Er ist einer der bekanntesten Bergsteiger der Welt: Reinhold Messner. Der gebürtige Südtiroler erreichte im Jahr 1978 gemeinsam mit Peter Habeler als Erster den Gipfel des Mount Everest ohne Sauerstoffgerät. Dem heute 73-Jährigen gelangen viele Erstbegehungen, die Besteigung aller 14 Achttausender sowie der „seven summits”, die Durchquerung der Antarktis, der Wüsten Gobi und Takla Makan sowie die Längsdurchquerung Grönlands. Seit 1969 unternahm er mehr als hundert Reisen in die Gebirge und Wüsten dieser Erde. Er schrieb vier Dutzend Bücher, ist als Kommentator im Fernsehen sowie als Vortragsredner weltweit gefragt und erhielt bereits zahlreiche Preise und Ehrungen. Und er ist mittlerweile auch als Regisseur erfolgreich! Der Sender „Servus TV“ zeigt im Rahmen der Reihe „Bergwelten“ am 30. Oktober um 20.15 Uhr seine zweite Regie-Arbeit: „Ama Dablam – Drama am heiligen Berg“, so der Titel des Films, der Messner nach Nepal zum heiligen Berg der Sherpa führt. Das Doku-Drama erzählt die Geschichte vom tragischen Bergunglück rund um die Besteigung durch Peter Hillary im Jahr 1979 und der spektakulären Rettungsaktion, in der Reinhold Messner sein eigenes Leben aufs Spiel setzte. Hillary versuchte gemeinsam mit drei Neuseeländern die Ama Dablam, den „heiligen Berg“ zu besteigen. Doch am 25. Oktober überrollte eine Eislawine die vier Alpinisten, tötete einen und verletzte die drei anderen schwer. Reinhold Messner, der gemeinsam mit Oswald Ölz, Wolfgang Nairz, Horst Bergmann und Horst Fankhauser dieses Unglück vom Basislager aus beobachtete, organisierte unmittelbar danach eine Rettungsaktion - unter lebensbedrohlichen Bedingungen. Gespielt wird Messner von seinem 26-jährigen Sohn Simon, der in „Ama Dablam – Drama am heiligen Berg“ sein Schauspiel-Debüt gibt. Ein spannender Film über Grenzerfahrungen über Freundschaften bis zu selbstloser Hilfsbereitschaft unter Lebensgefahr, der Anfang Oktober in Brixen große Weltpremiere feierte. Wir haben Messner, der zwischen seinen Reisen mit seiner Familie auf Schloss Juval in Südtirol lebt und dort Bergbauernhöfe bewirtschaftet, schreibt und museale Anlagen entwickelt, zum Interview getroffen. Und mit ihm über den Film, die spektakuläre Rettung und seine Zukunftspläne gesprochen.

 

Herr Messner, wie kam es überhaupt dazu, dass Sie den Film „Ama Dablam – Drama am heiligen Berg“, gedreht haben?

RM: „Ich selbst hatte die Idee, diesen Film zu machen, denn es ist ein großes Thema. Es war mir ein großes Anliegen, dieses Projekt zu realisieren, da wir in Europa die heiligen Berge völlig falsch verstehen. Wir wollen dort einfach hinaufsteigen, aber die Einheimischen sehen die heiligen Berge als nicht antastbar. Genau das habe ich versucht zu erzählen: Auf der einen Seite die Einheimischen, die dem Ganzen skeptisch gegenüberstehen und zusehen, auf der anderen Seite wir, die versuchen, diese Berge zu besteigen. Der Berg aber schüttelt die Bergsteiger einfach ab, die Berge verwehren sich. Es ist eine wahre Geschichte, auch wenn es als Spielfilm gemacht ist. Und Servus TV war bereit, diesen Film mitzufinanzieren.“ 

 

Sie haben damals selbst Ihr Leben aufs Spiel gesetzt. Wie war es für Sie, sich für den Film noch einmal in die damalige Zeit zurückzuversetzen?

