Das Wunder im Pullunder

Olaf Schubert scheint angekommen - angekommen bei uns. Der Weg dahin allerdings war lang, steinig, geröllig sowie bisweilen brackig - und doch hat er es geschafft, wie er dem Münchner Publikum im Circus-Krone-Bau bewiesen hat.

 

Auf komplizierte Anfänge als Fußpfleger folgten ein Intermezzo an der Filmhochschule und schwere Zeiten als Leichtmatrose; nach dem Abbruch seines Mathematikstudiums in Minsk begann Schubert eine Ausbildung an der Kunstakademie Worms, um sich dann aber endgültig für den Beruf des Facharbeiters für Meliorationstechnik zu entscheiden. Doch im letzten Moment sattelte er um: Er jobbte als Seifensieder, Kampftaucher, Chirurg und Drahtzieher, ehe er als Stahlkocher in Eisenhüttenstadt Kontakt zu einfachen Menschen fand, den er sich sehnlich wünschte. Sein Glück währte allerdings nur kurz: Nach Veröffentlichung seines ersten kritischen Gedichtbandes "Obst in Worms - wozu?" wurde er aus der Stadt gejagt. "Ich bleibe bei Euch!" - rief er trotzig, nachdem sich hinter ihm die Stadttore schlossen und er erkannte: "Gerade diejenigen, welche die helfende Hand ausschlagen, sind Mittelpunkt und Zielgruppe meiner schöpferischen Aktivitäten." Denn Schubert agiert nicht für eine elitäre Minderheit; seine Botschaften sind speziell für alle Menschen und um diese zu erreichen, muss er schnörkellos agieren. Zeit, seine wichtigen Gedanken schön zu verpacken oder gar fein zu dengeln, hat er nicht. Schubert tritt den Beweis an, dass er trotz seiner Poleposition im Tempodrom des pauschalen Protests auch zwei Stunden nach dem Startschuss eines Programms noch am Anfang steht. Denn er ist nicht nur der große Gedankengigant der Gegenwart, sondern auch die geistige Start- und Landebahn für die philosophischen Luftschiffe der Zukunft. Nach seinem Programm "Ich bin bei Euch!" folgte das neue Thema des Mahners und Erinnerers "Meine Kämpfe". Schubert: "Es heißt, man solle in seinem Leben drei Dinge tun: Ein Kind zeugen, einen Baum pflanzen und ein Haus bauen. Diese tradierten Maßgaben für ein sinnerfülltes Dasein können ab sofort als vollkommen nebensächlich erachtet werden." Wenn es irgendetwas gibt, was man im Leben auf gar keinen Fall versäumen sollte, dann ist es Olaf Schubert samt seinen beiden Freunden live erlebt zu haben! Denn Olaf Schubert, das leicht labil wirkende Gesamtkunstwerk aus dem Osten der Republik - wie immer man ihn nennen mag: das Wunder im Pullunder, den Weltverbesserer und Humorist - verkündet stolz: "Seht! Hier sind meine Kämpfe." Zurückhaltung ist Schuberts Sache nicht. Werte und Standpunkte sind ihm wichtig. Er forderte zum Beispiel als Änderung im Grundgesetz, dass der FC Bayern einfach immer zum Deutschen Meister ernannt werden solle. Dann hätten die Leute eine Konstante mehr im Leben. Sein Universum beherbergt einen Wust an Konzepten und Verbesserungsvorschlägen von ungeahnter Tragweite und horrende Mengen schubertuf scher Erkenntnis-Perlen, welche er mit messianischer Geste verkündet und selbstlos an Bedürftige verteilt. Doch der ewige Querschläger bleibt unbequem! Dort, wo andere Künstler Lösungen anbieten, bietet Schubert Stirn - einfach so! Aufgrund seines unglaublichen Erfolges hätte Schubert es eigentlich kaum noch nötig, physisch, also quasi mit eigenem Selbst, bei seinen Auftritten zugegen zu sein. Dass er seinem Publikum diese Ehre trotzdem erweist, macht ihn nicht nur sympathisch, sondern auch noch sehens- und hörenswerter. Wie kaum ein zweiter Künstler in Europa wird Olaf Schubert von seinem Publikum gebraucht. Und Schubert wäre nicht Olaf, wenn er diesem Verlangen nicht selbstlos Rechnung tragen würde. In Zeiten geistiger Versteppung, in welchen die Träume gekachelt, die Liebe aus Plastik, die Gefühle ja selbst das Fernsehen digital sind, ist Schubert als Retter in der Wüste gleich dreifach in der Pflicht: Er fungiert als Brunnen, Träger und Eimer. Er nimmt unsere Probleme ernst! Er reicht uns die Hand! Er ist einfach für uns da! Ein Olaf, der sich freiwillig nicht lange bitten lässt! Ein Prophet, der die Gefahr der Kälte erkannt hat - und das nicht nur in Puncto Gefühlsarmut, sondern auch kalte Butter ist einfach zu hart! Schubert singt und spricht auf der Bühne und manchmal ist zu befürchten, dass er auch tanzt. Schubert kennt keine Grenzen - er ist bei uns, bei Euch und bei allen Menschen. Und nicht nur bei denen; auch bei fast allen Haustieren, Grünpflanzen sowie Elchen - und das rund um die Uhr. Anders als all die grauen Eminenzen der Macht, die mit ihrem falschen Lachen nur im Fernsehen erscheinen und wieder verschwinden, kommt Olaf zu uns und sendet vor Ort. So stark, dass er in unseren Köpfen bleibt. So Schubert kann, bleibt er danach auch physisch (sodass jeder ein Stück Olaf mit nach Hause tragen kann) - man hört, er arbeite an Lösungen... Das überrascht dann doch! Und nun ist der neue Schubert da. Gott sei Dank in alter Form, denn er sagt wie immer: "So!" "SO" sind nicht nur Olaf Schuberts spiegelbildliche Initialen - vielmehr sprechen diese beiden Buchstaben für ihn selbst, denn wer "So!" sagt, hat Reserven. Dass Schubert diese Reserven überhaupt aktivieren muss, ist unwahrscheinlich, seine Akkus sind voll und selbst im gewöhnlichen Standby gibt er schon 150 Prozent Leistung. Seine Auftritte sind legendär und es gelingt ihm, die etwas mageren 65 Kilogramm schubertschen Lebendgewichts durch schiere Bühnenpräsenz wie eine Tonne wirken zu lassen. Man weiß es: Olaf ist untergewichtig, aber überbegabt.

