Es geht weiter. Nur Mut!

Foto: PR Universitätsklinikum

Unerschrockener Kämpfer gegen die Leukämie

 

 

Nach langer und sehr erfolgreicher Karriere ging Prof. Dr. med. Gerhard Ehninger in den Ruhestand, setzt aber seine wissenschaftlich und ärztliche Tätigkeit fort. Viele seiner ehemaligen und neuen Kollegen, Freunde und Familie erinnerten an einem Abend nur ihm zu Ehren an seine wissenschaftlichen Erkenntnisse ebenso wie an seine gesellschaftlichen.

 


Von 1994 bis zum 31. März 2018 stand Professor Gerhard Ehninger der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden als Direktor vor. Nun scheidet der weltweit anerkannte Hämatologe und Onkologe aus dem Hochschuldienst aus und gibt damit auch die Klinikleitung an die Professoren Martin Bornhäuser und Jochen Hampe ab.

Der 65-Jährige hat zu Beginn seiner Tätigkeit in Dresden nicht nur die Stammzelltransplantation etabliert und damit in den vergangenen Jahren mehreren tausend Blutkrebs-Patienten das Leben gerettet, sondern kontinuierlich an der Entwicklung neuer Therapien gearbeitet – als Arzt ebenso wie als Forscher. Bundesweit bekannt wurde Gerhard Ehninger durch die von ihm mit Dr. Peter Harf gegründete Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Sie leistet einen wesentlichen Beitrag dazu, dass heute sehr viele Patienten mit der Diagnose Blutkrebs geheilt werden können. Er gehört zudem zu den Gründungsvätern des UniversitätsKrebsCentrums Dresden (UCC) und hat als Klinikdirektor den von der Mildred-Scheel-Stiftung finanzierten Neubau des UCC und der Erwachsenen-Hämatologie eingeworben und mit geplant. 

 

Als Forscher hat Prof. Ehninger einen wichtigen Beitrag zur Profilierung der Hochschulmedizin geleistet. So gelang es der Dresdner Hochschulmedizin unter seiner Führung, in Dresden den ersten medizinischen Sonderforschungsbereich (SFB), das DFG Forschungszentrum (später Exzellenzcluster) und das Koordinationszentrum für Klinische Studien zu etablieren. Der SFB beschäftigte sich mit der Rolle von Stamm- und Vorläuferzellen bei der Bildung von Körpergewebe. Beleg für den Erfolg dieses interdisziplinären Forschungsprojekts sind die Zuschläge für die drei maximal möglichen Förderperioden, wodurch mehr als 50 Millionen Euro an Fördergeldern des Bundes nach Dresden flossen. In diesem SFB wurde auch der Ansatz entwickelt, menschliche Abwehrzellen gentechnisch so zu verändern, dass sie tausende von Krebszellen töten können. Die Arbeit an dieser innovativen Therapie setzt Gerhard Ehninger als emeritierter Professor außerhalb der Hochschulmedizin Dresden fort. „Als mutiger und streitbarer Geist hat Professor Gerhard Ehninger ein Vierteljahrhundert lang wichtige Impulse in der Entwicklung von Universitätsklinikum und Medizinischer Fakultät gesetzt. Er war in zahlreiche zentrale Projekte der Krankenversorgung involviert und leitete beispielsweise viele Jahre das Universitäts KrebsCentrum, das wesentlich zum exzellenten Ruf der Hochschulmedizin in der Krebsmedizin beigetragen hat. Dafür gilt ihm unser uneingeschränkter Dank“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden. 

 

Auch in der Forschung setzte Prof. Ehninger mit dem von ihm 2005 initiierten Sonderforschungsbereich 655 Maßstäbe. „Getrieben von der wissenschaftlichen Vision, die biologischen Grundlagen von Stamm- und Vorläuferzellen bei der Bildung von Körpergewebe zu verstehen und daraus schließlich klinische Anwendungen abzuleiten, arbeitete er erfolgreich daran, ganz unterschiedliche Disziplinen und Institutionen zu vereinen. An erster Stelle zu nennen sind hier die Zell- und Entwicklungsbiologie, das Bioengineering und die Medizin. Im Rahmen des SFB gelang es, dass Wissenschaftler universitärer und außeruniversitärer Institutionen gemeinsam am Fortschritt der Medizin arbeiten und Dresden als exzellenten Standort der Lebenswissenschaften profilieren. Die Arbeit des Sonderforschungsbereichs war so erfolgreich, dass er über die maximal drei Förderperioden finanziert wurde – ein Beleg für die Ausnahmestellung des Projekts und seines Initiators. Für dieses außerordentliche Engagement gebührt Professor Gerhard Ehninger Dank und Ehre“, fügt Prof. Heinz Reichmann, Dekan der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden hinzu.

 

Körpereigene Immunzellen gegen Leukämie aktiviert Nach seiner Emeritierung kann sich Prof. Ehninger noch intensiver als bisher um die Weiterentwicklung einer völlig neuen Art der Krebstherapie kümmern. Dabei werden körpereigene Immunzellen des Patienten gegen eine besondere Form der Leukämie aktiviert. Dieser in den vergangenen 15 Jahren erforschte Therapieansatz steht nun an der Schwelle zum klinischen Einsatz. Das erste gentechnisch hergestellte Medikament wurde im März 2018 für klinische Studien im Krankenhaus zugelassen, vier weitere werden in den kommenden Monaten folgen. Um diesen Schritt gehen zu können, hat Prof. Ehninger gemeinsam mit Prof. Michael Bachmann, Professor für Translationale Radiopharmalologie der Medizinischen Fakultät der TU Dresden und Direktor des Institutes für Radiopharmazeutische Krebsforschung am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf ein Unternehmen gegründet. Beide Wissenschaftler haben es damit nicht nur geschafft, ihre ersten Ideen in die Grundlagenforschung einzubringen, sondern auch die dabei erzielten Ergebnisse patentieren zu lassen. In einem letzten Schritt können sie diese nun selbst bis zum Patienten bringen. Dazu können sie nicht nur auf 3,6 Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium zurückgreifen, sondern auch auf Darlehen von Risikokapitalgebern sowie der Sächsischen Aufbaubank.

