Wenn eine Gräfin von Dresden schwärmt.

Disy traf Mariella Ahrens, Gräfin von Faber-Castell, bei ihrem letzten Besuch in der Stadt. Sympathisch und temperamentvoll plauderte die Schauspielerin mit Chefredakteurin Anja K. Fließbach über das Schicksal, Herausforderungen, ihre neue Patchworkfamilie und über ihre Liebe zu Dresden.

 

Frau Ahrens, Sie sind ein großer Dresden-Fan ...

Ja, ich bin ganz oft in der Stadt. Manchmal beruflich, aber mei- stens war ich privat hier. Ich liebe den Striezelmarkt und habe schon viele Ausflüge in die Dresdner Umgebung unternommen. Dresden ist so wunderschön und von meiner Stadt Berlin schnell zu erreichen.

 

Sie kannten die Stadt auch schon vor der Wende?

Klar, ich bin doch ein Ostkind und war oft mit meinen Eltern hier. Schon früher haben mich die alten Dresdner Geschichten interessiert. Ich liebe die Elbschlösser, die alten Gebäude in der Innenstadt, eben das Verschnörkelte.

 

Und nun wohnen Sie selbst auf einem Schloss ...

... wir wohnen in Berlin und in Nürnberg. Dort ist die große Ahnengalerie. Aber auf dem Familien-Schloss zu wohnen; ist nicht so mein Ding.

 

Wie fühlt es sich an, plötzlich Gräfin zu sein?

Das nennt man wohl Schicksal. Manchmal bekomme ich selbst jetzt noch eine Gänsehaut, wenn mir das alles klar wird. Besonders, weil bei den Ahnen meines Mannes eine Frau vorkommt, die fast so aussah wie ich und auch noch meinen Namen trug.

 

Glauben Sie an Schicksal?

Im Prinzip schon. Es gibt Dinge, die sind nicht zu erklären und auch etwas gru- selig. Die Sache mit dieser Frau und mir ist schon eigenartig. So im täglichen Leben glaube ich eigentlich auch an das Schicksal. Manchmal sind mir Dinge pas- siert, wobei ich mich erst über die Steine im Weg geärgert habe und dann aber im Nachhinein feststellte, dass diese Steine da genau richtig gelegen haben und diese Wege jeweils die falschen gewesen wären, obwohl ich das damals nicht so gesehen habe.

 

Wo lagen diese Steine in Ihrem Leben?

Nun, vor allem meine ich Castings, bei denen ich bestimmte Rollen nicht bekom- men habe. Aber auch in den Jahren als berufstätige, alleinerziehende Mutter hatte ich es oft nicht leicht.

 

Wie haben Sie es geschafft?

Es war alles eine Frage der Organisation. Ich hatte ein Kindermädchen und teilte mir meine Zeit gut ein. Meine Tochter ist ein sehr selbstständiger Mensch gewor- den mit einer gewissen Stärke. Offensichtlich habe ich alles richtig gemacht.

 

Nun haben Sie nach der Hochzeit mit Graf Faber-Castell und der Geburt Ihres zweiten Kindes eine moderne Patchworkfamilie. Funktioniert das gut?

Für meine Tochter war das am Anfang nicht leicht. Wichtig ist, dass sich das Kind der neuen Situation nicht sperrt. Es ist viel Offenheit und Ehrlichkeit gefragt. Wir haben immer alles besprochen. Aufmerksamkeit ist ganz wichtig – und da muss für alle Familienmitglieder gleichermaßen genug da sein. Bei uns klappt das prima.


Was haben Sie vom Leben gelernt?

Dass man sich eigentlich nur auf sich selbst verlassen kann. Man muss auf seinen Bauch hören und sollte sich vielleicht auch eine gewisse Naivität bewahren. Eine positive Lebenseinstellung ist wichtig, um aus negativen Situationen schnell wie- der rauszukommen. Man sollte immer vorwärts schauen.

 

Sind Sie glücklich?

Selbstverständlich. Schauen Sie sich mein Leben an, meinen Mann, meine Kinder und auch meinen Beruf. Privat kann alles so bleiben, wie es ist, beruflich allerdings stehe ich noch vor großen Herausforderungen.

 

Welche sind das?

Nun, es gibt noch viele Rollen, die ich gern spielen würde. Besonders aber möchte ich aus den Rollen, die ich habe, noch mehr herausholen. Ich möchte psycholo- gisch an den Persönlichkeiten, die ich verkörpere, feilen und nicht mehr in diesem Schubfach stecken.

 

In welchem Schubfach stecken Sie denn?

Durch mein Aussehen werde ich immer als die romantische Frau gesehen: Nied- lich, süß, lieb. Dabei bin ich eine starke Frau und möchte das auch zeigen. Seit 16 Jahren arbeite ich an mir und verbessere meine schauspielerischen Fähigkeiten kontinuierlich. Eine Staatsanwältin würde ich zum Beispiel gern mal spielen.

 

Hat Ihre Teilnahme am Dschungel-Camp bei RTL diese kontinuierliche Arbeit gefährdet?

Ganz ehrlich? Das ist ein Thema, das ist vorbei und abgehakt. Daran mag ich über- haupt nicht mehr denken.

 

Dann sehen wir Sie also nicht so schnell im Dschungel wieder. Aber in Dresden schon, oder?

Auf jeden Fall! Ich komme immer wieder, mit oder ohne Anlass. Zum Beispiel würde ich gern wieder den Opernball besuchen. Da war ich letztens eingeladen und schlichtweg begeistert.

 

Und die anderen Gäste waren von Ihnen begeistert. Besonders von Ihrem Kleid. War schön, oder?

Die Kleider bekommen wir immer von bestimmten Firmen zur Verfügung gestellt. Die schicken mir ein paar zur Auswahl, eines suche ich aus und ziehe es an. Aber wir müssen die Sachen nach den Events wieder zurückschicken.

 

Trotzdem erleichtert das die Abwechslung ...

Dafür sind wir auch oft nach solchen Events in der Presse abgebildet. Für uns wäre es nicht gut, wenn wir dann immer die gleiche Garderobe hätten, und für die Labels ist es gut, wenn Leute deren neueste Kreationen sehen können.

 

Waren Ihre Schuhe auf dem Ball auch geliehen?

Nein, die habe ich gekauft.

 

In Dresden ...

Leider nicht. Die waren von Baldinini, und ich habe sie in Rom gefunden. Ich habe erfahren, dass es in Dresden auch viele Shoppingmöglichkeiten gibt mit bekannten Marken und guten Preisen. Im Kopf hat man erst mal andere Städte wie Mailand, Paris und eben Rom. Aber das mit Dresden kann ja noch werden.

 

Davon gehen wir aus.

Ich meine das nur in Bezug auf das Einkaufen. Sonst kann ich Dresden nur loben: Atmosphäre, Restaurants, Hotels. Ich genieße das stilvolle Ambiente und den Blick auf die Frauenkirche. Diese Kirche ist überhaupt einmalig. Wie so vieles hier.