Voller Einsatz: Rostockerinnen engagieren sich in Afrika

Mama Mbanisa, die Mutter des jungen Samburu-Kriegers und Fahrers der beiden Rostockerinnen Moses Loloiboni, mit traditionellem Kopfschmuck (Foto: Juliane Thieme)

Freiwilligenarbeit in Dritte-Welt-Ländern verlangt ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft und Mut. Juliane Thieme und Katrin Dalüge erzählen in Disy, wie sie dazu kamen und warum ihre Arbeit so wichtig ist.

Jenseits von Afrika, Nirgendwo in Afrika, Die weiße Massai – diese Filmtitel reichen aus, um vor dem inneren Auge Bilder von endlosen Savannenlandschaften und „edlen Wilden“ vor spektakulären Sonnenuntergängen entstehen zu lassen. Vielleicht waren es solche Bilder von Ostafrika, die die Soziologiestudentinnen Juliane Thieme und Katrin Dalüge (beide 23) dazu veranlassten, sich um ein Praktikum in Timau am nördlichen Fuß des Mount Kenya zu bewerben. Sie hatten lange Zeit neben ihrem Studium gejobbt, um sich den Flug, Unterbringung und Verpflegung während ihres Aufenthalts leisten zu können. Freiwilligenarbeit in Dritte-Welt-Ländern ist nichts für Wankelmütige. Sie verlangt Einsatzbereitschaft, Mut und eine fast schon selbstzerstörerische Bereitschaft, mit dem Einfachsten
zufrieden zu sein.
Neugierig und den Kopf voller Klischees, brachen die beiden jungen Frauen im Herbst 2004 auf, um eine Welt vorzufinden, die in gar nichts jener glich, aus der sie angereist waren. Telefonieren konnte man nur abends und nur im Verlauf einer Stunde, Strom gab es unregelmäßig und Wasser nur im Hauptgebäude – aus insgesamt zwei Wasserhähnen für 700 Schüler und 20 Lehrkräfte.
Nachdem sie den ersten Schreck überwunden hatten, halfen sie sofort beim Unterricht, brachten den 13- bis 18-Jährigen Brennball bei, packten beim Decken des Schulbusunterstands mit an und diskutierten mit den einheimischen Jugendlichen über die kulturellen Unterschiede zwischen Afrika und Europa.
Als Belohnung für ihren Einsatz durften sie ihren Aufenthalt in Kenia mit einer kleinen Safari beschließen. Ihr Fahrer und Guide war ein junger Samburu-Krieger namens Moses Loloiboni (circa 26). Er verdient seinen Lebensunterhalt, indem er in Nairobi die Reisebüros abklappert, um kleinere Touristengruppen durch Tierparks zu kutschieren. Moses erzählte von seinem Leben im Samburu-Dorf, und weil er die beiden jungen Frauen sympathisch fand, lud er sie nach Archer’s Post ein. Juliane nahm die Einladung an und reiste im Herbst 2005 erneut nach Kenia. Archer’s Post ist eine kleine Handelsniederlassung am Rande des Samburu Nationalparks, bestehend aus einer Handvoll wellblechgedeckter Holzhütten an einer staubigen Sandpiste. Moses’ Dorf, das sich mit anderen um die Ortschaft gruppiert, hat circa 60 Einwohner. Die Männer sind meist abwesend und versuchen, das Überleben ihrer Familien zu sichern – mit Tanzdarbietungen für die Touristen, mit Schmuckverkauf oder Arbeit in den Nationalparks.
Als Juliane eintrifft, ist sie erschrocken darüber, unter welchen Bedingungen die Menschen hier leben müssen. Strom gibt es nicht. Das Wasser muss aus dem Fluss Ewaso Ngiro geholt werden, in dem Krokodile eine ernste Bedrohung darstellen. Die Familien hausen in kleinen Hütten aus Zweigen, Lehm, Kuhdung und Plastik. Die dornige Buschsavanne ist kaum für den Ackerbau geeignet. Die Sanitäranlagen sind dürftig. Nicht immer gibt es genug zu essen. Trotzdem wird Juliane von Moses’ Mutter Mama Mbanisa freundlich empfangen und überall im Dorf herumgeführt und vorgestellt. Rasch gewinnt Juliane tiefe Einblicke in die soziale Struktur des Dorfs und in die Probleme seiner Menschen. Die circa zehn Dörfer um Archer’s Post schicken etwa 300 ihrer Kinder in eine gemeinsame Grundschule. Dort lernen die Kleinen nicht nur Lesen und Schreiben, sie nehmen auch eine gemeinsame Mahlzeit ein – in der Trockenzeit manchmal die einzige im Verlauf eines Tages. Auch die Schule hat weder Strom noch fließend Wasser. Die Kinder holen das Wasser in Kanistern aus dem Fluss und füllen es in einen großen
Vorratsbehälter.
(...)

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(Autorinnen: Juliane Thieme und Katrin Dalüge, Disy Rostock Herbst 2006)

Den Freundinnen Juliane Thieme und Katrin Dalüge liegt ihr Hilfeprojekt in Kenia sehr am Herzen (Foto: Juliane Thieme).