Moderne Schlossherren Teil 1

Mutig, stilvoll und dynamisch: Inhaber Helmut Herrndorff

Heute: Helmut Herrndorff (47) und sein Carolaschlösschen

Es hat schon nach wie vor einen Hauch von Romantik und Stil, auf einem Schloss zu wohnen oder zu arbeiten.

Trotzdem haben es die Schlossherren von heute nicht leicht. Denkmalschutz, Fördergelder, Unterhalt, Sanierungen – die Herrschaften müssen kämp-fen. Disy stellt die interessantesten Schlossherren von heute vor und beschreibt ihr Leben zwischen Luxus und Überlebenskampf.

Wussten Sie, dass das Carolaschlösschen im Großen Garten bis vor Kurzem tatsächlich von seinem Herren bewohnt war? Helmut Herrndorff heißt nicht nur wie ein Schlossherr, er ist ein Schlossherr. Er übernahm das verfallene Gebäude im Erbbaurecht für 66 Jahre. Doch bevor er mit seiner Partnerin einziehen konnte, musste er es 1998 und ‘99 unter Aufbietung all seines Mutes, seines Durchhaltevermögens und mit organisatorischem Geschick sanieren.

„Im Nachhinein war das natürlich ein Risiko, aber ich war immer von der Sache überzeugt“, erinnert sich Helmut Herrendorff heute. Auch wenn sich schnell herausstellte, dass ein Komplettabbruch nötig war. Tief beeindruckt zeigt er heute die alten Fotos. „Hier wo die Leute sitzen, war damals diese Grube und dort war gar nichts“, beschreibt er mit ausladenden Armbewegungen. Zwischenzeitlich musste er sich damals wirklich mit Galgenhumor retten. „Ich bin vom Grunde her ein optimistischer Mensch“, meint der Kaufmann aus Bremen. Insgesamt steckte er 2,4 Millionen Euro in den Um- und Ausbau, ließ 2004 die obere Etage aufstocken und hat auch jetzt schon wieder neue Pläne. „Die Terrasse soll vergrößert werden“, verrät er. „Eine Herausforderung für die Statiker.“ Das Carolaschlösschen ist schon vor einigen Jahren als Einzeldenkmal aus dem Denkmalschutz herausgefallen. Aber da dem Land Sachsen der Große Garten gehört, muss alles als Flächendenkmal ein Gesamtbild bleiben. „Zum Glück sprechen wir mit dem Denkmalschutz dieselbe Sprache“, so Herrendorff über Genehmigungen und Anträge. Allerdings hat er auch nie einen Cent Zuschuss bekommen oder in Anspruch nehmen wollen. „Alles selbst bezahlt“, berichtet er stolz, und das zu Recht.

Immerhin verdanken es die Dresdner und Gäste seinem Mut und Risiko, dass das Carolaschlösschen so stilvoll neu entstanden ist. Die private Nutzung zum Wohnen für die ersten sieben Jahre war nur eine Nebensache zum eigentlichen Geschäftsbetrieb. Schließlich hat Herrndorff das Carolaschlößchen entsprechend seiner Bestimmung als Café und Restaurant verpachtet. Seit einem Jahr regiert hier Geschäftsführer Moyd Karrum. Der 47-jährige Herrndorff und seine Frau sind ausgezogen, weil sie Eltern geworden sind. „Mit dem Kleinen brauchten wir mehr Platz und die Wohnung gleich hinter dem Cáfe ist nicht gerade das idyllischste Zuhause für eine Familie.“ Selbst der Große Garten sei nicht so romantisch zum Leben, wie es bei einem ruhigen Spaziergang anmuten lässt. „Kaum waren die letzten Gäste gegangen, fuhren schon die Müllwagen durch und die Parkeisenbahn mit ihren Durchsagen kann auf Dauer ein extrem nerviger Wecker sein“, lacht der Schlossherr, der es ja immer noch ist, obwohl er nicht mehr da wohnt. Ein moderner Schlossherr mit Sinn für die Gemeinschaft, Liebe zur Familie und mutigen weiteren Plänen. Gute neue Zeit.

AnFlie

Fotos:Carolaschlösschen, Anke Mittelhäuser

Die GESCHICHTE des Carolaschlösschens Im Jahre 1873 übernahm der erst 22-jährige Friedrich Bouché das Amt eines Direktors des Großen Gartens. Er war fast 50 Jahre zum Wohle der Anlage tätig. 1875 erwarb Bouché die Strehlener Felder und bezog diese in die weitere Gestaltung des Großen Gartens ein. Im Winter 1881/82 wurde eine ehemalige Kiesgrube, die sich auf diesem Areal befand, zu einem See ungestaltet. Dieser See wurde zu Ehren der Königin Carola „Carolasee“ genannt. Im Jahr 1886 erfolgte eine Vergrößerung des Sees in Richtung Querallee. Dabei entstand eine Halbinsel, auf der bis 1895 die kleine Schankwirtschaft „Krähenhütte“ stand. Nach dem Abriss wurde sie im gleichen Jahr durch ein großes Gasthaus mit Gartenwirtschaft ersetzt. Es erhielt den klangvollen Namen „Carolaschlösschen“ und wurde im Neorenaissance- Stil erbaut.

Im Zuge der letzten Luftangriffe 1945 auf Dresden wurde neben vielen Kulturgütern auch das „Carolaschlösschen“ vollständig zerstört. Nach vollständiger Sanierung öffnete das Carolaschlösschen 1999 im neuen Glanz seine Pforten in dem Bewusstsein, dass Tradition und Gastlichkeit in diesem Grand Café ein neues Zuhause finden. In den Wintermonaten 2003/2004 hatte im Rahmen der zweiten Baustufe das neue Restaurant „Galerie“ im ersten Obergeschoss eröffnet. Dort werden Sie mit mediterranen Köstlichkeiten verwöhnt.