Melitta Benz (1873-1950)

Eine wahre Kaffeesächsin aus Dresden 

Unpraktische Metall- oder Keramikfilter konnten dem Kaffeegenießer Anfang des 20. Jahrhunderts den Spaß am Koffeingetränk schon verderben. Melitta Bentz, eine einfache Dresdnerin, erfand deshalb den Kaffeefilter aus Papier und gründete damit ein mittlerweile weltweit tätiges Unternehmen. 

Für die meisten ist es das tägliche Ritual, um in den Morgen zu starten und munter zu werden – einen Kaffee machen. Ist ihnen  bewusst, dass sie dabei höchstwahrscheinlich ursächsische Technologie benutzen? Vor beinahe 100 Jahren erfand die Dresdnerin Melitta Bentz den ersten Kaffeefilter. Sie war es leid, ihr aufmunterndes Getränk immer mit dem unschönen Satz in der Tasse trinken zu müssen. Sie nahm einen kleinen Messingtopf und schlug viele kleine Löcher mit einem Hammer und einem Nagel hinein, borgte sich ein Löschblatt von ihrem ältesten Sohn und ließ das heiße Wasser erstmalig durch einen Kaffeefilter rinnen. Diese Idee wurde natürlich mit Begeisterung von ihren Freunden aufgenommen. Sie und ihr Mann Hugo verbesserten den Filtereinsatz und das Papier und schon wenige Monate später wurde aus der Mutter und Hausfrau Melitta Bentz die Firmenbesitzerin, deren Name jedem Kaffeetrinker ein Begriff ist. Im Patentamt zu Berlin wurde ihre Erfindung vermerkt als: „Kaffeefilter mit auf der Unterseite gewölbtem und mit Vertiefung versehenem Boden sowie mit schräg gerichteten Durchflusslöchern und dazugehörigem Filtrierpapier“.

Und am 15. Dezember 1908 wurde die am 31. Januar 1873 geborene Dresdnerin ganz offiziell zur Unternehmerin. Als Firmensitz musste zuerst die eigne kleine Wohnung in der Marschallstraße 31 herhalten. Als Startkapital standen der Familie Bentz dabei „stattliche“ 73 Reichspfennige zur Verfügung. Doch die Filtereinsätze und Papiereinlagen erfreuten sich alsbald großer Beliebtheit. Nicht nur Ehemann Hugo gab seine Stellung in einem Kaufhaus auf, auch die Söhne Horst und Willi unterstützten neben der Schule den mütterlichen Betrieb nach ganzen Kräften. 1910 verliehen der sächsische Gastwirteverein und das Kuratorium der internationalen Hygieneausstellung dem „Melitta“-Filtrierapparat goldene und silberne Medaillen. 1915 zog die Firma in die Dresdner Wilder-Mann-Straße 15 um, wo den inzwischen 15 Mitarbeitern bereits 200 Quadratmeter Produktionsfläche zur Verfügung standen. 1920 wechselte das Unternehmen in die Wilder-Mann-Straße 11-13, wo man auf 800 Quadratmeter Fläche produzierte, die bald aber nicht mehr ausreichten. 1924 errichtete man einen Anbau. 1925 bekamen die Filtertütenpackungen die heute noch bewährte rot-grüne Beschriftung, um sie als Marke zu schützen. Zu dieser Zeit hatte Melitta bereits 100000 Kaffeefilter hergestellt. Die Produktion erhöhte sich zusehends, irgendwann reichten die Kapazitäten nicht mehr aus. Da sich in Dresden zu dieser Zeit keine geeigneten Flächen finden ließen, zog das Unternehmen Melitta 1929 nach Minden in Westfalen um. Trotz der Weltkriege und wirtschaftlicher Hindernisse konnte die Firma Melitta ihren Standort ausbauen und beschäftigt heute mehrere tausend Mitarbeiter. Die Gründerin Melitta Bentz starb 1950 im Alter von 77 Jahren in Holzhausen (Niedersachsen). Das mittlerweile weltweit agierende Unternehmen wird von den Enkeln Jörg, Stefan und Thomas weitergeführt.  

(Autor: Norbert Scholz, Disy Winter 2005)