Als die Golfbälle das Fliegen lernten

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Runde Golf? Als Sie das erste Mal voller Ehrfurcht auf dem perfekten Rasen standen, ins weite Grün schauten und wussten: ich komme wieder? Ich kann mich noch genau an meinen ersten Schnupperkurs erinnern. Er hat mir gezeigt, dass der Golfsport besser als sein Ruf ist! 

 

Von Maximilian Walter

 

Es ist für mich das erste Mal Golf. Klar, Minigolf hat bestimmt jeder schon ein- mal gespielt. Doch schon wenn man sich die Dimension einer echten Golfanlage anschaut, stellt man fest, dass die Minivariante nur wenig mit dem richtigen Sport zu tun hat. 

 

Am Clubhaus werde ich von Golflehrer Clemens Daberer begrüßt. Zu meiner Überraschung ist er wesentlich jünger als ich es bei einem Golflehrer erwartet habe. Er ist sich des Nachwuchs- problems im Golfsport durchaus bewusst. „Ich habe relativ spät mit dem Golfsport angefangen. Dann aber wollte ich nichts anderes mehr machen“, erzählt er. 

 

Wir machen uns auf den Weg zum Golfplatz. Eine richtige Runde, also 18 Löcher, werden wir heute nicht spielen. „Dazu braucht man eine Platzreife. Die bekommt man nach einem fünftä- tigem Kurs mit anschließender Prüfung. Diese beinhaltet zum einen das Spiel auf dem Rasen aber auch Theorie“, erklärt mir Daberer. Heute gibt es nur eine kurze Einführung, halt einen Schnupperkurs für totale Beginner. Diese werden unter Golfen übrigens Rabbits genannt, also Hasen. Zuerst werden wir mit den verschieden Schlägern bekannt gemacht. Welcher kommt in welcher Situation zum Einsatz? Welcher Schläger hat welche Wirkung auf den Ball? Dann geht es endlich auf den Rasen. Umso kürzer dieser gemäht ist, umso näher sind wir am Loch. Der Rasen geht von Rough (sehr langer Rasen), Semi Rough, Fairway, Vorgrün bis zum Grün (wird täglich gemäht und ist entsprechend kurz). Außerdem gibt es verschiedene Hindernisse. Die Bunker sind mit Sand gefüllt. „In den Anfängen des Golfsports lagen diese Stellen windgeschützt. Deswegen machten es sich Schafe und Ziegen gemütlich. So lange, bis der Boden sandig wurde. Die Briten fanden das wohl super und legten die Bunker später selber an“, erzählt Daberer. Außerdem gibt es noch Wasserlöcher, in denen wohl die meisten Golfbälle verschwinden. „Die ersten zehn Jahre verschlingt der Golfplatz die Bälle, danach gibt er sie zurück“, sagt Daberer. 

 

Anschließend beginnen wir endlich selbst mit dem Spielen. Zuerst steht das Putten an. Es ist der letzte Schlag beim Golf. Mit ihm wird der Ball ins Ziel gebracht. „Putten ist der wichtigste Schlag. Das Ab- schlagen macht Spaß, aber das Putten bringt den Erfolg“, so Daberer weiter. Schon der richtige Griff des Schlägers stellt sich als kleine Herausforderung dar. Dazu kommt noch die richtige Haltung des Körpers. Beim Putten kommt die Bewegung nur aus den Schultern. Der Po wird herausgestreckt, die Knie sind leicht gebeugt. Wir putten ein paar Bälle auf dem Grün und ich stelle schnell fest, dass es gar nicht so einfach ist, einen Ball aus nur zwei Metern ins Loch zu putten. „Das ist ganz normal. Selbst ein Tiger Woods hat auf diese Entfernung nur noch eine Quote von 50 Prozent“, beruhigt mich mein Golflehrer. Na dann. Nach dieser kleinen Übung geht es an die weiten Schläge. Wir g hen auf die Drivingrange. Auch hier gibt es eine kurze Einführung in die richtige Technik. Diese, so stelle ich schnell fest, ist beim Golfen wichtiger und komplizierter als ich dachte. „Von der Koordination her ist nur Stabhochsprung komplizierter als Golf“, erzählt Daberer. Die Ausholbewegung beansprucht fast den gesamten Körper. 260 Muskel kommen zum Einsatz. Wir üben mit einem 7er Eisen. Für Anfänger stelle dieses den perfekten Kompromiss dar. Die ersten Versuche misslingen noch recht dürftig. Entweder schlage ich am Ball vorbei oder der treffe ihn nicht richtig. Dann fliegt er gar nicht oder nicht besonders weit. Doch nach gut 20 Schwüngen habe ich den Dreh halbwegs raus. Ich haue die Bälle knapp über 50 Meter und bin darauf richtig stolz. Bis sich mein Golflehrer wieder hinstellt, ausholt und den Ball auf über 70 Meter schlägt. Doch zum Glück kommt es beim Golf nicht nur auf die Reichweite an. 

