Geschichten und Emotionen

Foto: PR Dita Von Teese

Vom alten Ägypten bis in die Neuzeit, von duftenden Ölen und Harzen bis zu modernen, synthetischen Parfüms heute. Der Mensch ist seit jeher nicht nur auf sein optisches Äußeres bedacht, sondern auch ein Fan von edlen und besonderen Düften. Disy - Redakteur Maximilian Walter traf Carolin Wolf von der Parfümerie Il Profumo. Begleiten Sie beide auf eine Reise in die Welt der tollen Düfte!

Eine kleine Reise in die Welt der Parfums

Bereits die alten Ägypter verbrannten Duftstoffe aus Baumharz, um ihren Göttern zu huldigen. Das war vor 5000 Jahren. Diese Art der Duftgewinnung hat sich bis heute im Wort erhalten. Parfüm leitet sich vom Lateinischen "per fumum" ab, was so viel wie "durch den Rauch" bedeutet.

Aus dem Orient trat das Parfüm seinen Siegeszug nach Europa an, nicht zu Letzt durch die Kreuzzüge, die eine Reihe von östlichen und arabischen Einflüssen hier her brachten. Den Durchbruch des Parfüms, wie wir es heute kennen, gelang zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert. Napoleon, so sagt man, badete regelrecht in Parfüm. Seinen liebsten Duft "Bois du Portugal" ist heute noch in unveränderter Form zu erwerben. "Er hat in drei Monaten 162 Flakons verbraucht. Bei diesem Duft hat sich auch die Mischung nicht geändert. Die Inhaltsstoffe, die damals verwendet wurden, werden auch heute noch benutzt", berichtet Carolin Wolf von der Parfümerie Il Profumo. Der Hersteller Creed wurde bereits 1760 gegründet. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts verbreiteten sich industriell hergestellte Düfte, wie man sie heute häufig verwendet, weil sie in der Herstellung günstiger sind.

Im Gegensatz zu den synthetischen Düften nutzt man bei hochwertigen Parfüms heute noch natürliche Ingredienzien. "Nur die wertvollsten und reinsten Inhaltsstoffe machen einen Duft zum Unikat. Bei den natürlichen Stoffen stellen die Inhaltsstoffe auch heute noch den Hauptkostenpunkt dar", erklärt Wolf weiter. Dank der Inhaltsstoffe ist auch die Gefahr für allergische Reaktionen und Hautreizungen geringer. "Bei synthetischen Düften wird wesentlich mehr Alkohol genutzt. Natürliche Düfte nutzen kostbare Öle, um ihre Wirkung zu erreichen", weiß die Duftexpertin.

Doch wie gewinnt man Düfte? Es gibt vier Arten, die Duftstoffe für ein Parfüm zu gewinnen. Bei der Enfleurage, die vermutlich älteste Methode, Duftstoffe zu gewinnen, wird mit Hilfe von Tierfetten den Blüten der Duft extrahiert. Man unterscheidet zwischen der "enfleurage à froid" und der "enfleurage à chaud". Bei ersterem wird gereinigtes Tierfett (meist Schweine- und Rinderschmalz) in einen Holzrahmen mit Glasplatte eingelassen. Anschließend legt man frische Blütenblätter auf die Fettmischung. Nach einigen Stunden haben diese ihren Duft an das Fett abgegeben und neue Blüten werden aufgelegt, so lange bis das Fett vollkommen mit Duftstoffen durchzogen ist. Mit Alkohol wird das Fett anschließend ausgewaschen, so dass ein feines Blütenöl entsteht. Bei der "enfleurage à chaud" wird das Tierfett auf 50 bis 70 Grad Celsius erhitzt. In dieser Masse werden die Blüten ausgekocht und später gefiltert. Auch hier löst man mit Alkohol die Duftstoffe heraus. Aus dieser Methode entstehen sehr reine Duftextrakte.

Eine weitere Methode ist die Destillation. Dabei wird das Material zusammen mit Wasser erhitzt. Der aufsteigende Wasserdampf zieht die Duftstoffe nach oben. Das Kondensat wird in der so genannten Florentienerflasche aufgefangen. Dabei entstehen reine und klare ätherische Öle.

„Nur die wertvollsten und reinsten Inhaltsstoffe machen einen Duft zum Unikat. Bei den natürlichen Stoffen stellen die Inhaltsstoffe auch heute noch den Hauptkostenpunkt dar.“

Die heute vorherrschende Methode ist die Extraktion. Dabei wird den Blüten und anderen pflanzlichen Materialien mittels Lösungsmitteln (Äther, Butan) der Duft entzogen. So werden auch Farbstoffe und Wachse gewonnen. Das entstehende Lösungsmittel wird destilliert. Übrig bleibt ein Konzentrat, das nochmals gereinigt wird.

