Falklands, Südgeorgien und Antarktis

Fotos: Sandra Petrowitz

Wer etwas für Abenteuer und Natur pur übrig hat, den packt das Fernweh, sobald von der Antarktis und den subantarktischen Inseln die Rede ist. Und Pinguin-Fans bekommen ohnehin leuchtende Augen, wenn sie an die wilden, ursprünglichen und traumhaft schönen Regionen am anderen Ende der Welt denken.

Naturparadiese am Ende der Welt

Von Ushuaia auf Feuerland, dem Ausgangspunkt der meisten Expeditionskreuzfahrten in die Antarktis und zu den subantarktischen Inseln, sind es mehr als 400 Seemeilen - gut 700 Kilometer - bis zu den Falklands. Während der Überfahrt haben wir Zeit, uns an das sachte Schaukeln der "Plancius" zu gewöhnen. Wo wir in den kommenden knapp drei Wochen anlanden wollen, gibt es keine Häfen oder Stege. Robuste Schlauchboote, Zodiacs genannt, werden uns an Land und wieder zurück zum Schiff bringen.

Die "Plancius", einst als Forschungsschiff in Diensten der Königlich Niederländischen Marine, ist für den Einsatz in den Polarregionen mit einem verstärkten Rumpf ausgestattet und bietet gut 100 Gästen Platz; die Unterbringung ist komfortabel, verzichtet aber auf überflüssigen Luxus - im Mittelpunkt der Reise steht das Naturerlebnis. Entsprechend finden sich die meisten Gäste schnell auf den Außendecks oder in der Panorama-Lounge ein. Die Sonne scheint, die Gischt zerplatzt in weißen Kämmen, und die dem Schiff folgenden Albatrosse und Sturmvögel wiegen sich im Wind.

Die Falklandinseln sind ein herrlich abgelegenes Fleckchen Erde mitten im Südatlantik. Unser erstes Ziel ist Carcass Island, und als wir mit den Schlauchbooten anlanden, ist das Empfangskomitee schon da: Magellanpinguine erwarten uns am Strand - die erste Pinguinart von insgesamt sieben, die wir auf dieser Reise zu sehen hoffen. Wir spazieren im schönsten Sonnenschein über die Insel. Angesichts weißer Strände und türkisblauen Wassers wähnen wir uns eher in tropischen Breiten als im Südatlantik.

Die zweite Landung führt auf die Insel Saunders. Auch hier leben - wie auf Carcass - nur die Insel-Eigentümer, und ab und an kommen vogelund naturverrückte Menschen zu Besuch. Es gibt Pinguinkolonien, Albatrosse und Scharben, Möwen und Falklandkarakaras, eine Raubvogelart. Die Felsenpinguine, die wir auf Carcass ebenfalls antreffen, sind Kletterkünstler. Sie nisten hoch oben über dem Strand und teilen sich ihre Kolonie mit Schwarzbrauen-Albatrossen und Kormoranen. Anders als diese können sie aber nicht fliegen, sondern müssen tagein, tagaus den mühsamen Fußweg nehmen - felsauf und felsab. Wir tun es ihnen nach und steigen hinauf zur Kolonie. Von hier hat man einen wunderbaren Blick. Wir sitzen ganz ruhig neben den Vögeln, schauen hinaus aufs Meer, beobachten die Tiere bei ihrer Rückkehr nach Hause und genießen jede Sekunde, die wir hier sein dürfen.

Nach einem Ausflug in die Hauptstadt Stanley (2.000 Einwohner, sehr britisch, sehr gelassen) machen wir uns auf den Weg nach Südgeorgien. Es sind fast 800 Seemeilen, gut 1.400 Kilometer, bis nach Grytviken. Die zweitägige Überfahrt nutzen wir, um uns bei Vorträgen an Bord auf das einzustimmen, was uns auf Südgeorgien erwartet: paradiesisches Tierleben, wilde Landschaften, möglicherweise etwas ruppige Bedingungen, aber in jedem Fall eine einzigartige Nähe zur Natur. Außerdem muss jeder Südgeorgien-Besucher seine Bekleidung gründlich reinigen, um keine fremden Arten einzuschleppen. Und so sitzen wir mit dem Staubsauger da und säubern Jacken und Hosen, Handschuhe und Mützen, saugen Klettverschlüsse ab und krempeln Taschen nach außen, reinigen Fotorucksäcke und Kamerataschen.