 

„Beleg für den Erfolg dieses interdisziplinären Forschungsprojekts sind die Zuschläge für die drei maximal möglichen Förderperioden, wodurch mehr als 50 Millionen Euro an Fördergeldern des Bundes nach Dresden flossen.“

Sie blicken zurück auf 24 Jahre intensiver Tätigkeit als Lehrstuhlinhaber und Direktor der Medizinischen Klinik I. Welches waren aus Ihrer Sicht die mit Ihrer Amtsperiode verbundenen Meilensteine?

Ehninger: 1994 wechselte ich mit 17 Jahren Berufserfahrung in der national und international anerkannten Medizinischen Klinik l (Hämatologie/Onkologie/Rheumatologie) des Universitätsklinikums Tübingen nach Dresden. Hier sollte eine Medizinische Fakultät der Technischen Universität aufgebaut werden, welche die beste Patientenversorgung, verbunden mit einer weltweiten wissenschaftlichen Ausstrahlung zum Ziel hatte. Aber es fehlten viele der erforderlichen Grundvoraussetzungen. Und das Projekt wurde immer noch von maßgeblichen Repräsentanten Sachsens in Frage gestellt. Hinzu kamen Begrüßungsrituale wie „schon wieder nimmt ein Wessi einem Ossi die Stelle weg“. Nicht zu vergessen auch Joschka Fischers dümmliche und wenig hilfreiche populistische Begleitmusik zum Neuanfang in den Neuen Bundesländern, dass nur die zweite Garnitur in den Osten ginge. In Dresden traf ich dann auf visionäre und begeisterte Kolleginnen und Kollegen, die enge und freundschaftliche Verbindungen mit mir und den nach Dresden Mitgekommen eingingen. Die uneingeschränkte Unterstützung durch die Deutsche Krebshilfe ermöglichte es, die desolate Gebäudesituation durch Neubauten mit integrierten Forschungsflächen rasch zu beheben und eine bessere Versorgungsqualität als in vielen Einrichtungen „im Westen“ anzubieten. Auch konnten die ersten hochkarätigen Forschungsergebnisse publiziert werden. Auch was dann kam, reiht sich in diese erfreuliche Dynamik ein. Mit dem Aufbau einer Blutstammzelltransplantationseinrichtung, Aphereseinrichtung, GMP- und molekularbiologischen Laboren standen nun alle modernen Diagnostik- und Therapieverfahren zur Verfügung. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit war einzigartig. Eine gemeinsame Station mit VTG-Chirurgie wurde eingerichtet. Zusammen mit Prof. Saeger und Prof. Hermann (Klinik für Radioonkologie) wurde das Universitäts-Krebszentrum UCC gegründet. Schon in der ersten Ausschreibungsrunde wurde es als Spitzenzentrum durch die Deutsche Krebshilfe anerkannt. Weitere Meilensteine waren die Förderung des Sonderforschungsbereiches 655 „Von Zellen zu Geweben”, gefolgt durch das DFG-Forschungszentrum 111 und den Exzellenzcluster CRTD. Diese Erfolge waren nur möglich durch fakultätsübergreifende Kooperationen und die einzigartige Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Zellbiologie und Genetik. Durch die strategische Förderung der Neuen Bundesländer durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung kamen weitere namhafte Wissenschaftler nach Dresden. Unter ihnen war Michael Bachmann aus Oklahoma, der das Feld der Immunonkologie vorantrieb. Neue bispezifische Antikörper wurden entwickelt und gentechnologisch modifizierte T-Zellen (CAR T-cells) hergestellt, die aktuell in die klinische Anwendung gehen. Über allen diesen Entwicklungen stand aber mein Credo, dass eine hervorragende medizinische Wissenschaft sinnlos ist, wenn sie nicht von einer mitfühlenden und bestmöglichen Patientenversorgung begleitet wird.

 

 

Mit Sicherheit werden Sie nicht wirklich in den Ruhestand eintreten. Welche Pläne und Aufgaben erwarten Sie?

Ehninger: Ein wenig kürzer treten werde ich schon. Aber die frühen klinischen Studien mit unseren neuen Antikörpern und CAR T-Zellen werden mich fordern und im Schwung halten. Und mein gesellschaftliches Engagement wird nicht ruhen....

 

Welche Fortschritte führten während der letzten 20 Jahre zu den größten Erfolgen für die Krebspatienten?

Ehninger: Im Bereich der Medizinischen Onkologie war dies sicher die selektive Hemmung von Signalweg-Molekülen. Exemplarisch hierfür steht Imatinib bei der chronischen myeloischen Leukämie. Diese Substanz hat einen Quantensprung in der Behandlung gebracht. Fast in jeder Krebsform hat dieser Paradigmenwechsel Einzug gehalten. Ähnlich rasant verlief die Entwicklung in der Immunonkologie. Von monoklonalen Antikörpern, über Checkpoint-Inhibitoren und bispezifischen Antikörpern bis zu gentechnologisch veränderten Immunzellen spannt sich hier der Bogen.    

 

Was ist nach Ihrer Einschätzung in Zukunft zu erwarten?

Ehninger: Vorausgeschickt sei, dass nichts so unsicher ist wie Zukunft und ihre Vorhersage. Doch so viel zeichnet sich ab. Die Kombinationstherapien von Signalinhibitoren und Immunonkologica stehen erst am Anfang. Hier gibt es fast unüberschaubare Variationsmöglichkeiten. Und, unser genomisches Wissen über die Entstehung und weitere Entwicklung von Malignomen wird sicher in einigen Erkrankungen zu gentherapeutischen Eingriffen und Erfolgen führen. 

In der internationalen Forschung ist man in der ganzen Welt zu Hause. Wo wird zukünftig Ihr Heimatstandort sein? Ehninger: Natürlich Dresden!

