Santa Fe, Tex Mex - Gewandhausstraße 3

„Alles besetzt“, begrüßt Tex-Mex Gründer Mico Nagel uns im SANTA FE im Kneipenviertel Weisse Gasse mit bedauernder Miene. Das Haus ist voll. Einen Zweiertisch auf der Empore könnten wir für eine Stunde bekommen, danach ist reserviert.

 

Leicht angespannt wegen des zeitlichen Drucks versuchen wir, die umfangreiche Karte zu erfassen. Was heißt was und wo steht was? Wer nicht täglich mexikanisch essen geht, braucht seine Zeit, sich zurecht zu finden zwischen Burritos, Tacos, Wraps, Taquitos, Flautas, Tostadas, Totopas, Nachos, Enchiladas, Quesadillas und Chimichangas. Wow! Aber mit den ersten Schlucken Pina Colada beginnen wir unseren Spaß zu haben mit der Karte. Wir finden in verschiedenen Varianten zubereitetes Fleisch wie Pute, Hähnchenbrust, Strauß, Spare Ribs & Chicken Wings, Lamm, Schweine- und Rinderfilet, Kalb, Roastbeef, Rib Eye und Hüftsteak. Doppelwow!

Nach der Hälfte der Pina Colada macht das Vorlesen der mexikanische Extras besonders viel Spaß: Guacamole, Kactusblätter Bohnenmus, Jalapenos-Cheese, Cole Slaw, Mole, Fajitas & verschiedene Mexican Salsas. Olala! Wir brauchen Beratung. Der junge Kellner mit Mexikohut, der stets nach der Treppe ein Hopserchen, einen Ausfallschritt oder eine Grimasse zieht (gehört zur Show), berät uns wie ein Waschmaschinenverkäufer. Dieses geht bei den Leuten gut, das verkauft er gern an jene Leute und an kalten Tagen setzt er am besten eine Enchilada con irgenwas (12,50 Euro) ab. Na, dann nehmen wir das mal. Dazu eine Fajitas Legumbre (9,90 Euro). Während wir warten, sehen wir die Leute unten an der Theke in Scharen wieder wegziehen – weil sie einfach keinen Platz bekommen. Ohne Reservierung keine Chance. Es ist voll, laut und gemütlich. Ein lustiges „Arriva, Arriva“ der Kellner ist oft zu hören, wenn die heißen Pfannen serviert werden.

So wie unsere. „Schon mal Fajitas gegessen?“, will der Kellner wissen. Nun, wer in Kalifornien gelebt hat, kennt Fajitas besser als Frühstücksbrötchen. Aber wir lassen es uns höflich erklären. „Das ist wie ein Puzzle“, erklärt er und zeigt uns die vier ofenwarme Weizentortillas zum Selbstfüllen. Dazu gibt es in der brutzelnde Pfanne Paprika, Chili, Mais, Zucchini, Zuckerschoten, Sprossen und Zwiebeln im Wok gebraten, dazu Schälchen mit Guacamole, geriebenem Käse, Salsa Mexicana, Sour-Cream, die man aufstreicht bzw. einfüllt. Es schmeckt klasse und ist reichlich. Auch die Enchiladas sind sehr gut.

Der Kellner kommt wieder und mit seinen Schlenkern und Späßchen in dem schmalen Gang erwischt er die heiße Pfanne und wirft sie mir auf den nackten Arm. Mein „Au“ ist lauter als das Stimmengewirr, der rote Striemen auf dem Arm glüht. Ich bekomme ein paar Eiswürfel zum Kühlen. Als der Chef nach uns schaut, weil wir den Tisch endlich freigeben müssen, zeige ich ihm das Mallheur. „Verklagen Sie doch den Kellner“, lacht er. Ich lache nicht. In Kalifornien würde das den Wirt ehrlich teuer kommen. Als der Kellner den Tisch abräumt und ich ernsthaft meine, dass das wenigstens eine Pina Colada auf´s Haus kostet, bringt er uns die zwar, setzt sie aber auf die Rechnung. Ein ernster Blick, ein ernstes Wort. Dann geht es.