Die Spannung steigt, und die Stimmung an Bord wird noch besser, als die ersten hochhausgroßen Eisberge vorbeigeschwommen kommen. Später erhaschen wir die ersten Blicke auf die wilde Insel, deren felsige Gipfel über Gletschern aufragen. Und dann gehen wir an Land - und finden uns mitten zwischen Königspinguinen, Pelzrobben und See-Elefanten wieder.

Südgeorgien, ein britisches Überseegebiet, diente seit dem 18. Jahrhundert vor allem Walfängern und Robbenjägern als Stützpunkt im Südatlantik. Die rücksichtslose Ausbeutung der Bestände hatte katastrophale Auswirkungen auf die Populationen. Vor dem Hintergrund dieser Geschichte erstaunt die Furchtlosigkeit der Tiere auf Südgeorgien daher umso mehr. Man fühlt sich als Mensch hier nicht als Bedrohung, und die Tiere kommen aus Neugier häufig ganz nah heran. Sie wissen ja nichts von den fünf Metern Abstand, dieser menschgemachten und für Menschen gedachten Regel, die nicht gilt, wenn Tiere von sich aus diesen Abstand unterschreiten...

Südgeorgiens Superstars sind die Königspinguine. Sie leben in Kolonien von mehreren zehntausend Tieren zusammen und sind gerade in der Mauser. Die adulten Tiere wechseln das Gefieder, und bei den Jungtieren wird aus dem bräunlichen Daunenflaum - mit dem sie nicht schwimmen und selbst Futter erjagen können, sondern darauf angewiesen sind, dass die Eltern sie füttern - das erste Federkleid. Dann geht es nach Grytviken. Der einzige Ort auf Südgeorgien ist heute ein Freilichtmuseum. Die Tranöfen und Maschinen aus der Walfangzeit stehen noch, und zwischen den Ruinen wandern Königspinguine herum, räkeln sich See-Elefanten und Pelzrobben. Es ist ein ganz eigenartiges Miteinander von Vergangenheit und Gegenwart. In Grytviken liegt auch der legendäre Polarforscher Ernest Shackleton begraben, der 1916 mit fünf Männern seiner "Endurance"-Expedition von Elephant Island bis nach Südgeorgien segelte, um Hilfe zu holen - 800 Seemeilen in einem offenen, 7,50 Meter langen Boot. Bis heute gilt diese Fahrt als seemännische Meisterleistung.

Die Rettungsaktion war nötig geworden, nachdem die "Endurance" vom Eis des Weddellmeeres zerdrückt worden war. Die Besatzung hatte zunächst auf dem Eis campiert und sich anschließend in drei kleinen Booten nach Elephant Island retten können. Diese Insel ist unser nächstes Ziel. Auf dem Weg dorthin bekommen wir unseren Sturm, der - so sagt man - zu jeder Reise in die Antarktis gehört. Schließlich wird die See wieder ruhiger, und der Wind lässt nach. Raus an Deck! Ein so farbenprächtiger wie friedlicher Sonnenuntergang belohnt uns, und am nächsten Morgen erwachen wir bei traumhaften Bedingungen: wenig Wind, kaum Dünung - das ist sehr selten.