Die modernste Methode ist der Softact. Hierbei wird Kohlendioxid bei niedriger Temperatur unter Druck gesetzt. Das so verflüssigte CO2 wird durch die Rohstoffe geleitet und entzieht ihnen die Inhaltsstoffe. Die Expression, also das Auspressen, wird vornehmlich zur Gewinnung von ätherischen Ölen und Zitrusölen genutzt. Hierbei wird die Schale der Früchte ausgepresst und das austretende Öl gesammelt. Neben Blüten und Früchten werden viele Düfte auch mit Harzen von Bäumen hergestellt. "Das Oud gilt dabei als wertvollster Inhaltsstoff", so Wolf. Oud ist das Harz des Adlerholzbaumes. Allerdings ist es nicht irgend ein Harz. Wird der Adlerholzbaum beschädigt, umschließt er die offene Wunde mit seinem Harz. Doch erst wenn auf diesem Harz eine bestimmte Mischung aus Pilzen und Bakterien wachsen, wird das gewöhnliche Harz zu Oud. "Der Duft ist sehr intensiv und holzig, allerdings überhaupt nicht unangenehm." Aufgrund der wachsenden Nachfrage ist der Baum allerdings vom Aussterben bedroht. Weitere Rohstoffe sind zum Beispiel Sandelholz (Duftnote warm und holzig) oder Vetiver (grüner, frischer Duft).

Parfümeure erstellen aus diesen Zutaten neue Düfte. Häufig haben sie dabei zuvor bereits eine Vorstellung, in welche Richtung der Duft gehen soll. Die Entwicklung eines neuen Parfüms dauert dennoch zwei bis drei Jahre. "Man nutzt einen Grundduft und bringt anschließend die verschiedenen Ingredienzien dazu. Je nach Zutat entwickelt sich der Duft in eine andere Richtung", erklärt die Expertin. Ein Parfüm entwickelt sich auf der Haut mit der Zeit. Man unterscheidet zwischen Herz-, Kopf- und Basisnote. Die Kopfnote ist der Duft, der im Moment nach dem Auftragen gerochen wird. Nach drei bis vier Minuten entwickelt sich die Herznote. Weitere 30 Minuten später spricht man von der Basisnote des Parfüms.

Gute Düfte haben auch immer etwas mit Emotionen zu tun. "Emotionen zu verkaufen, das ist eigentlich das Hauptgeschäft der Düfte", erklärt Wolf. Dazu zählt auch eine ansprechende Verpackung. Die Flakons sollen Geschichten erzählen. "Viel geht auch über die Werbung. Viele können sich zwar keinen Ferrari leisten, sehen aber den Duft im Fernsehen."

Besonders wertvolle Düfte, zum Beispiel von Amouage (ein Flakon kostet bis zu 190 Euro), erzählen die Geschichte ihrer Herkunft. "Der Duft spiegelt den Oman wieder. Früher erhielten Gäste dort den Duft als Geschenk", erzählt Wolf. "Der Frauenduft wird nur von Frauen abgefüllt. In der Verpackung ist ein kleiner Zettel mit der Unterschrift der Dame, die dieses Parfüm verpackt hat. Bei den Herrendüfte wiederum sind nur Männer am Werk", so die Expertin. Auf der Flasche sieht man einen kleinen Dolch, das Landeswappen des Oman. Der Flakon sieht zudem aus wie eine Moschee. Sind Sie auf der Suche nach besonders wertvollen Düften, sollten Sie nach Miniaturen Ausschau halten. "Diese sind für Liebhaber und meist sehr exklusive und teure Düfte", erzählt Wolf. Miniaturen haben häufig keinen Sprühkopf sondern werden mit einem kleinen Glasstäbchen aufgetragen.

Ein kleiner Duft-Knigge

Welcher Duft passt zu mir?

Bei Männern hängt es sehr vom Typ ab. Ist man häufig geschäftlich unterwegs, zielstrebig und traditionsbewusst, sollte Mann tagsüber einen frischen Duft wählen. Zum Abend hin darf er eher holzig sein. Häufig bleiben Männer bei einem einmal gewählten Parfüm. Bei Frauen darf sich der Duft an die Stimmung und die Jahreszeit anpassen. Wichtiger ist hier, dass der Duft sie tagsüber nur begleiten darf. Erst am Abend ist ein opulenterer und auftragender Duft gewünscht.

Wie finde ich das richtige Parfüm?

Wichtig ist, dass man sich Zeit lassen sollte. Beim Gang in die Parfümerie erschnuppert die Nase eine ganze Reihe von Düften. Nach fünf oder sechs Versuchen noch Unterschiede zu riechen, ist für ungeübte Nasen fast empfindlich. Gehen Sie lieber häufiger schauen und lassen sich beraten. Jeder Duft riecht auf jedem Menschen anders.

Wie trage ich den Duft richtig auf?

Neben der richtigen Art und Weise spielt auch die Stelle eine wichtige Rolle. Hochwertige Parfüm sprühen trichterförmig und umhüllen den Träger dabei. Frauen sollten das Parfüm zudem auf die Stellen auftragen, an denen ihr Puls fühlbar ist. Wichtig ist, dass man den Duft nicht verreibt, denn das zerstört den Geruch. Außerdem sollte man nie auf die Kleidung sprühen, denn dort können Flecken entstehen.