„In diesem SFB wurde auch der Ansatz entwickelt, menschliche Abwehrzellen gentechnisch so zu verändern, dass sie tausende von Krebszellen töten können.“

Es geht weiter. Nur Mut! Prof. Gerhard Ehninger   

Menschlichkeit, Großherzigkeit und fachliche Brillianz

Foto: TU Dresden

Von Prof. Hans Müller-Steinhagen

 

Vor acht Jahren habe ich noch in einem kleinen Dorf etwa 25 Kilometer südlich von Stuttgart gewohnt. Was mir damals nicht bewusst war, dass im direkten Nachbarort nicht nur meine Lieblingskneipe war, sondern auch die Geburtsstätte eines echten Promis. Kennt Jemand von Ihnen Simmozheim im Landkreis Calw? Genau dort wurde nämlich unser Gerhard Ehninger vor einigen wenigen Jahren geboren. Und wenn es nicht bereits ganz in der Nähe einen Ort namens Ehningen gäbe, hätte man wahrscheinlich Simmozheim schon lange nach Ehningen umbenannt. 

„Mit seinem interdisziplinären Selbstverständnis ist es ihm gelungen, die Forschung und daraus resultierend auch Behandlungsverfahren für Krebserkrankungen zu revolutionieren.“

Unsere Wege haben sich, wenn auch etwas zeitlich versetzt, vom Schlehengäu kommend, in Dresden und an unserer Technischen Universität getroffen, das ist schon ein ganz enormer Zufall. Für mich ist das ein großes Privileg. Wenn man ehemalige Patienten und Wegbegleiter von Herrn Prof. Ehninger fragen würde, was ihn auszeichnet, dann würden mit großer Sicherheit Begriffe wie Menschlichkeit, Großherzigkeit und natürlich auch wissenschaftliche und fachliche Brilianz fallen. So habe ich ihn auch kennengelernt in den letzten siebeneinhalb Jahren. Ich glaube, das es gerade seine umsichtige und angenehme Art ist, die die 24 Jahre, die er jetzt in Dresden ist, zu einer einzigartigen Erfolgsgeschichte gemacht haben. Es fällt ihm anscheinend wirklich leicht, Begeisterung unter Menschen zu wecken, sie zu motivieren und deshalb ist es ihm auch in Zusammenwirkung mit vielen Kollegen und Leuten gelungen, Dresden zu einer der Topadressen weltweit auf dem Gebiet der Krebserkrankungen zu machen. Mit seinem interdisziplinären Selbstverständnis ist es ihm gelungen, die Forschung und daraus resultierend auch Behandlungsverfahren für Krebserkrankungen zu revolutionieren. Ein gutes Beispiel ist der schon angesprochene Sonderforschungsbereich von Zellen zu Geweben,  der wirklich eindrücklich zeigt, wie Wissenschaft dann auch in einem fruchtbaren Miteinander zu Höchstleistungen gebracht werden kann. Aber neben der Selbstverständlichkeit, sich ärztlich und wissenschaftlich zum Wohle der Menschen einzusetzen, ist es ihm auch immer ein Bedürfnis gewesen, sich gesellschaftlich auf vielfältige Weise zur Verständigung einzusetzen und wehement gegen Rassismus und Intoleranz einzutreten. Ich muss sagen, man muss auch manchmal den Mut haben, dagegen zu sein. Erlauben Sie mir deswegen an dieser Stelle ein paar ganz persönliche Worte. Ich muss mich recht herzlich bedanken, für sein unermüdliches wissenschaftliches und gesellschaftliches Engagement, für sein offenes Ansprechen von Missständen, für seinen beispielgebenden Gerechtigkeitssinn. Ich weiß, ich bin mir sicher, dass würde überhaupt nicht zu ihm passen, sich auf seinen Erfolgen ausruhen. Deshalb freue ich mich darauf, dass er sich weiterhin ambitioniert für ein weltoffenes Dresden und für die Erforschung der Krebsmedikamente einsetzen wird. Beides benötigen wir dringend. Ich wünsche ihm herzliches Gelingen dabei.

„Ich glaube, das es gerade seine umsichtige und angenehme Art ist, die die 24 Jahre, die er jetzt in Dresden ist, zu einer einzigartigen Erfolgsgeschichte gemacht haben. Es fällt ihm anscheinend wirklich leicht, Begeisterung unter Menschen zu wecken.“

Als Rektor der TU Dresden würde ich mich natürlich sehr freuen, wenn er unserer Universität und auch unserer Forschungsallianz Dresden weiterhin eng verbunden bleiben würde. Wir sind jetzt in der nächsten Runde der Exzellenzbewerbung, wir bauen auf das, was wir in der vorherigen Runde erreicht haben und es ist zu Recht gesagt worden, dass er für das Gelingen der vorherigen Runde mit ein ganz wesentlicher Faktor war. Aber das Leben besteht, gerüchteweise zumindest, nicht nur aus Arbeit und deshalb wünsche ich ihm zugleich Muse und Zeit, um auch seine privaten Interessen mit großer Begeisterung zu verfolgen. Auch wenn er wie ein menschlicher Dynamo wirkt und viel mehr schöpfliche Energiequellen zur Verfügung zu haben scheint.

Wir hatten ein gemeinsames Ziel - den Erfolg

Foto: Universitätsklinikum Dresden

Von Prof. Hans-Detlev Saeger, ehemaliger Direktor der Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie

 

40 Jahre Arzt, 25 Jahre davon im Universitätsklinikum, Direktor der ersten medizinischen Klinik, 19 Jahre davon gemeinsame Arbeit mit der selben Stelle. Ein Internist und ein Chirurg werden Freunde. Geht das? Offenbar nicht immer. Aber wir haben ein gemeinsames Ziel, nämlich den Erfolg.

Die Patienten sollten davon profitieren. Der Weg war nicht immer einfach, aber wir haben es geschafft. Zusammen mit vielen anderen und es hat Spaß gemacht. Übrigens waren unsere Familien auch bald freundschaftlich verbunden. Dennoch, wir waren privilegiert, konnten eigene Ideen verwirklichen, gestalten, Neuerungen einführen und das besonders in den ersten Jahren noch ziemlich unbürokratisch. Ein Privileg, um das wir, mit zunehmender Zeit, dauerhaft von vielen Kollegen beneidet wurden. Nur ein Beispiel für unsere gute Koopertation. Gemeinsam haben wir den Krebs bekämpft.