Wir stehen unten noch eine Weile und ruhen uns vom schnellen Essen, dem Schreck und der Diskussion aus. Eigentlich gefällt es uns hier gut. Geben wir dem Ganzen eine zweite Chance.

Die bekommt das Santa Fe zu unserem zweiten Testbesuch ein paar Tage später. Wir haben das Geburtstagsangebot gelesen: „Sie haben Geburtstag und möchten mit Ihren Freunden richtig gut mexikanisch schlemmen und karibische Cocktails genießen? Super, dann sagen Sie alle Termine ab und kommen ins SANTA FE, denn bei einer Rechnung ab 49.00 € gib‘s einen Geburtstagsrabatt in Höhe von 10.50 €.“ Wir besuchen das Santa Fe mit einer kleinen Gruppe, haben natürlich ein Geburtskind dabei, das auch sorgfältig nach dem Nachweis über den Ehrentag kontrolliert wird. Die Cocktails Pina Colada mit Alkohol (6 Euro) und Fresh Maker ohne (5,10 Euro) summieren sich zwar schnell, sind aber lecker. Ein Mangosaft kostet 2,50 Euro, ein Glas kalte Milch 2,20 Euro. Alles kommt zügig. Die Fajita nehmen wir heute con Pollo (mit Huhn für 12,50 Euro), sind wieder zufrieden. Aber die nachbestellten Tortillas für den Rest der Füllung werden ohne Ankündigung mit 2,80 Euro zusätzlich berechnet. In der Hoffnung auf eine große Überraschung entscheiden wir uns für einen „Big Cowboy“. In einer Riesenpfanne für zwei Personen (34 Euro) werden zwei frisch gegrillte Fleischspieße gereicht, außerdem sind Schweine - und Putensteaks, Grillwürstchen, Hähnchenbruststreifen, in Barbecue gebratene Spare Ribs, Buffalo Wings, kleine Chili Beefs und besonders gewürzte Cowboy-Bohnen angekündigt. Was gigantisch klingt, kommt eher ernüchternd. Eine große runde Fleischpfanne mit kleineren und mittelgroßen, sehr dunklen Fleischklumpen. Bei genauem Stochern sind es hauptsächlich zwei große Rippenstücke und größere Wings. Die als Grillwürstchen deklarierten Teile sind dicke, geschnittene Bockwürste. Als wir die Kellnerin nach dem Rest des Fleisches fragen, kommt sie auch ins Suchen. Sie fragt noch mal nach und zeigt uns dann ein Minischweinchenstückchenchen und ein Minipütchenstückchenchen. Auch die Beilagen sind recht sparsam, das Knoblauchbrot ist nass. Dafür ist der Geschmack wieder großartig. Und mit dem Nachbestellen einer Portion Kartoffelecken (2,80 Euro) und eines leckeren, saftigen Maiskolbens (3 Euro) sind wir dann auch satt und zufrieden, zahlen 74,90 (inkl. 10,50 Euro Geburtstagsrabatt). Heute, an einem Dienstagabend, ist es nicht so voll. Der Chef war nur am Anfang da, zwei Damen haben Dienst. Sie sind freundlich, höflich, ruhig. Heute haben wir Zeit, uns umzusehen. Bunt bemalte Wände zeigen mexikanische Lebensfreude, gedämpfte Beleuchtung, flackernder Kerzenschein, Salsa Music – gefällt uns. Beim Würfeln haben wir leider kein Pasch, sonst hätten wir noch einen Schnaps für nette Gäste bekommen. Vielleicht haben wir beim nächsten Mal mehr Glück!

 

Fazit: Abwechslungsreiche Mexican & Steakspezialitäten, über 60 Cocktails und andere Drinks. Der Anspruch „gute Laune, Spaß und Zufriedenheit der Gäste“ wird erfüllt. Die bessere Atmosphäre findet man, wenn es voll ist. Freitags und sonnabends sollte man vorbestellen!