Radebeuls Villen - die teuersten im Osten

Dieses 1904 errichtete Villenanwesen wurde 1996 von der Schweizer Eidgenossenschaft erworben, welche das Anwesen bis 2006 als Residenz des Schweizer Konsuls nutzte. Heute dient die Villa gemäß ihrer ursprünglichen Konzeption wieder als repräsentativer Familiensitz (Foto: Philipp Döhler)

Für den zweiten Teil der Radebeul-Serie sprach Disy-Redakteur Hans-Holger Malcomeß mit dem Sachverständigen-Gutachter Jens Beck über die Entwicklung des Radebeuler Immobilien-marktes, dessen Preise für Häuser und Grundstücke – neben denen in Potsdam und an der Ostseeküste – mit zu den höchsten in den neuen Bundesländern gehören.

Der besondere Charakter Radebeuls als Villen- und Gartenstadt ist schon oft beschrieben worden. Die Erhaltung dieses einzigartigen architektonischen Landschaftsraumes hat sich der 1993 gegründete „Verein für Denkmalpflege und neues Bauen Radebeul e.v." auf die Fahnen geschrieben. Dieser hat seinen Sitz in einem denkmalgeschützten Winzerhaus aus dem 17. Jahrhundert (Haus Lotter) und vergibt seit 1997 jährlich gemeinsam mit der Stadtverwaltung den „Bauherrenpreis der Stadt Radebeul".

Damit soll durch Hervorhebung besonders gelungener Bauvorhaben die Baukultur beispielhaft gefördert werden. Der Preis wird in fünf Kategorien verliehen, zu denen u.a. „Denkmalpflegerische Instandsetzung", „Sanierung, Umbau und Erweiterung von Altbauten", „Neues Bauen" sowie „Gärten, Außenanlagen und Freiflächen" gehören. Wer sich die bisherigen 53 Preisträger unter www.denkmalneuanradebeul.de/bhpreis.htm anschaut, findet einen breiten Querschnitt an Villen und anderen Bauten, die in den vergangenen Jahren in Radebeul saniert, restauriert oder auch neu gebaut worden sind.

Und die Baulust ist ungebrochen: Immer mehr wohlbetuchte Menschen aus aller Herren Länder möchten gern hier wohnen und leben. Das ist der Hauptgrund – erklärt der Radebeuler Immobilienexperte Jens Beck im nachfolgenden Interview – weshalb mittlerweile auf eine zum Verkauf stehende Wohnvilla durchschnittlich mindestens fünf ernsthafte Interessenten kommen, welche diese erwerben wollen. Das treibt natürlich die Preise steil nach oben. Hinzu kommt, daß momentan in ganz Radebeul zwar ungefähr 700 Baulücken existieren, aus verschiedenen Gründen aber nur ein kleiner Teil davon auch wirklich verfügbar ist.

So kommt es zu der paradoxen Situation, dass potentielle Villenkäufer bei den Immobilienmaklern Schlange stehen, letztzere aber gar nicht in erforderlichem Umfang Häuser bzw. Grundstücke anbieten können. Denn wer einmal seine Zelte hier aufgeschlagen hat, möchte im Normalfall nicht wieder aus Radebeul weg. Und wer doch verkaufen möchte, kann für sein Haus schon mal locker eine halbe Million Euro verlangen, manchmal aber auch mehr.

Autor: Hans-Holger Malcomeß ("DISY" Sommer 2007)

 

Die Häuser werden knapp: DISY befragte den Radebeuler Immobilien-Experten Jens Beck

Jens Beck, Geschäftsführer der Beck & Holz Immobilien GmbH, ist ein von der IHK Dresden öffentlich bestellter und vereidigter Diplom-Sachverständiger (DIA) für die Bewertung von bebauten und unbebauten Grundstücken sowie Mieten und Pachten.

Herr Beck, Sie haben täglich mit Menschen zu tun, die in Radebeul ein Haus kaufen möchten. Weshalb wollen so viele gern dort leben?
Aufgrund seiner aufgelockerten Gebäudestruktur erfreut sich Radebeul einer sehr großen Beliebtheit. Dabei ist die Attraktivität der Stadt vor allem auf die architektonisch ansprechenden Villengrundstücke mit hoher Durchgrünung zurückzuführen. Deren Ausstrahlung wird noch durch die unmittelbare Nähe der Lößnitzweinhänge sowie der Elbe verstärkt. Ebenso trägt die liebevoll sanierte Kneipenmeile in Altkötzschenbroda zur Urbanität und zum gesteigerten Wohnwert Radebeuls bei. Außerdem sollte man nicht die infrastrukturellen Vorteile vergessen: Autobahn- und Flughafennähe, S- und Straßenbahnanschluß an das Dresdner ÖPNV-Netz sowie Dresdner Telefonvorwahl.

