Dieser Flitzer lässt Andere alt aussehen - Renault Z.E. Zoe

Foto: PR Renault

Zoe ist ein altes griechisches Wort und bedeutet Leben. Das erzählt mir Frank Fröhlich vom Autohaus Anders als ich von meiner Probefahrt mit dem Zoe zurück bin. Ich weiß nicht, wieso sich der französische Autohersteller für diesen Namen entschieden hat, aber vielleicht meinte man in Paris auch mehr das Erleben als das Leben an sich. Denn der Renault Zoe ist tatsächlich ein Erlebnis. Warum? Er kommt komplett ohne Verbrennungsmotor aus.

Von außen wirkt er etwas klumpig, halt wie ein typisches Kompaktfahrzeug seiner Klasse. Renault-typisch ist er durchdacht und geschwungen designt. Der Innenraum ist sehr hell und das große Touchdisplay in der Konsolenmittel überstrahlt den Rest regelrecht. Dabei spart der Zoe nicht an Details: Am Handschuhfach und dem Himmel haben die Designer eine Art Schaltkreis gezeichnet. An den Türknöpfen der hinteren Türen ist ein Daumenabdruck an der Stelle, in die man hinein greifen muss, um die Tür zu öffnen. Und wenn man im Inneren auf einen Knopf in der Nähe des Handschuhfachs drückt, klappt der vorinstallierte Duftbaum aus.

Da es nicht meine erste Fahrt in einem Elektroauto ist, fährt das Briefing durch Frank Fröhlich relativ kurz aus. Nahezu alle Elemente, wie die Bedienung des Radios am Lenkrad oder der Tempomat, sind nahezu selbsterklärend. Ich drücke den Starknopf und es passiert fast nichts. Der digitale Tacho zeigt mir lediglich an, dass er jetzt bereit ist, los zu fahren. In der linken Hälfte ist zudem dauerhaft eine große Batterie eingeblendet, die den aktuellen Ladestand und die zu erwartende Reichweite anzeigt. Ich stelle die Automatik auf Fahrbetrieb und rolle los. Zu Beginn drehe ich mit Frank Fröhlich eine Runde um den Block, bevor er mich allein lässt. Der Zoe ist ein Stadtauto, also versuche ich mich erst gar nicht an einer Überland- oder Autobahnfahrt. Seine 88 PS beschleunigen den kleinen Franzosen sowieso nur auf maximal 135 Kilometer pro Stunde, das bei Bedarf aber äußerst zügig. Schnell merke ich wieder, wie angenehm das Fahren ohne Verbrennungsmotor ist.

Der Zoe reagiert ohne Verzögerung auf meinen Gasfuß, der in diesem Fall wohl besser E-Fuß heißen sollte. Drücke ich das Pedal im normalen Betrieb durch, ziehen 220 Nm an den Rädern und lassen nahezu jedes andere Auto an der Ampel einfach stehen. Zumal es keinerlei Verzögerung gibt: Der Elektromotor beschleunigt absolut ruhig und gleichmäßig. Ein Gefühl, das auch bei den besten Automatikgetrieben nur schwer zu realisieren ist. Es gibt außerdem einen Eco-Modus, der die Geschwindigkeit auf 95 Kilometer pro Stunde begrenzt und auch die Beschleunigung drosselt, um Energie zu sparen. Zielgruppe des Zoe sind Haushalte, die einen Zweitwagen brauchen und deren täglicher Weg zur Arbeit 60 Kilometer nicht übersteigt. Im Idealfall schafft der Zoe zwischen 150 und 200 Kilometer mit einer Akkufüllung. Dieser lässt sich in drei Modi laden. An der Ladestation, die Renault mitliefert und in der Garage oder dem Carport installiert wird. Eine Ladung dauert zwischen sechs und neun Stunden. Beim beschleunigten Laden (22kw) sind es zwei Stunden, beim so genannten Schnelladen sogar nur 30 Minuten. Der Akku ist im Zoe unter dem Chassis angebracht, was für eine gute Gewichtsverteilung sorgt, den Wagen aber auch relativ schwer macht. Allerdings merkt man dies aufgrund der Leistung des Fahrzeuges nicht.

Im Gegenteil, der Zoe fliegt regelrecht über die Straße. Ein Vor- und Nachteil zugleich ist, dass der Akku nicht gekauft wird. Kauft man den Zoe, mietet man den Akku für rund 79 Euro im Monat (bei einer Jahreslaufleistung von 12.500 Kilometern). Renault möchte so den stets einwandfreien Betrieb garantieren. Der Zoe fährt sich ausgesprochen angenehm. Die Sitze haben ein sportliches Design und geben gut Seitenhalt, lassen sich aufgrund des Akkus allerdings nicht in der Höhe verstellen.

Die Bedienung des Navigationsgerätes geht leicht von der Hand, alle Elemente sind klar verständlich und eindeutig. Der kleine Flitzer lässt sich zudem über das R-Link-System mit einem Smartphone koppeln. So könnte man am Morgen dem Auto bereits den Befehl erteilen, vorzuwärmen. Auffällig ist übrigens, dass Renault auf ein CD-Laufwerk verzichtet hat. Über Bluetooth, USB und Cinch-Kabel lassen sich aber weiterhin externe Musikquellen anschließen. Der Kofferraum ist groß genug für nahezu sämtliche Einkäufe. Für ein Auto dieser Größe sitze ich auch im Fond relativ gut. Insgesamt stecken drei wichtige Patente im Fahrzeug. Neben der Wärmepumpe zur Kühlung oder Erwärmung des Autos (eine herkömmliche Erwärmung ist aufgrund des fehlenden Verbrennungsmotor nicht möglich) gehören auch die besonders reibungsarmen Reifen und das System zur Energierückgewinnung dazu. Jedes Mal, wenn ich auf die Bremse drücke oder nur vom Gas gehe, ladet sich der Lithium-Ionen Akku wieder auf. Übrigens müssen auch Fußgänger keine Angst haben. Der Zoe besitzt einen Geräuschesimulator, der andere Verkehrsteilnehmer warnt und sich ab 30 Kilometer pro Stunde automatisch einschaltet.

Fazit:

Dieses Auto ist eine echte Innovation, ein Erlebnis, dessen Fahrgefühl sich nur schwer beschreiben lässt, das man aber Jedem einmal ans Herz legen möchte. Dieses Auto ist kein Supersportwagen, das durch hohe Leistungsdaten oder Design Aufsehen erregt. Dieses Auto wirkt, wie ein Stück Technik aus einer fernen Zukunft. Was habe ich mich gefreut, als ich an einem Pärchen vorbei gefahren bin und der Mann sich nach diesem nahezu lautlosen, relativ schlichten Renault umgedreht hat. Noch größer war meine Freude, als ein Audi vor mir zur Tankstelle abgebogen ist. Denn im Zoe können Sie um diese einen relativ weiten Bogen machen. Als ich nach meiner Fahrt durch die Straßen lief, kamen mir alle anderen Autos plötzlich vollkommen rückständig und veraltet vor.