 

Vita

· geboren am 7.11.1967

· schon als Kind Beschäftigung mit Musik, Menschen und Malerei

· arbeitete als Fußpfleger, Kameramann und Essenträger

· studierte Architektur und Musik in Berlin und Minsk

· begann im Frühherbst 1989 die Wende in der DDR einzuleiten

  (gemeinsam mit anderen Bürgerrechtlern)

· 1992 erstes Zusammentreffen mit Jochen M. Barkas beim Bäcker

· 1993 Bekanntschaft mit Herrn Stephan, seitdem Schlagzeuger der

  Gruppe Dekadance

· seit Ende 1994 Liedermacherkonzerte vorwiegend im Osten Deutschlands

  (Ostdeutschland) gemeinsam mit Jochen M. Barkas (Gitarre) und

  Herrn Stephan (Bass)

· Seit 2001 regelmäßige TV- Auftritte z.B. im Quatsch Comedy Club auf Pro7;

  TV Total /Pro7

· heute-show ZDF, Neues aus der Anstalt ZDF, Satiregipfel ARD u.v.m.

· 2009 Aufzeichnung des Live-Programms „Ich bin bei Euch“ für RTL

· 2010 „Olaf TV - Von Schubert zu Mensch“ Staffel 1 für 3sat & ZDFkultur

· 2011 „Olaf TV - Von Schubert zu Mensch“ Staffel 2 für 3sat & ZDFkultur

· 2011 Aufzeichnung des Live-Programms „Meine Kämpfe“ für RTL

· 2012 „Olaf TV - Von Schubert zu Mensch“ Staffel 3 für 3sat & ZDFkultur

· Heute: neues Programm „So!“

 

Auszeichnungen

· 2001 Cabinet Kabarett Preis für das Programm „Echte Menschen“

· 2003 „Hölzerner Besen“ Stuttgart

· 2003 Nominierung für den RTL Comedy Cup

· 2004 Preisträger „Salzburger Stier“

· 2004 Preisträger St. Ingberter Pfanne

· 2005 Preisträger Thüringer Kleinkunstpreis „Meininger Georg“

· 2005 Preisträger Tegtmeiers Erben

· 2006 Preisträger Berlinpreis Kleinkunstfestival Die Wühlmäuse

· 2007 RTL Deutscher Comedy Preis „Bester Newcomer 2008“

· 2010 Deutscher Kleinkunstpreis

· 2009/2010/2011/2012 Deutscher Comedypreis und Dt. Fernsehpreis

  als festes Ensemblemitglied in der „heute-show“/ZDF

 

CDs

· 1995 CD „Hier bin ich“

· 1997 CD „Gefühl gewinnt“

· 1998 CD „Ich bereue nichts“

· 2000 CD „Bestandsaufnahme“

· 2001 CD „Echte Menschen“