1998, das ist jetzt 20 Jahre her, konnten wir eine interstinäre, internistisch, chirurgische, onkologische Station eröffnen. Die erste dieser Art in Deutschland. Nicht nur die Therapie sollte optimiert werden, für das Patientenwohl wurden neue Wege geschaffen. Eine komfortable - man könnte sagen Lounge - mit Fernseher, DVD Player, Zeitschriften, Büchern, Büffettwagen und Hostessen, die das Essen nach Patientenwünschen ausgaben. Das war für alle Kranken, nicht nur für Privatpatienten, wie es uns manchmal nachgesagt wurde.

Die Crew von Schwestern und Pflegern war, wie soll ich es sagen, gigantisch. Kompetent, freundlich, immer für die Patienten da. Nur unsere ärztlichen Mitarbeiter waren am Anfang ein wenig skeptisch, dass Internisten und Chirurgen gut zusammen arbeiten. Aber das hat sich sehr schnell gelegt, es war dann eine gute Zusammenarbeit. Prof. Ehninger war immer voller Ideen. Es wurde ja schon angedeutet und so hat er vielen geholfen in den unterschiedlichsten Situationen. Als ich einen Ruf nach Mannheim bekam, hat er mich mit unglaublicher Energie bei den Bleibeverhandlungen unterstützt. Nicht alltäglich im Zusammenleben von Internisten und Chirurgen. Er war auch mein bester Arzt. Ich habe ihn relativ oft gebraucht. Immer wieder und in teils dramatischen Situationen bei Tag und auch in mancher Nacht. Als ich zur Operation nach Berlin musste, hat er mich, meine Frau und meine Tochter mit unserem Auto nach Berlin gefahren und ist mit dem Zug zurück. Vergleichbares habe ich noch von keinem Hausarzt gehört. Sogar telefonisch kann er durch seinen ärztlichen Rat Leben retten. Meine Familie und ich sind ihm dafür unendlich dankbar. Ich konnte auch viel von ihm lernen. Nicht fürs Operieren, aber medizinisch und alltäglich. Als ich mich mal über unpassende Kommentare lieber Mitmenschen ärgerte hat er mich aufgerichtet und gesagt: “Wenn du dich aus dem Fenster lehnst, musst du mit Regen rechnen.” Wir haben Spaß gehabt. In abendlichen Runden beim Torwandschießen, Ski laufen, mit schnellen Autos, mit seinem Motorrad, mit dem Cort in weiß, im Dunkeln fuhr er mit diesem Cort steile Skipisten hoch und ich hing am Seil hintendran. Die Erfahrung haben außer uns wenige gemacht. Es war super und wir leben noch.

Eine hervorragende medizinische Wissenschaft ist sinnlos, wenn sie nicht von einer mitfühlenden und bestmöglichen Patientenversorgung begleitet wird. So hat Gerhard Ehninger erst kürzlich in einem Interview seine Arbeit definiert. Und jetzt der Ruhestand, wenigstens damit bin ich ihm um einige Jahre an Erfahrung vorraus. Ein wunderbarer Lebensabschnitt. Viele der ungeliebten Aufgaben des täglichen Zehn Kampfes eines Klinikdirektors sind schnell vergessen. Man ist endlich Herr seiner Zeitplanung, kann das machen, was man will. Übrigens auch morgens ausschlafen gehört dazu. Wie hat er den neuen Lebensabschnitt geplant? Sein Motto, es geht weiter. Für ihn geht es weiter. In Dresden und in der Welt, mit aller Kraft, mit seiner Familie, Freunden, Erfolg, Spaß und gesellschaftlichem Engagement.

Unsere Arbeit ist hochspannend

Foto: PR Uniklinikum

Von Kristina Hölig, Fachärztin für Transfusionsmedizin 

 

Ich hatte damals im September die Leitung der Abteilung Transfusionsmedizin angetreten, als er sich bei uns vorstellte. Er ware damit der erste neue Ordinarius, der den Weg in unsere recht bescheidenen Räume fand. Das zeigt eigentlich bereits sehr eindeutig die Wertschätzung, die er von Anfang an unserem Fachgebiet entgegen gebracht hat. Wir haben uns dann häufiger in seinem ersten, auch noch recht bescheidenen Arbeitszimmer getroffen und besprochen, welche Aufgaben im Rahmen des Aufbaus einer Blut-/Stammzellentransplantation für die Transfusionsmedizin resultierten. Er organisierte dann eine Veranstaltung, bei der unsere Mitarbeiter*innen durch eine sehr kompetente Referentin in die Geheimnisse von Blutgruppenwechsel und Blutbestrahlung eingeweiht wurden. Als dann das Transplantationsprogramm Mitte der neunziger Jahre so richtig Fahrt aufgenommen hatte, waren wir unmittelbar an dieser raketenartigen, beeindruckenden Entwicklung beteiligt. In wenigen Jahren fanden wir uns dann plötzlich unter den weltweit größten Zentren für Stammzellgewinnung wieder. Präparate aus Dresden reisten in die entlegensten Gebiete der Erde und retteten dort Leben. Gleichzeitig wurden wir aber auch Teil eines enthusiastischen und unglaublich netten und kollegialen Teams, das er aus einheimischen und zugereisten Kollegen mit großem Takt- und menschlichem Feingefühl aufbaute. Damit konnten auch gar keine Ost/West Animositäten aufkommen. Dank seiner Leitung entwicklte sich eine organische Kooperation zwischen hämatologischen Kliniken und Transfusionsmedizin. Bei der, neben den Kenntnissen der jeweiligen Mitarbeiter, vor allem natürlich die Patienten profitierten. Viele, nahezu alle wichtigen Schwerpunkte unserer heutigen Tätigkeit, hängen eigentlich irgendwie mit dieser Zahl zusammen. Die Herstellung von Thrombozyten-Konzentraten, sei es die extrakorporale Photopherese oder auch die spezialisierte Immunhämatologie. Damit konnten wir wirklich immer mit seiner Hilfe rechnen, sei es bei strukturalen Problemen, bei personellen Engpässen oder auch bei erforderlichen Raumerweiterungen, wenn auch einmal eine personelle Hilfeleistung durch einen sehr charmanten jungen Assistenzarzt letztendlich dazu führte, dass unsere beste MTA leider abhanden kam, aber es bleibt ja schließlich alles in der Familie. So war es dann 2004 eigentlich auch schon längst überfällig und folgerichtig, dass die Transfusionsmedizin dann tatsächlich offiziell in die MK1-Familie aufgenommen wurde.