RM: „Es ist natürlich noch präsent. Ich bin bei diesem Projekt hinter der Kamera und erzähle eine Geschichte, die weit über meine eigenen Erfahrungen hinausgeht. Es beginnt bereits im Jahr 1959, hat 1961 einen weiteren Höhepunkt und dann kommt eben diese Rettung, bei der ich zufällig dabei war da ich gerade in Nepal war. Wir konnten eine ganze Expedition von diesem Berg retten, Menschen, die sonst umgekommen wären. Das ist eine Tatsache. Der Film soll keine Heldengeschichte sein. Der Film erzählt vielmehr, wie wir Menschen reagieren wenn andere in Not geraten.“ 

 

Wie haben Sie die Dreharbeiten erlebt? Wie bewegend war das für Sie?

RM: „Das Problem bestand darin, dass die Dreharbeiten dort stattfinden mussten wo sich diese Tragödie bzw. diese Expedition ereignet hat. So wurde es recht komplex, dann man ist dann natürlich wetterabhängig. Und wir mussten aufpassen, dass nichts passiert. Die Kletterer, die in diesem Film spielen, steigen ja in die Wände ein und gehen dort hinauf. Das ist kein Spielzeug, sondern eine ernste Angelegenheit. Und ich als Regisseur muss darauf achten, dass keine Fehler passieren. Dass wir zum Beispiel wieder rechtzeitig vom Berg weg sind wenn die Lawinen kommen. Wir sind nicht Hollywood und spielen das Ganze nicht auf der Skipiste. Sondern wir drehen dort wo es statt gefunden hat.“  

 

Wie gefährlich waren die Dreharbeiten? Gab es brenzlige Situationen?

RM: „Es gab dramatische Momente! Es wurde plötzlich zu warm und der Schnee ist zu weich geworden. Ich habe gesagt, dass wir die Dreharbeiten abbrechen und raus aus der Wand müssen, denn sonst wäre es zu gefährlich geworden. Deshalb ist ein solcher Film so umständlich und auch so teuer, denn man muss warten, bis es wieder kalt genug ist, damit man die richtigen Bilder bekommt. Damals ging es nur um die Rettung, jetzt darum, die Bilder dazu zu bekommen. Und das war nicht einfach. Es galt für mich eine Dramaturgie zu finden, wie man diese Geschichte erzählt. Ich stütze mich bei meinen Filmen auf die Tatsachen, denn ich bin der Meinung, dass das Leben selbst die besseren Geschichten erfindet als die Phantasie. Und dann versuche ich das so umzusetzen, damit es auf der Leinwand funktioniert. Ich arbeite jahrelang an einem Treatment, bis dann die Geschichte geschrieben wird, und erst dann wird gedreht. Insofern habe ich mich lange mit diesem Projekt beschäftigt. Insofern wurde ich während des Drehs nur von den jetzigen Tatsachen erschreckt, aber nicht von den früheren.“ 

 

Wie lange haben Sie gedreht?

RM: „Wir haben drei große Strecken gedreht. Wir waren zweimal im Himalaya und einmal in Südtirol, um dort einige Details nachzudrehen. In der Summe war es etwa ein Monat.“ 

 

Sie spielen selbst nicht mit, sondern stehen hinter der Kamera. Hätte Sie eine Rolle in diesem Film nicht gereizt?

RM (schüttelt den Kopf): „Erstens war ich damals etwas über 30 Jahre alt, heute bin ich 73. Insofern hätte es nicht gepasst. Diese Rolle hat mein Sohn übernommen. Er spielt meine Figur von damals – nicht als Schauspieler, sondern als Kletterer. Außerdem muss man sich entscheiden was man will: Will man vor der Kamera stehen? Das hatte ich zur Genüge. Ich stehe jetzt hinter der Kamera und mache Regie. Das ist eine Aufgabe, die mich genauso fasziniert wie früher die Besteigungen. Die Rettung damals hat mich nicht fasziniert, das war eine Notwendigkeit.“ 


Für Ihren Sohn Simon war es das erste Filmprojekt.

RM: Er war gerade mit dem Studium so weit fertig, dass er das machen konnte. Er klettert auch mit großer Begeisterung. Er hat kein Interesse, Schauspieler zu werden, aber er könnte es sich vorstellen, öfter solche Rollen zu übernehmen und einzuspringen, wo es gute Kletterer braucht und man keine großen Texte sprechen muss. Er spielt nicht die Hauptrolle, diese spielt der Berg. Der Mensch ist nur eine winzige, kleine Nebenerscheinung.“ Wie war es mit ihrem Sohn zu arbeiten?RM: „Wir haben ein gutes Verhältnis. Aber ich schaue bei einem Dreh auf alle Mitarbeiter, nicht nur auf meinen Sohn.“ 

 

Sind Sie beide sich sehr ähnlich?