 

Die eineinhalb Stunden vergehen jedenfalls wie im Flug. Ich verstehe jetzt, wieso es dieser Sport so schwer hat, Nachwuchs zu finden. Gleichzeitig kann ich aber auch die hohe Beliebtheit derer verstehen, die ihn schon seit Jahren betreiben. Denn beim Golf kann man wunderbar abschalten. Es gibt nur noch die Natur um dich herum, den Schläger in der Hand, die weiße Kugel auf dem Rasen und das Loch. Das macht ihn zu einem nahezu perfekten Ausgleich zum Berufsalltag und ich freue mich jetzt schon, auf meine nächste Runde. Zumindest bis zum nächsten Morgen. Der Muskelkater in meiner Schulter spricht eine klare Sprache: Golf ist eben doch Sport. 

Golfclub Herzogswalde

Nur 15 Kilometer westlich von Dresden gelegen findet sich die Golfclubanlage Herzogswalde. Seit 2012 betreibt sie Marcus Lindner zusammen mit seinem zehn-köpfigem Team und führt gleichzeitig die Golfakademie Herzogswalde. 

Spieler erwartet hier eine wunderschöne 9-Loch-Runde, die noch 2016 auf 18 erweitert werden soll. Von der Anlage aus hat man einen herrlichen Blick über das Meißner Hinterland, so dass man schnell den Alltag hinter sich lassen kann. Darüber hinaus gibt es ein großzügiges Trainingsareal mit Driving Range, Pitch, Chip und Putt. Highlight 2015 war sicherlich das Eröffnungsturnier. Der Anspruch des 9-Loch-Kurses ist hoch. Golfer überbrücken von Tee 1 bis Tee 7 rund 45 Höhenmeter. Sehr wellige Fairways sorgen für viele Schräglagen. Platzkenntnisse sind von großen Vorteil – so wird auch eine zweite Runde nicht langweilig. Zurzeit staffeln sich die Mitgliedsbeiträge in Gold (850 Euro), Silber (600 Euro) und Bronze (250 Euro). Der Tagesgreenfee liegt bei 50 Euro, wer nur eine 9-Runde spielen will, zahlt 30 Euro. Marcus Lindner ist seit 20 Jahren leidenschaftlicher Golfer. Vor seinem Welchsel ins Profilager hatte er eine Vorgabe von -0,4 und spielte für den Golfclub Reichswald e.V. in Nürnberg 1. und 2. Bundesliga. Unter der Obhut von Ex-Nationaltrainer Oliver Heuler begann er 2009 seine Ausbildung zum Golflehrer im Golf & Country Club Fleesensee. Er verfügt über C- und B-Trainer Lizenz und ist PGA Professional. Der Golfclub Herzogswalde kann im Jahr rund 2.000 Sportler begrüßen. 

Golfclub Dresden Elbflorenz

Seit 1993 stehen die Türen des Golfclub Dresden Elbflorenz offen. Geschäftsführer Alfred Hagn und Hans Heiner Bouley sowie Clubpräsident Claus Kobold und zehn weitere Mit- arbeiter sind hier von April bis Anfang Dezember aktiv, um den rund 5.000 Gästen, die jedes Jahr die Anlage besuchen, ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Entworfen wurde der Golfplatz von Volker Szidat. 