 

Mittlerweile ist vieles in der Routine selbstverständlich geworden und wir kämpfen momentan eher mit den Mühen der Ebene. Aber letztendlich ist unsere Arbeit nachwievor hochspannend und man sollte sich gelegentlich diesen Elan und die begeisterte Stimmung der neunziger Jahre zurückholen, wenn man mit den heutigen, oft banalen alltäglichen Problemen kämpft. 

 

Ich möchte mich jetzt ganz einfach an dieser Stelle wirklich sehr sehr herzlich bedanken, dass Prof. Ehninger unser Fachgebiet, die Transfusionsmedizin, hier in Dresden über ein Vierteljahrhundert befördert und unterstützt hat. Ich möchte mit einem Heine-Zitat schließen: „Die Werke des Geistes sind ewig feststehend, aber die Kritik ist etwas Wandelbares, sie geht hervor aus den Ansichten der Zeit.“ In diesem Sinne wünsche ich Prof. Ehninger im Namen meines gesamten Teams viel Gesundheit und noch viele wissenschaftliche Erfolge zum Wohl unserer Patienten.

 

 

Wir haben immer in die gleiche Richtung gezogen

Foto: Universitätsklinikum

Von Prof. Michael Albrecht, medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums

Gerhard Ehninger bekommt von uns die Chronik der Dresdner Hochschulmedizin geschenkt. Er ist der Erste aus Fakultät und Klinikum, der sie erhält. Sie umfasst chronologisch, ab der neuen Rechtsform 1999 alle Jahresberichte, und damit alle Ereignisse des Klinikums und der Fakultät, dargestellt und ergänzt durch die dazugehörigen Zahlen, Daten und Fakten. Zahlreiche Ereignisse dieser Epoche sind maßgeblich von ihm und seinem Tun geprägt. Was könnte besser beschreiben, wie stark und groß der Beitrag von Gerhard Ehninger für den Aufbau dieser Dresdner Hochschulmedizin war und ist.

 

Exemplarisch nenne ich nur die Gründung des Krebszentrums, die wir gemeinsam verantwortet haben und die Schaffung des Onkologie-Campus. Eine Idee, die wir ebenfalls zusammen entwickelt haben, deren Umsetzung aber noch nicht beendet ist. Wir hatten unzählige Visionen. Viele haben wir gemeinsam realisiert und sie wären ohne Gerhard Ehninger nicht entstanden. Insofern kann ich mich im Namen der Medizinischen Fakultät und des Universitätsklinikums nur bei ihm bedanken. Neben der Chronik bekommt er ein weiteres ganz persönliches Geschenk von mir. Zunächst eine Anekdote dazu: 1994 war unser erstes gemeinsames Jahr und ich erinnere mich daran, wie wir in einem wirklich scheußlich kalten Winter, ohne Jacke und Mantel mit blaugefrorenen Lippen zusammen vor dem Verwaltungsgebäude 1 des Universitätsklinikums gestanden haben und uns überlegten, wie man denn so manche Entwicklung positiv beeinflussen kann – für die Zukunft. Das ist mir im Gedächtnis geblieben und am Ende steht diese Situation auch unausgesprochen – denke ich – für unser Verhältnis, das nun ein Vierteljahrhundert andauert. Es ist ein Verhältnis des gegenseitigen Respekts und der gegenseitigen Leistungsanerkennung. Und dabei hat sich Gerhard Ehninger noch nie durch zu große Kompromisse ausgezeichnet, Gott sei Dank nicht. Denn eines einte uns, wir haben immer gemeinsam für unsere Visionen gekämpft. Dafür wirklich mein ganz persönlicher Dank und meine Anerkennung. Ich habe hier ein persönliches Geschenk für Gerhard Ehninger, bei dem ich gern hätte, dass er sich daran erinnert und es ein bisschen bei sich trägt. Es ist ein Lineal. Wozu? Das gesamte Lineal steht für die normale Lebenserwartung. Und da steht Gerhard heute. [zerbricht das Lineal] Das liegt hinter ihm und das davor. Ich hätte gerne, dass er das Stück in der Hosentasche trägt und wenn er in Zukunft das eine oder andere abwägt, oder sich fragt, was er noch machen möchte, dann solltest er danach greifen und überlegen, ob es sinnvoll ist. Weil; seine Energie ist in der Tat unerschöpflich. Doch die Physis ist es nicht. Alles Gute für die kommenden Jahre und vielen Dank.

Er hat die Deutsche Fachgesellschaft für Hämatologie angeführt, reformiert und Strukturen etabliert

Fotos: Universitätsklinikum

Von Prof. Martin Bornhäuser und Prof. Jochen Hampe, Klinikleiter des Universitätsklinikums

 

Der Weg von Tübingen nach Dresden war nicht immer nur leicht und so wie vielleicht gedacht, nur von schnellen Erfolgen gezeichnet. Ich selber kann mich gut erinnern, wie wir 1995/96 über den Campus liefen und manch wacklige Entscheidung in unserem Umfeld, die die Entwicklung des Medizinstandorts zumindest kurzfristig haben wackelig aussehen ließ, besprachen. Was mich damals, wie heute an Prof. Ehninger beeindruckt hat, ist dass er auch in so schwierigen Situation unnachahmlich die Fähigkeit hat, sein Umfeld, mit Esprit, mit Motivation zu infizieren und diese positive Einstellung ins ganze Team zu transportieren. Ich möchte noch ein paar Dinge rausgreifen, die vielleicht manche, die nicht Hämatologen oder Onkologen sind nicht wissen, denn der Standort hier in Dresden ist nicht nur lokal eines der besten und größten Zentren für Leukämiebehandlung und Transplantationen, sondern das ist national und international der Fall und das ist ihm zu verdanken. 

