"Die Schnelligkeit schränkt das Leben ein."

Für Axel Wulke sind Oldtimer eine Leidenschaft. Mit ihnen verbindet er ein derart erholsames und in Vergessenheit geratenes Lebensgefühl, dass er es mit anderen teilen will. Für Ausflüge oder Kurzreisen stellt er in Dresden verschiedenste Modelle zur Verfügung, vom kleinen Käfer bis zum mächtigen Cadillac. Im Disy-Interview erzählte er uns, warum jeder Mensch diese Passion erfahren sollte und wie man seine Umgebung auf ganz neue Weise erleben kann.

 

Waren Oldtimer schon immer eine Leidenschaft von Ihnen?

Wulke: Ja, schon als Kind wollte ich immer eine Citroën DS haben. Das war ein Traum von mir. Ich habe damals oft die Fantomas-Filme mit Louis de Funès gesehen, der hat die gefahren. Mit dem Modell habe ich auch angefangen: 2004 habe ich die DS gekauft und drei Jahre lang restauriert. Als sie fertig war, wollte ich die Freude, die ich damit habe, teilen.

 

Was ist das Besondere am Oldtimerfahren?

Wulke: Es entschleunigt total. Autos werden heutzutage immer weiter optimiert und sind immer einfacher zu bedienen. Es muss immer schneller gehen, genau wie alles im Leben, von einem Termin zum anderen, viel Geschrei um nichts. Beim Oldtimer fahren geht es um das Feeling. Man ist mobil, aber auf eine ganz andere Weise. Die Umgebung wird ganz anders wahrgenommen, als wenn man dienstlich unterwegs ist und über die Straßen donnert. Die Schnelligkeit schränkt einen im Leben ein.

 

Wird man dann im Leben generell gelassener?

Wulke: Ja, die Erfahrung mache ich jedenfalls. Es bringt einen zurück auf den Boden der Tatsachen, man wird ruhiger, lockerer, geduldiger. Man bekommt die Augen geöffnet für Dinge, die in der ganzen Schnelligkeit eher außer Acht gelassen wurden, nimmt Details eher wahr.

 

Welche Strecke empfehlen Sie für eine Oldtimerfahrt in der Dresdner Umgebung?

Wulke: Ich fahre oft von Dresden nach Bautzen, das ist eine wunderschöne Ausflugsstrecke. Das sind zwar nur 50 Kilometer, aber auf denen kann man gut zwei, drei Stunden verbringen. Man muss eben nur die kleineren Landstraßen nehmen und sich umschauen. Aber eigentlich gilt das für ganz Deutschland. Man kann überall einfach spontan von der Hauptstraße abbiegen. Irgendwas gibt es immer zu entdecken. 

 

Welche Touren werden mit Ihren Oldtimern gemacht?

Wulke: Das ist unterschiedlich. Wir bieten eine Mietzeit von drei Stunden über ein Wochenende bis hin zu einer Woche an. Manche nutzen die Oldtimer für Hochzeitsfahren, andere fahren übers Wochenende an die Ostsee. Kinder schenken ihren Eltern oft Fahrten im Wartburg, weil diese früher so einen hatten. Selbst einen kleinen Ausflug in die umliegenden Regionen kann man zu einem Highlight machen.

 

Welche Oldtimer-Touren haben Sie selbst schon gemacht?

Wulke: Mit der Citroën DS waren wir in den Dolomiten unterwegs oder sind nach Sylt gefahren. Da haben wir uns allein für eine Fahrt drei Tage Zeit genommen. Die Fahrt an sich soll schon Erholung sein. So wird die An- und Abreise zum Bestandteil des Urlaubs. Die nächste Tour ist nach Västerås in Schweden geplant, dort ist im Juli das „Power Big Meet“, das weltgrößte Treffen amerikanischer Klassiker mit 20.000 Fahrzeugen.

 

Haben Sie ein Lieblingsstück in Ihrem Sortiment?

Wulke: Wenn ich mich entscheiden müsste, dann für den Rolls-Royce Silver Shadow, das ist mein kleiner Favorit. Der ist elegant und komfortabel, gut für längere Ausflüge oder einfach zum Cruisen. Der fährt auch mal schneller, ohne dass es klappert. Die Frage nach dem Lieblingsstück ist aber sehr schwer. Ich hänge an jedem einzelnen und hinter manchen steckt eine interessante Geschichte.

 

Hinter welchem zum Beispiel?

Wulke: Den Käfer habe ich bei eBay gekauft und wollte ihn eigentlich nur ein wenig aufpeppen. Schlussendlich ist eine Komplettrestauration daraus geworden, in die ich sehr viel Herzblut gesteckt habe.

 

Welches Auto ist das beste Modell für welchen Anlass?

Wulke: Gerade bei kleineren, nostalgischen Autos, wie Käfer, Ente oder Trabant, fragen mich die Leute immer, welches das beste ist. Der Trabbi ist der geräumigste, mit dem kann man auch zu viert in den Urlaub fahren. Die Ente ist purer Kult und vom Fahrgefühl am beeindruckendsten, aber da zieht es bei 80 km/h schon mal an den Türen. Der Käfer wiederum ist etwas schneller und sportlicher.

 

Welche Modelle besitzen Sie sonst noch?

Wulke: Insgesamt habe ich 18 Autos und drei Simson-Mopeds. Da ist zum Beispiel ein Mustang, der klassische American Dream, sportlich und dynamisch. Als Pendant dazu habe ich einen etwas komfortableren Buick. Der Cadillac DeVille ist ein riesiges Cabrio für sechs Personen, der Citroën ID19 ein optimales Auto für Reisen. 

 

Gibt es Modelle, die Sie sich noch gerne zulegen würden? 

Wulke: Nein, meine persönlichen Wünsche sind abgedeckt. Die Anzahl an Modellen kann ich natürlich immer erhöhen. Besonders amerikanische Modelle sind sehr gefragt, das Geschäft entwickelt sich gut. Aber ich bin kein Sammler. Ich mache die Oldtimer und das Lebensgefühl zugänglich für andere. Die Palette wird erweitert, wenn sich etwas ergibt