 

Insgesamt stehen den Spielern 18 Löcher zur Verfügung. Der Platz zeichnet sich durch seine Hügellandschaft aus, was für abwechslungsreiche Bahnen sorgt. Spielerische Raffinessen und Herausforderung fördern jeden Freund des Golfsports. Entschädigt wird man allerdings durch die tolle Landschaft und das reizvolle Ambiente. Zu den wichtigsten bisher gespielten Turnieren gehört das Deutschland Finale der VW Masters Serie, der Länderpokal der Senioren, das Deutschland Finale Wempe Intern, das BMW International und die Mercedes Trophy. In den Genuss des am südlichen Stadtrand von Dresden gelegenen Platzes kamen bereits Frank Peter Roetsch, mehrfacher Olympiasieger, und der ehemalige Biathlet Klaus Siebert. Um neue Mitglieder zu gewinnen, werden regelmäßig Schnupperkurse angeboten. Auch ein Tag der offenen Tür gibt es. Mitglieder zahlen 1.400 Euro im Jahr – das ist die Spielgebühr pro Jahr und der Clubbeitrag inbegriffen. Für eine Runde am Wochenende beträgt das Fee 80 Euro, unter der Woche sind es 60. Auch in der kalten Jahreszeit ist es möglich, auf den Wintergrüns eine Runde zu spielen. Das Clubhaus fügt sich mit seiner offenen Architektur perfekt in die Umgebung ein. In der rustikalen Veranstaltungsscheune finden regelmäßig Events statt. Nach einem langen Tag auf dem Grün kann sich im Restaurant Parkblick gestärkt werden. 

Golfanlage Dresden Ullersdorf

Nur 15 Kilometer östlich von Dresden, zwischen der Prießnitzaue direkt am Rand der Dresdner Heide und dem Stadtteil Weißer Hirsch, liegt die Golfanlage Ullersdorf. Seit der Eröffnung 1996 zählt die 18-Loch-Anlage zu den beliebtesten der Region. In der Saison von März bis Oktober werden rund 25.000 Runden gespielt.


Seit zehn Jahren ist Uwe Neumann Geschäftsführer und sorgt mit den 15 Mitarbeitern für zufriedene Golfer. Zuvor leitete er in Wuppertal ein Hotel und war Gastronom des Golfclubs Bergisches Land. Immer wieder kommen auch lokale Berühmtheiten aus Politik, Wirtschaft und Sport auf den von Olcher Knoop entworfenen Platz. Bach- läufe, eine vielfältige Flora und zahlreiche Wasserhindernisse bieten ein einzigartiges Naturerlebnis. Im Winter können Sportfreunden die Indoorhalle nutzen. 

 

Anfängern und Neugierigen stehen eine Reihe von Schnupperkursen zur Auswahl – mehrfach wurde die Jugendarbeit des Clubs vom Landesgolfverband ausgezeichnet. „Wenn die 900 Mitglieder er- reicht sind, werden wir einen Erweiterungsbau durchführen und einen 9-Loch-Kurzplatz errichten“, verspricht Neumann. Auch Abseits des Golfsports wird einiges geboten. Im öffentlichen Restaurant Il Golfino Franco lässt sich vorzüglich schlemmen. Wer im Winter keine Lust auf Golf hat, kann sich beiausreichend Schnee inden Langlaufloipen austoben. In Ullersdorffanden bereits zahlreicheMeisterschaften des Landesgolfverbandes Sachsen/Thüringen, sowie die Deutschen Meisterschaften der Greenkeeperstatt. Dieses Jahr wird der Länderpokal der Jugend und Senioren ausgetragen. Über 60 Turnierveranstaltungen, viele von Sponsoren, sind es pro Jahr. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 128 Euro im Monat, eine Runde auf der 18-Loch-Anlage kostet zwischen 60 und 80 Euro. „Wir sind eine junge, wachsende Golfanlage und wollen jedermann die Chance ge- ben, sich dem Golfsport zu nähern. Egal ob sportlich ambitioniert oder familienorientiert, ob auf hohem Leistungsniveau oder zum Spaß – bei uns kann jeder sein Golfspiel umsetzen“, so Neumann. 

 

 

Fotos: Stefan von Stengel, PR Golfclub Hetzogswalde, PR GOlfclup Dresden Elbflorenz, PR Golfanlage Dresden Ullersdorf