 

Der Sonderforschungsbereich ist ja der Grundstein für die Exzellenzinitiative und ihn dabei zu begleiten und das auch als Zeuge mitzuerleben, war für mich persönlich, aber auch für alle anderen, eine stete Motivation und ein Antrieb. Aber wie gesagt, nicht nur in Dresden, sondern in der ganzen Republik hat er ein erfolgreiches Netzwerk gegründet, die Studienallianz für akute Leukämie. Die hat in den vergangenen Jahren sehr viele Früchte getragen. Sie ist international anerkannt, wir hatten tschechische Koopertationen und die von ihm gegründete Deutsche Knochenmark Spenderdatei. Cellex hat Maßstäbe gesetzt in der Bereitstellung von Transplantaten für viele Patienten auf der ganzen Welt. Neben diesen manigfaltigen Verpflichtungen hier in Dresden hat er die deutsche Fachgesellschaft für Hämatologie über viele Jahre angeführt, reformiert und professionelle Strukturen etabliert von denen seine Nachfolger heute noch profitieren ohne es vielleicht zu wissen. 

 

Ich denke, er kann mit großem Stolz auf das Erreichte zurückblicken. Die Entwicklung der universitären Medizin in Dresden, als auch der Erfolg der Hämatologie in Deutschland, wird immer mit seinem Namen verknüpft bleiben. Das mit der Ruhe ist seine Sache nicht. Er hat eine große Unruhe, eine Entropie, wie wir vielleicht wissenschaftlich sagen, die ist sehr groß. Vor 40 Jahren mit der Knochenmarktransplatation, hat er sich jetzt ein Thema ausgesucht, die zelluläre Immuntherapie, was ein faszinierendes und zukunftsträchtiges Forschungsthema ist und zusammen mit seinen Mitarbeitern wird er hundertprozentig auch die Früchte ernten können. Für diesen, nächsten Schritte möchte ich im Namen aller Mitarbeiter der medizinischen Klinik das Allerbeste wünschen. Wir werden alles tun, um diese Projekte zu unterstützen und hoffen, dass unsere Zusammenarbeit noch viele Jahre so weitergeht. Wir werden gemeinsam versuchen, diese Entwicklung weiterzuführen, die Klinik weiterzuentwickeln und wir hoffen auf seinen Rat und sein Coaching. 

Er ist ein Missionar

Foto: PR Frauenkirche Dresden

Von Sebastian Feydt, Pfarrer der Frauenkirche

 

Prof. Ehninger ist ein Mann mit einer Mission: Mission Dresden, Mission Respekt, Mission Toleranz, vielleicht sagt der Eine oder Andere auch Mission Wissenschaft. Wenn das Wort Missionar nicht in unserem Sprachgebrauch so etwas belastet wäre, würde ich sogar behaupten, er ist im besten Sinne dieses Wortes ein Missionar. Wenn man in seine Vita schaut, weist sie alles auf, was einen Missionar ausmacht - unglaubliche geistige und geistliche Fähigkeit und Dynamik. Er ist ein Mann, der fromm und frei zu gleich sein kann und das zeichnet ihn aus. Das schließt sich eben nicht aus. 

 

Das ist das Besondere, was man an seinem Engagement, an seinem Lebenswerk ablesen kann. Wie viele Menschen haben in den zurückliegenden Jahren nicht nur hier in Dresden, sondern auch schon zuvor in seiner Heimat, von ihm vermittelt bekommen, aus welcher Grundlage heraus er sein berufliches und zivilgesellschaftliches Engagement begründet? Das ist, wenn ich es richtig verstanden habe, stark sein christlicher Glauben. 

 

Ein Grundvertrauen in einen Gott, der ihn mit dem Besagten beschenkt hat, was ihn als Person auszeichnet. Von diesem Grundvertrauen hat er erzählt, er hat es mitgeteilt, hat es mit anderen geteilt. Er ist für mich der Arzt, der um den noch größeren Arzt und Heiler, christlich gesprochen, den Heiland, weiß und in diesem Sinn lebt und handelt. Gerade deshalb auch so ungemein politisch wirksam und zwar nicht aus politischem Kalkül heraus, sondern sein Engagement leitet sich aus seinem christlichen Glauben heraus ab. 

 

Grundwerte, die auf christlichen Tugenden basieren, werden von ihm nicht nur auf der Zunge geführt, sondern gelebt, so dass es nachfolgende Generationen erleben. Ja, auch das ist Gerhard Ehninger: Der Menschenfreund, der die Liebe zu den Menschen und zwar ausnahmslos zu allen lebt und das, ohne jeglichen Unterschied zu machen. Der Mann mit einer Mission, der, wenn ich es richtig sehe, keine Angst kennt. Er hat keine Angst vor den Menschen, er hat auch keine Angst vor dem Bösen. Ganz gleich, ob in der Gestalt eines bösartigen Tumors oder in der Gestalt menschenverachtender, bösartiger Gewalt. Er hat keine Angst vor der Zukunft, auch das zeichnet ihn aus. Das hat wohl etwas damit zu tun, dass er nie allein ist. Im Glauben nicht, aber vor allem auch in seiner Familie nicht. So versteht er sich in mitten dieser Gemeinschaft, als einen Weltbürger im besten Sinn, mitten an dem Ort an dem er wirkt. Gerhard Ehninger hat keine Angst vor der Zukunft, weil er weiß, dass er nichts zu verlieren hat. Im Gegenteil, er weiß, dass er immer etwas gewinnen kann. Er kann Menschen für eine gute, menschenliebende Überzeugung begeistern. Er kann die nächste Generation ansprechen, die dankbar ist, weil er ihnen eine Orientierung gegeben hat. Nicht nur eine berufliche, sondern eine ethische Orientierung. Er gehört für mich zu den Menschen, die Kontrahenten zusammen bringen. Menschen mit ganz unterschiedlichen politischen Haltungen. Auch Menschen, die nicht miteinander gesprochen haben, Menschen mit unterschiedlicher Religiösität. Gerhard Ehninger ist für mich ein Mann mit Mission. Mission Respekt. Kennen Sie die Steigerung von dem Wort Respekt? Es ist Ehrfurcht. Ehrfurcht vor dem Leben, das hat einmal ein Arzt vor 100 Jahren in die Welt gebracht und Ehrfurcht vor Gott. Das zeichnet gläubige Menschen aus, die immer politische Menschen sind und bleiben.