Wir machen uns in den Zodiacs auf den Weg. Unser Ziel ist Point Wild, jenes winzige Fleckchen Ufer, an dem die Mitglieder der Shackleton-Expedition monatelang ausharrten. Weil der Platz nur für wenige Menschen auf einmal ausreicht, nehmen alle anderen erst einmal die Eisberge in der Nähe in Augenschein. Am Nachmittag ist sogar eine zweite Landung auf Elephant Island möglich. Wir begeistern uns vor allem für die Eselspinguin-Küken, die sich am Strand herumtreiben und darauf warten, dass die Eltern mit dem Futter zurückkommen. Sobald sich ein Elterntier zeigt, geht die wilde Hatz los: Papa oder Mama vorneweg, die Küken hinterher. Um die Eltern dazu zu bringen, die heruntergeschlungene Nahrung wieder auszuwürgen, pickt das Kleine mit seinem Schnabel immer wieder an den Schnabel des Elterntiers. Irgendwann öffnet sich dann der Schlund, und das Krillpaket wandert vom großen Schnabel in den kleinen.

Unser nächstes Ziel war eigentlich der Antarctic Sound, aber es stellt sich heraus, dass diese Wasserstraße im Norden der Antarktischen Halbinsel komplett von Eis blockiert ist. Deshalb finden wir uns am anderen Morgen in der Bransfield Strait zwischen den Südshetlands und der Halbinsel wieder. Es ist windstill und sonnig; auf den Eisschollen liegen Seeleoparden, auf kleinen Eisbergen balancieren Adeliepinguine, und zwischendrin stoßen wir auf schlafende Buckelwale - ein Tag im Paradies.

Am Nachmittag nehmen wir Kurs auf Deception Island, die Caldera eines Vulkans, die sich mit Wasser gefüllt hat. In den Krater kann man mit dem Schiff hineinfahren, und nach dem Abendessen landen wir an. Die ganz Mutigen nehmen hier ein Bad im eisigen Meer - der "Polarplansch" kostet Überwindung, aber der Spaß ist umso größer. Irgendwann bricht der letzte Tag des Aufenthalts in der Antarktis an. Noch vor dem Frühstück besuchen wir Mikkelsen Harbor, eine Bucht auf Trinity Island. Auf den schneefreien Fleckchen brüten Eselspinguine vor einer spektakulären Gletscherkulisse, in der es hin und wieder rumpelt, wenn sich das Eis im Gletscherinneren zurechtschiebt. Dank des frühen Starts können wir noch eine Schlauchbootfahrt zwischen den Eisbergen von Cierva Cove unternehmen und zur argentinischen Forschungsstation Primavera fahren. Aber dann ist es mit einem Schlag vorbei, unser antarktisches Abenteuer: Der Bug der "Plancius" zeigt nach Norden, und wir machen uns auf den Weg durch die Drake- Passage zurück nach Ushuaia.

In knapp drei Wochen sind an Bord viele Freundschaften entstanden. Wir haben einzigartige Momente geteilt und magische Augenblicke erlebt. Wir haben jede Minute dieser ganz besonderen Reise genossen, ob in Sonnenschein, Graupel oder Wind, und wir kehren ein kleines bisschen verändert heim - voller Begeisterung für die Natur an diesem wunderschönen Ende der Welt. Und am letzten Abend, ehe wir in Ushuaia ankommen, schenkt uns der Beagle-Kanal noch ein wahres Farbfeuerwerk zum Sonnenuntergang.

Falklands, Sürdgeorgien, Antarktis

Die subantarktischen Inseln wie Südgeorgien und die Antarktische Halbinsel lassen sich am besten im Rahmen einer Expeditionskreuzfahrt erkunden. Für die Antarktische Halbinsel allein sollte man mindestens zehn Tage einplanen; die beschriebene Tour mit der "Plancius" zu allen drei Destinationen umfasst insgesamt 19 Tage. Der Dresdner Reiseveranstalter DIAMIR Erlebnisreisen hat sie im Januar/Februar 2015 erneut als Fotoreise im Programm. Wunderland aus Eis und Schnee: Auf Expeditionskreuzfahrt in der Antarktis Hier haben Pelzrobben das Sagen: Anlandung in Grytviken auf Südgeorgien

Die Journalistin Sandra Petrowitz leitet Fotoreisen und Workshops und arbeitet als Guide auf Expeditionskreuzfahrtschiffen in der Arktis und der Antarktis (F.r.). Südgeorgische Impressionen: Königspinguine, wohin das Auge blickt (F.u.).