Möbel mit Stil

Was ist echt, was nicht und was gehört in welche Epoche? Diese Fragen können oft nur Experten beantworten. Antonia Schwarzmeier von Raumausstattung Schwarzmeier e.K. verrät, voran man die richtigen Epochen erkennt. Lesen Sie mal, dann kennen Sie sich besser aus. 

 

Barock 1600 - 1740

Eine Epoche geprägt von verschwenderischen Genüssen sowie einem Sonnenkönig, der die Mode und Bauwerke mit Ganz und Gloria prägte. Klassische Schönheit und Pracht, ausladende Verzierungen und Prunk fanden sich auch in den Möbeln dieser Zeit wieder. Poliertes Holz sorgte dabei für Lichtspiele. Schildpatt sowie Elfenbein wurden verarbeitet. Halbedelsteine und glänzendes Metall sollten die Blicke auf sich ziehen. Gewellte Silhouetten wurden durch Sockel, Gesimse und Giebel untermalt und waren typische Merkmale der barocken Zeiten. Aussehen stand vor dem eigentlichen Nutzen der Möbel.

 

Antonia Schwarzmeier erklärt: „Im Barock sind verschiedene Ornamente sowie florale und verspielte Muster zu finden. Dabei kamen viele verschiedene Blütenmotive, Ranken, runde Formen, helle Farben und ausgewählte Materialen zum Einsatz. Diese Stilmöbel sind heutzutage sehr selten und leider meist nur in Museen zu finden. Aber einmal hatten wir Glück und haben zwei Sessel aus der Barock Zeit bekommen. Da schlägt das Herz natürlich auch höher.“

 

Rokoko 1740 - 1780

Rokoko - eine Stilrichtung der europäischen Kunst. Der Name stammt von dem französischen Wort „Rocaille“. Ausgehend von Frankreich breitete sich die Stilrichtung im 18. Jahrhundert bald in ganz Europa aus. Möbel wurden noch feiner und verspielter als in der Barock-Zeit. Teilweise wurden Symetrien aufgehoben und Räume wurden in kostbare Seidentapeten oder in Damast gekleidet. Der Rokoko wird auch die Glanzepoche der Möbelkunst genannt. Dabei wurden sich die Möbel der Adligen und die der Bürgerlichen in Verkleidung und Stil immer ähnlicher. Unterschiede bestanden meist nur noch in Vergoldungen, kostbaren Einlegearbeiten oder Intarsien und in der Qualität der Stoffe.

 

Antonia Schwarzmeier: „Beim Rokoko wurde es noch einen Tick verspielter als im Barock. Florale Muster wurden noch aufwendiger als zuvor, Ornamente detaillierter, Silhouetten gewundener und der Materialverbrauch ging noch verschwenderischer vonstatten.“

 

Klassizismus 1780 - 1840

War in den vorherigen Epochen noch alles prunkvoll, reich verziert und dekoriert, besonnte man sich nun zu den klaren, geradlinigen Formen zurück. Dabei nahm man sich antike Bauten, insbesondere griechische, als Vorbild. Ebenso war es die Zeit des Biedermeier-Stils. Die Möbel sind funktionell und nicht mehr in erster Linie zu repräsentativen Zwecken gedacht. Vorrangig herrschen klare Formen, wenige oder schlichte Zierelemente welche nur dazu da sind die Schönheit des Materials zu Geltung zu bringen. Vor allen sollten die Möbel praktisch und harmonisch in ihren Proportionen sein. Dabei wurden helle Holzarten wie Birke, Kirsche, Birne, Nussbaum, Pappel und Eibe verarbeitet. Intarsien setzte man nur selten und wenn überhaupt, nur sehr sparsam ein. Es dominierte die glatte, polierte Oberfläche und deren jeweilige Maserung.

 

Antonia Schwarzmeier: „Aus der Biedermeier Epoche findet man heutzutage die meisten Möbel. Das hängt damit zusammen das vorher royale Epochen waren und die Möbel so aufwendig und teuer, dass der Bürgerliche sich diese nicht leisten konnte. Erst ab Beginn des 19 Jahrhunderts wurde es überhaupt möglich durch Manufakturen und den ersten Anfängen der Industrialisierung das Möbel der großen Masse zugänglich wurden.“

 

Historismus 1840 - 1900

Mit der Industriellen Revolution veränderte sich auch die Gestaltung der Möbel. Auf ihnen prangten nun Medusenköpfe und Akanthusblätter. Bei der Herstellung kamen Hobel, Furnierschneider, Maschinen zum Drechseln und Kreissägen zum Einsatz die den Händlern massentaugliche Preisen ermöglichten.

 

Möbel Ende des 19. Jahrhunderts sind aus der Zeit des Historismus oder auch Neo Barocks. Dabei wurde viele Stilelemente des Barock mit denen der Neuzeit vermischt. Um festzustellen ob das Stilmöbel aus dem Barock oder dem Neo-Barock stammt, sollte man die Holzverarbeitung etwas genauer unter die Lupe nehmen. So wurde im Barock noch mit der Hand verarbeitet, da es noch keine geeigneten Werkzeuge oder Maschinen gab. Bei Stilmöbeln des Neo Barock hingegen kann der geübte Profi erkennen ob eine Bandsäge zum Einsatz kam oder nicht. Doch oft ist es selbst für einen Restaurator schwierig Stilmöbel des Barock und Neo Barock voneinander zu unterscheiden.

 

Antonia Schwarzmeier: „Dafür braucht es wirklich ein sehr geschultes Auge. Doch meist können gefundene Stilmöbel dem Historismus zugeordnet werden.“