 

 

Prof. Ehninger wird jetzt mehr Zeit mit uns verbringen

Foto: PR Cellex

Von Carla Kreissig, Geschäftsführerin von Cellex

 

Ich spreche für die Profiteure von Prof. Ehningers Pensionierung. Ich gehe ganz fest davon aus, dass er in Zukunft mehr Zeit mit uns - mit der Cellex - verbringen kann, die er im Jahr 2001 gegründet hat. Die Cellex hat damals begonnen als Entnahmezentrum für Stammzellen und Knochenmark. Das Ganze natürlich im Sinne der Patienten, die Professor Ehninger in der Klinik betreut hat, und mit einer sehr engen Kooperation mit der DKMS. Auch die DKMS verdankt ihre Gründung in ganz außerordentlichem Maße ihm. Zu den Entnahmezentren in Dresden und Köln kamen dann weitere Unternehmensteile, die sich mit der Organisation von Spenden beschäftigt haben, denn es macht überhaupt keinen Sinn, einen Entnahmetermin zu haben, wenn der Patient das Transplantat nicht bekommen kann, weil er nicht konditioniert wurde, oder der Spender noch nicht wusste, dass er spenden sollte. Auch der Transport spielt eine wichtige Rolle bei einer Transplantation. Ein perfektes Transplantat kann während eines langen Transportweges kaputt gehen. Das sind zwei weitere Unternehmensteile der Cellex.

 

Dann gibt es, wie viele wissen, in der letzten Zeit neue Therapieoptionen. Eventuell werden nicht mehr alle Patienten transplantiert werden müssen. Oder andere Patienten, die nicht transplantiert werden können, weil sie keine Remission erreichen oder an einer so kritischen Von Carla Kreissig, Geschäftsführerin von Cellex Erkrankung leiden, dass sie niemals in einen transplantationsfähigen Zustand kommen, für diese Patienten entwickelt unser F&E- Unternehmensbereich – GEMoaB und CPT - neue Therapien. Außerdem bauen wir in Köln gerade eine Reinraum-Facility. Wir werden Ende des Jahres 12 Reinraumsuiten haben, wo wir Patienten aus ganz Europa mit Präparaten versorgen können. Das ist unser Plan. Ich freue mich sehr darauf, dass Prof. Ehninger mehr Zeit mit uns verbringen wird, dass er mit seiner Energie und seiner unglaublichen Innovationskraft für unser Unternehmen tätig sein wird.

Was für Ihn zählt sind Menschenleben

Foto: PR Max-Planck-Institut

Von Prof. Wieland Huttner, Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts 

 

Ein großer Schritt, den du jetzt gehst. Ein wenig Wehmut wirst du spüren. Doch du bist fit und du verstehst, Neues so gut zum Ziel zu führen. Du hast dich nie verbogen für den Erfolg. Noch nie betrogen. Prinzipien bedeuten dir sehr viel. Ja, das ist dein Stil. Es ist dein Ziel, Krebs zu besiegen und so der Welt etwas zu geben. Du gibst viel für das Erleben, was für dich zählt, sind Menschenleben.

Ein Mensch, der kann, der will und der immer durchgezogen hat

Foto: Jan Kopetzky

Von Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen

 

Prof. Gerhard Ehninger und mich verbindet viel. Eine freundschaftliche Zusammenarbeit, die zu manchem ehrlichen Wort geführt hat, das ich eigentlich gar nicht hören wollte. Aber vor allen Dingen ein Engagement für dieses Land, für diese Stadt, für die Wissenschaft in Deutschland. 

 

Das, was hier in Sachsen entstanden ist in den letzten fast 30 Jahren, hat immer etwas mit den Menschen zu tun: Mit denen, die hier waren und gekämpft haben, nicht weg gegangen sind, nicht aufgegeben haben. Das hat etwas zu tun mit Politik, die einen Rahmen gegeben hat, Dinge ermöglicht hat, aber vor allen Dingen mit diesen besonderen Menschen, die mehr gemacht haben als andere. Menschen, die es konnten, die wollten und die richtig durchgezogen haben. 

 

Die Deutsche Einheit und das, worauf wir jetzt nach 27 Jahren schauen dürfen, wäre nicht denkbar und nicht möglich gewesen, wenn wir nicht so viele Menschen gehabt hätten, die nach 1990 hier zu uns nach Sachsen gekommen wären. Die in den 90er Jahren gesehen haben: hier muss man sich engagieren, hier muss man etwas tun, und die nicht nur als Außendienstmitarbeiter gekommen sind, sondern die Sachsen werden wollten. Das hat, bis auf die Sprache, relativ gut geklappt, und es zeigt: das ist möglich. 

 

