurden mit einem wunderbaren Rundumblick über Florenz belohnt. Hier würden wir gern leben. So schön! 

 

Florenz strotzt vor Kunst und Geschichte. Diese künstlerische Dichte in Florenz ist unweigerlich mit der Geschichte einer der größten Familien der Renaissance verknüpft. Die Medicis, Begründer des modernen Bankwesens, herrschten und residierten über zwei Jahrhunderte in dieser Stadt. Durch das Mäzenatentum dieser Familie entwickelten sich Florenz, Venedig und auch Rom zu den kulturellen und wirtschaftlichen Metropolen der damaligen den Europäern bekannten Welt. Ohne sie wäre eine Epoche wie die Renaissance und der Barock nicht denkbar. Immer wieder treffen wir bei unseren Stadtrundgängen auf die großen alten Meister. Michelangelo, Leonardo da Vinci, Giambologna und Vasari – wir finden sie in den einzelnen Palazzi und Villen in ganz Florenz Architektonisch hat die 380.000-Einwohner-Stadt einiges zu bieten. Der Palazzo Vecchio, erbaut 1299 nach Plänen von Arnolfo di Cambio, zählt zu den bedeutendsten bürgerlichen Gebäuden der Stadt. Vor ihm liegt die Piazza della Signoria, einer der größten Plätze der Stadt und das Freilichtmuseum Loggia dei Lanzi. Das Rathaus war Sitz der Zunftvorsteher, der Stadtherrschaft und Residenz des Großherzoges. Besonders sehenswert sind die Fresken im Inneren des Palastes. Gleich hinter dem Palazzo befinden sich die Uffizien, eines der bekanntesten Kunstmuseen der Welt. 

 

Ein weiteres Highlight ist der Palazzo Pitti, welcher 1549 in den Besitz der weltberühmten Familie der Medici überging. Die Sonne wird von den blanken Pflastersteinen reflektiert. Es ist sehr warm. Hochsommer in Italien! Touristengruppen stehen auf dem großen Vorplatz. Hier ist ein beliebter Treffpunkt. Wir sind zu fünft unterwegs. Individuell ist uns lieber. Heute finden sich in den Räumlichkeiten verschiedene Museen und Galerien. Wir entscheiden uns für die Galleria Palatina mit den Privatsammlungen der Großherzoge und Meisterwerken vom 15. bis 17. Jahrhundert. Und wer sich für Gartenarchitektur interessiert, der sollte sich die Boboli-Gärten hinter dem Hauptgebäude des Palazzo Pitti ansehen. Es ist eine der größten und schönsten Gartenanlagen der italienischen Renaissance. Hier können wir durchatmen und kurz ausruhen. Herrlich!
Zurück spazieren wir über die berühmte Ponte Vecchio, die einzige Brücke, die den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hat. Hier ist es eng, überlaufen und trotzdem irgendwie schön. Wir setzen uns auf den Bordstein und lauschen einer Gruppe junger Männer, die atkuelle Chart-Hits romantisch interpretiert. Richtig gut! Dann spazieren wir an den zahlreichen kleinen Geschäften vorbei, die hier auf der Brücke fest im Mauerwerk verbaut wurden. Wir beobachten die Menschen. Man sieht schon, wer Tourist und wer Italiener ist. Die Einheimischen haben Dolce Vita perfektioniert und sind mit Stil und Klasse gekleidet. Kein Wunder, denn auch in der Mode hat sich Florenz neben dem großen Mailand einen Namen gemacht. Gucci hat hier seinen Firmensitz. In der näheren Umgebung betreiben zudem Prada, Pucci, Ferragamo und Roberto wichtige Zweigstellen. 

 

Durch die Jahrhunderte war Florenz die Residenz mehrerer Adelsgeschlechter, darunter die Habsburg-Lothringer und die Savoyer. Die Villa Medici von Pratolino, die vor den Toren von Florenz liegt, haben allerdings auch wieder die Medicis errichtet. Allein die Landstraße dorthin durch die nördliche Toskana zu fahren, ist ein Genuss für die Sinne. Weinhänge und Olivenplantagen ergänzen sich mit Getreidefeldern, Pinienalleen und Zypressen-Baumreihen. Gemütlich fahren wir Richtung Villa Pratolino. Weiß, groß, filigran erhebt sie sich vor uns. Nach der Besichtigung spazieren wir durch die riesige Grünanlage, welche als Erlebnispark der Medicis diente. An jeder Ecke stehen imposante Skulpturen, Grotten und Wasserspiele. Hier würden wir gern länger bleiben, aber es gibt noch so viel in der Stadt zu entdecken. Die nächsten Tage verbringen wir mit langen Spaziergängen durch die romantische Innenstadt, Fahrten mit den Minibussen durch enge Gassen, Abende bei Freiluftvorstellungen auf der Piazza della Signoria oder der Piazza dei Salterelli. Morgens holen wir frische Brötchen beim Bäcker nebenan, der uns natürlich am zweiten Tag kennt und wie alte Freunde begrüßt. Am dritten Tag gehören wir förmlich schon zur Familie. Wir lieben diese Gastfreundschaft, die Romantik der Stadt, das italienische Lebensgefühl. Und wir freuen uns auf unsere nächsten Stationen – Rom, Bologna, Verona und Venedig. Begleiten Sie uns – in der nächsten Disy!