Seit 1990 sind Sie in Radebeul als Immobilienexperte tätig. Wie hat sich seitdem der Markt im Bereich der großen Villen entwickelt?
Während der Radebeuler Immobilienmarkt bis zur Mitte der 1990er-Jahre mehrere lebhafte Preissprünge verzeichnete, erlebten wir anschließend für sechs bis sieben Jahre einen stetigen aber moderaten Preisrückgang. Nach einer kurzen Konsolidierungsphase sind aber seit ungefähr drei Jahren wieder deutlich steigende Preise zu vermerken.

Mittlerweile soll es weit mehr Kaufinteressenten als freie Objekte geben. Können Sie das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ungefähr beschreiben?
Ich kann es am Beispiel unseres Büros darstellen, das die Verhältnisse am Radebeuler Immobilienmarkt entsprechend widerspiegelt. Solch ein Büro ist als Marktplatz zu verstehen, auf dem Angebot und Nachfrage zusammentreffen – unabhängig davon, ob dies persönlich, telefonisch oder anderweitig erfolgt. Ich schätze deshalb, dass im Bereich der Radebeuler Wohnvillen die Nachfrage das Angebot zur Zeit um mindestens das Fünffache übersteigt! Deshalb gehören die Radebeuler Immobilienpreise für Häuser und Grundstücke mit zu den höchsten in den neuen Bundesländern.In welchem Bereich bewegt sich denn momentan der Kaufpreis für eine größere Villa?Natürlich kann ein konkreter Kaufpreis nie ohne vorherige eingehende Objektbetrachtung ermittelt werden. Je nach Lage, Größe, Art, Beschaffenheit und Ausstattung wird nach meinen Erfahrungen ein durchschnittliches saniertes Villenobjekt mittlerweile mindestens 500.000 Euro kosten.

Können Sie uns Villen mit interessanter Geschichte nennen, die zum Verkauf stehen?
Das 1904 errichtete großzügige Villenanwesen auf der Einsteinstraße 16 wurde 1996 von der Schweizer Eidgenossenschaft erworben und bis zum letzten Jahr als Residenz des Schweizer Konsuls genutzt. Gemäß ihrer ursprünglichen Konzeption wird die Villa zukünftig aber wieder als repräsentativer Familiensitz dienen.

Woher kommt die Mehrzahl der Kaufinteressenten - aus Sachsen oder von weiter her?
Die Mehrzahl der Käufer kommt sicherlich aus Sachsen. Allerdings ist die Definition, ab wann jemand als Sachse zu betrachten ist, nicht eindeutig. Ich beispielsweise stamme ursprünglich aus der Hansestadt Hamburg, habe aber meinen Lebensmittelpunkt seit nunmehr 17 Jahren in Radebeul – deshalb fühle ich mich mittlerweile auch als Sachse. Verkäufe an Kunden, die von weiter her kommen, sind aber keine Seltenheit. So hat unser Büro schon Familien aus Japan, den USA oder aus Spanien geholfen, sich hier anzusiedeln.

Radebeul wird von manchen auch als „Stadt der Millionäre“ bezeichnet. Leben hier wirklich so viele reiche Menschen?
Mit dieser Schlagzeile werden wir immer wieder konfrontiert. Sicherlich ist ein nicht unwesentlicher Teil der Radebeuler Einwohner überdurchschnittlich wohlhabend, wozu insbesondere auch einige „Neu-Radebeuler“ zählen. Eine genaue Zahl vermag ich jedoch nicht zu nennen, zumal es hier ebenfalls ein Definitionsproblem gibt: Ab welchem Vermögen zählt jemand als Millionär? Wenn er ein Villengrundstück besitzt, das zwar formal einen Wert von einer Million Euro hat, aber bei der finanzierenden Bank hoch belastet ist? Oder ist möglicherweise nur der ein Millionär, welcher die Summe tatsächlich auf seinem Konto nachweisen kann?

Können Sie uns Namen einiger prominenter „Neu-Radebeuler“ nennen, die in den letzten Jahren hierher gezogen sind?
Aus der Vielzahl möglicher Namen möchte ich hier stellvertretend nur vier nennen: den Intendanten der Dresdner Semperoper Prof. Gerd Uecker, den Geschäftsführer der Dresdner Silicon Micro Sensors GmbH Wilhelm Prinz von Hessen, den Vorstandschef der Ellerhold AG (deutscher Marktführer bei Plakatdrucken) Frank Ellerhold sowie den Vorstandschef der König und Bauer AG (KBA, ehemals PLANETA) Albrecht Bolza-Schünemann.

Das Interview führte Hans-Holger Malcomeß ("DISY" Sommer 2007)

Mehr Infos über Jens Beck: www.beck-holz-immobilien.de

 

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