Prof. Ehninger hat sich um den Freistaat Sachsen verdient gemacht. Diese Möglichkeiten mit dem Netzwerk, der Erfahrung, diesem unglaublichen Hintergrund und diesem Willen zum Erfolg, dafür müssen wir ihm sehr dankbar sein. Natürlich haben ganz viele Menschen persönlich davon profitiert. All die, die bei ihm gesessen haben. Ich habe das auch das eine oder andere Mal erlebt. Viele wissen, wie wichtig es ist, dass es Spitzenmedizin hier gibt und deshalb ist das so eine großartige Angelegenheit, dass er seine Arbeit dazu benutzt hat, diese Forschung aufzubauen, gemeinsam mit vielen anderen. Auch das ist eine große Gabe, nicht nur allein, sondern gemeinsam mit anderen etwas zu bewegen. Dresden-Concept und alles, was darum entstanden ist, ist ein Ergebnis dieses gemeinsamen Willens zum Erfolg, wofür ich herzlich dankbar bin. Aber man kann Prof. Ehningers Arbeit und das, was er hier geleistet hat, nicht nur beschreiben, wenn man über Medizin und Forschung spricht, sondern man muss auch darüber sprechen, wie er sich eingebracht hat in gesellschaftliche Debatten. Das Jahr 2015 wird uns allen noch lange in Erinnerung bleiben – auch mir. Wie die Gesellschaft auf die Flüchlingsfrage reagiert hat, wie sich das in Dresden alles abgespielt hat. Das war schon etwas, was man nicht so schnell vergessen darf, woraus man richtige Lehren ziehen muss. Prof. Ehninger ist einer von Mehreren, die gesagt haben, dass kann ich so nicht laufen lassen, ich muss hier etwas tun, ich will mich damit nicht abfinden, wie es ist. Er hat, wie viele Andere nach dem richtigen Umgang gesucht, und ich würde sagen, wie die meisten, hat es eine Weile gedauert, um den richtigen Punkt, um den richtigen Umgang zu finden. Deswegen ist das, was ich als Ministerpräsident sagen darf, auch im Namen von Stanislaw Tillich – herzlichen Dank! 

Ich bin selbst Spenderin gewesen und hatte Hoffnung

Foto: Martin Rulsch

Von Eva Maria Stange, Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst 

 

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich das Arbeitsende von Herrn Ehninger ist. Deshalb hat er ja auch den Slogan gewählt „Es geht weiter“, damit man gar nicht erst Hoffnung haben kann. Wir haben schon lange ein Gespräch gehabt, daran kann ich mich gut erinnern, wo ich gesagt habe, es geht weiter und ich bin sehr froh, dass es weitergegangen ist. 

Ich h bin ja Pädagogin, wie Sie wissen, Lehrerin. Ich hab den Beruf mal ergriffen, weil ich den Antrieb habe, dass es immer weitergehen muss, dass Lösungen verstärkt werden. Deshalb ging ich irgendwann in die Politik. Bei Prof. Ehninger habe ich den Eindruck, er ist klar Mediziner, weil er Lösungen will, mit seinen Möglichkeiten. Nicht nur Menschen helfen, sondern auch der Gesellschaft. Er hat nicht nur mich beeindruckt. Die Fachcommunity ist noch mehr in der Lage, das einzuschätzen, mit dem, was er in der Medizin geleistet hat.

 

Er hat das DKMS mitgegründet, etwas, wo ich selbst einmal Spenderin gewesen bin. Leider nicht der richtige Typ, ich hatte Hoffnung, aber… Da hilft schon so etwas, die Welt ein bisschen besser, solidarischer zu machen. Denn damit kann man schon viel erreichen. Ich weiß gar nicht, ob Sie das wissen oder ob man das überhaupt erfassen kann, dass allein dadurch schon Menschenleben länger geworden sind. Prof. Ehninger ist vor nahezu 25 Jahren in den Osten gekommen, was ihn getrieben hat, weiß ich nicht, was er gemacht hat, wissen wir sehr wohl. Er hat mit seinen Mitstreitern etwas aufgebaut, hat immer enormen Respekt den Menschen und dem Osten entgegen gebracht. Es gibt ja einige, die hier her gekommen sind und der Meinung waren, erst einmal Aufbauarbeiten leisten zu müssen. Das ist ja gerade alles nicht der Fall. Das hat Prof. Ehninger nie gemacht, obwohl das Uniklinikum, also die Unimedizin, wirklich neu aufgebaut worden ist. Aber es waren auch schon Menschen da, die mit angepackt haben.

 

Diese Art von Respekt gegenüber Lebensleistungen, das ist etwas, was ich ihm sehr hoch angerechnet habe. Richtig ernst wurde es dann in der Tat. Ende 2014, Anfang 2015, als sich hier in Dresden etwas gezeigt hat, was wir in anderen Teilen des Landes so deutlich nicht zu spüren bekommen haben und wo es vor allem unsere Max-Planck-Institute gewesen sind, die gesagt haben, so kann es nicht bleiben, das geht nicht, uns laufen die Menschen weg oder sie kommen nicht mehr. Prof. Ehninger hat  dann in der Tat mit dieser großen Veranstaltung, die auf dem Neumarkt stattgefunden hat, dass erste Mal die Menschen in der Stadt mobilisiert. Es war ein ganz kluger Gedanke, der mich auch sehr mitgenommen hat und den ich mir auch angenommen habe, zu sagen, wir sind nicht gegen etwas, sondern wir wollen für etwas sein. Wenn wir für etwas sind, dann könnten wir auch mehr Menschen mitnehmen und deshalb stand die Veranstaltung unter dem Slogan für Weltoffenheit und Toleranz. 

 

 

Dirk Hilbert, Oberbürgermeister der Stadt Dresden

Foto: PR Stadt Dresden

Ich will mit zwei Sprüchen anfangen, weil ich denke, die passen sehr gut. „Willst du was schaffen, tu es nicht ohne Rat, doch vorwärts bringt dich nur die frische Tat.“ Ich glaube, besser kann man Prof. Ehningers Wirken nicht beschreiben. Der Spruch steht auf einem Schild, das unser Wappentier, der Löwe, vor dem Rathauseingang „Goldene Pforte“ hält.  Dann würde ich gern noch ein zweites Zitat Von Dirk Hilbert, Oberbürgermeister der Stadt Dresden nutzen, denn Prof. Ehninger hat meinen großen Respekt, meine große Anerkennung. Dies gilt für die Stadtgesellschaft, für die er sich engagiert hat, mit „Dresden – Place to be“, mit dem Aufruf „Dresden Respekt“, mit den Veranstaltungen „Dresden ist bunt“. Da war es folgerichtig verdient, dass er den Erich Kästner Preis 2017 erhalten hat. Prof. Ehninger hat in seiner Dankesrede gesagt: „Unsere Zeit braucht Macher. Keine Nachmacher.“ Ich glaube, er hat sich bestens in Kürze selbst beschrieben. Vielen, vielen Dank für sein wunderbares Engagement für unsere Stadt!