Ein behutsamer Kämpfer

Ist es sinnvoll, den Markt so mit Büchern zu überschwemmen? Es
seien nicht zu viele Bücher, es seien zu wenige Leser, so Vogel.
Denn es gebe erstaunlich viel gute Literatur. Fischer verlegt ein
wunderbares Programm mit Autoren wie Peter Stamm und Monika
Maron. Bei Hanser brillieren Thomas Glavinic und Roberto Bolaño,
der chilenische Autor, der vor sechs Jahren gestorben ist. Er ist sicher einer
der größten Autoren des Jahrhunderts. Außerdem erscheint bei Kiepenheuer
& Witsch ein großartiges Buch von David Foster-Wallis. Es gibt gute
Literatur, mehr als wir lesen können.
Vogel liest gern Samuel Becket und Ovid, der das Erzählen erfunden hat,
indem er das, was in der Welt passiert, in das verwandelt, was man erzählt
bekommen möchte. Seine „Metamorphosen“ sind unfassbar - ein Buch
voller Geschichten, das man unbedingt lesen muss.
Ein anderes Buch, das auch Vogel fasziniert, ist das „Chilenische Nachtstück“
von Roberto Bolaño. Darin geht es um jemanden, der nachts zu
Hause sitzt und über sein Leben nachdenkt, über Chile, Politik, Literatur
und Kunst. Ein schönes, ergreifendes, düsteres Buch. Aller paar Monate im
Jahr erlaubt Vogel sich einen Bolaño neben der Arbeit.
Vogels Verlagsprogramm ist themenunabhängig. Für ihn ist es kein literarisches
Kriterium, ob es Themen gibt oder nicht. Autoren ließen sich nichts
vorschreiben, auch nicht von Zeitstimmungen. Vogel sieht keinen Trend,
sondern einzelne Bücher, die ihn beeindrucken oder nicht beeindrucken.
In nächster Zeit wird es weg von der Spaßkultur und hin zur ernsthaften
Literatur gehen, vermutet er. So verlangten Bolaños Bücher Ruhe und
Konzentration. Das sei das, was die Leute wollen.
Neue Autoren hätten es leicht, wenn sie ein gutes Buch geschrieben haben,
sagt Vogel. Als neuer Autor würde man schnell entdeckt. Das Netz in den
deutschsprachigen Ländern sei, bei den Verlagen und Agenturen, die es
gibt, so eng geknüpft, dass kaum etwas hindurch falle. „Dafür gibt es zu
viele Leute, die sich dafür interessieren“, sagt er.
Um als Autor erfolgreich zu sein, müsse das Buch in sich stimmig sein und
nicht nebenbei. Der Leser merke, ob er es mit einem Autor zu tun hat, der
es ernst meint, und ob das Buch etwas mit ihm zu tun hat.
Erfolgreich seien in letzter Zeit Sarah Kuttner, Julia Franck und Daniel Kehlmann.
Sie hätten Großartiges geschrieben. „Die Leute haben zu lesen begonnen.
Das ist die einzige Voraussetzung, die ein Buch braucht“, meint Vogel.
Wenn es gut sei, würde es sich mitteilen. Diese Bücher hätten die Leute beim
Lesen überzeugt. Wenn man es gelesen und gemocht habe, empfehle man es
weiter. So entstünden Erfolge. Das sei der einfache, klare Weg, so wie man
es sich vorstelle, wie es auch wirklich immer noch sei, der Weg zum Erfolg:
Durch Mund-zu-Mund-Propaganda, beginnend beim Buchhandel, in den
Verlagen, bei den Lektoraten und damit, dass jemand das Buch in die Hand
nehme, sich dafür begeistere, versuche, seine Begeisterung mitzuteilen, es
einem Buchhändler gebe, der sich anstecken ließe und selber lese.
Wie viele Bücher dann verkauft werden, sei unterschiedlich. „Der
Schwarm“ von Schätzing habe sich drei Millionen Mal verkauft, Daniel
Kehlmann anderthalb Millionen mal, Julia Franck 900.000 Mal, und Sarah
Kuttner geht auf die 300.000 zu. Ein deutschsprachiger Erfolg fange mit
50.000 verkauften Büchern an.
Dabei habe die Finanzkrise keine großen Auswirkungen auf den Buchmarkt.
Die wirklich gut verkäuflichen Bücher und Literatur würden immer
nachgefragt. Aber die Reaktion auf Krisen komme im Buchhandel später
als woanders. Vogel setzt auf Gelassenheit und Behutsamkeit. „Man muss
kämpfen, aber wenn man kämpft, behutsam kämpfen. Das ist sicher gut
und ein besserer Weg“, ist seine Erfahrung.

Oliver Vogel, geboren 1966, wuchs in München
und Santiago de Chile auf. Studium der Germanistik, Philosophie und Anglistik
in Frankfurt. Von 1992 bis 1996 arbeitete er im Lektorat des Suhrkamp Verlages,
danach leitete er den Buchverlag im Verlag der Autoren. Seit 1999 ist er
Lektor bei S. Fischer und Fischer Taschenbuch, seit 2002 Programmleiter für
deutschsprachige Literatur und Klassiker. Mitherausgeber der Wolfgang Hilbig-
Werkausgabe und der Neuen Rundschau.

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