RM: „Er ist Kletterer und Bergsteiger und sieht mir zudem ähnlich. Insofern passt das.“ 

 

Wie war es für Sie, dass Ihr Sohn auch Bergsteiger wird? Haben Sie ihm der Gefahr wegen nicht abgeraten?

RM: „Mein Sohn ist volljährig. Er lässt sich weder von mir, noch von jemand anderem sagen, was er zu tun hat.“ 

 

Warum sollten die Zuschauer sich den Film ansehen?

RM: „Ein Film ist nicht dazu da, Ratschläge fürs Leben zu geben. Sondern er ist dazu da, Geschichten zu erzählen. Ich bin ein Storyteller. Ich erzähle Geschichten. Spannende Geschichten, so dass jeder, der den Anfang des Films sieht, ihn bis zum Ende sehen will. Es ist eine spannende und dramatische Geschichte die erzählt, wie der Mensch wirklich ist. Es steckt keine Moral und keine Predigt dahinter. Sondern eine wahre Geschichte. Sie zeigt wie der Mensch reagiert, wenn er mit dem Rücken zur Wand steht.“

 

Sie haben damals ihr Leben riskiert. Würden Sie heute genauso noch einmal handeln?

RM: „Ich könnte das heute nicht mehr: In dieser absoluten Gefahr und Schwierigkeit Menschen zu helfen. Aber damals hatten wir beide das richtige Alter und haben es gewagt. Aus einem Instinkt heraus. Man kann nicht zuschauen wenn Leute dem Tode nah sind, an einer Stelle, die man - wenn auch unter Lebensgefahr - erreichen kann. Wir haben von unten gesehen, wie diese Menschen gestürzt sind. Einer war tot, die anderen drei lebten noch. Wir wussten nicht, wie es diesen Menschen ging. Wir wussten nicht, dass einer sich den Arm und Rippen gebrochen hatte und sich nicht mehr bewegen konnte. Ein anderer hatte sich die Arme so verbrannt, dass die Knochen zu sehen waren. Nur einer von ihnen war noch in der Lage zu reagieren. Wir haben nur gewusst: Ssie kommen dort nicht mehr runter wenn niemand hinaufgeht. Lebensgefahr oder nicht, wir mussten dort einfach hinauf und sie runterholen. Wir wurden zum Glück nicht von den Steinen und Lawinen erschlagen und konnten so drei Menschen retten. Einer war leider schon tot.“ 

 

Wie ging es Ihnen direkt nach der Rettung?

RM: „Es war bestimmt Lebensfreude mit dabei, da einige Menschen gerettet wurden. Aber diese heldenhaften Gefühle, die in die Welt hinaus kommuniziert werden, die gibt es nicht. Das ist ein Wunschdenken. Es ist wie gesagt keine Heldengeschichte, sondern für mich eine Selbstverständlichkeit, anderen zu helfen.“ 


Sind auch schon weitere Filmprojekte in Planung?

RM: „Ich habe eine ganze Reihe an Ideen. Aber richtig aufbereitet ist noch kein weiteres Projekt. Jetzt mache ich erst einmal kleinere Dokumentarfilme, das ist aber etwas vollkommen anderes. Das nächste Projekt ist in Patagonien angedacht - wie gesagt angedacht. Man muss erst sehen ob es realisierbar ist.“ 

 

Und Projekte außerhalb des Films. Wie sieht ihr Leben aus?

RM: „Es gibt jede Menge Projekte. Ich baue zum Beispiel gerade ein Museum für den Kaukasus. Aber im Moment ist für mich vor allem dieser Film wichtig.“  Wie oft zieht es Sie noch in die Berge?RM: „Mindestens einmal in der Woche – wenn ich nicht gerade auf einer Vortragsreise bin. Neulich war ich auf der Frankfurter Buchmesse.“ 

 

Gefährliche Touren machen Sie nicht mehr?

RM: „Ich steige nicht mehr in die überhängenden Wände ein. Und auch nicht mehr auf die 8000er. Ich bin nicht mehr so dumm, dass ich heute mein Leben riskiere. Nur weil ich nicht aufhören kann - so wie andere.“

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