Den Staturen das Tanzen beibringen

Fotos: Lothar Sprenger

 

Wie die Dresdner Bildhauerin Malgorzata Chodakowska aus Holz und Feuer Kunst erschafft

Nach dem Abitur am Kunstgymnasium in Lodz studierte Malgorzata Chodakowska 1985 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau bei Prof. Janz Kucz. Zwei Jahre später wechselte sie nach Wien und schrieb 1991 ihre Diplomarbeit.

Seit dem lebt sie als freischaffende Künstlerin in Dresden. Chodakowska hatte schon Ausstellungen in Wien, Graz, Tokio, Dresden, Berlin, Leipzig oder Stuttgart. Neben Skulpturen für Brunnen gehören auch Preisskulpturen und Bronzeplastiken zu ihrem Schaffen. "Ich mag perfekte, durchtrainierte und hochästhetische Frauenkörper. Mich fasziniert, wie sich die Schönheit in diesen Körpern ausdrückt", erzählt Chodakowska. Die gebürtige Polin fertigt Skulpturen aus Holz und Bronze an. "Ich habe viele Springbrunnen gemacht, so bin ich auf Bronze gekommen", sagt die Künstlerin weiter. "Viele möchten die Skulpturen auch draußen hinstellen, das verträgt das Holz nicht, Bronze hingegen schon." Also kam sie auf die Idee, von ihren Holzskulpturen Bronze-Abgüsse zu fertigen. Darum sind ihre Werke auf sechs Stück limitiert. "Ihr bildnerisches Schaffen gründet sich auf den handwerklich soliden und künstlerisch souveränen Umgang mit dem Material", schreibt der Direktor der städtischen Galerie Dresden Dr. Gisbert Porstmann über Chodakowska. Für ihre Werke nutzt sie hauptsächlich Eiche und Linde. "Eichenholz lässt sich zwar schwerer bearbeiten, dafür sind die Maserungen wunderschön und spiegeln sich auch bei den Abgüssen wieder. Linde ist das weichere Holz und lässt sich leichter bearbeiten." Für welches sie sich entscheidet, hängt von ihrer Stimmung ab und was sie am Ende ausdrücken möchte. "Manchmal gehen meine Arbeiten eher ins Expressive, dann nehme ich Eiche, oder sie sind etwas ruhiger, dann nehme ich Linde", so Chodakowska. Die Mehrzahl ihrer Werke sind Frauenkörper. Für weibliche Bildhauer ist das etwas ungewöhnlich. "In der Kunstgeschichte gab es nicht viele Bildhauerinnen, die weibliche Körper geschaffen haben. Ich glaube es ist interessant, wie eine Frau einen weiblichen Körper fühlt, interpretiert, und daraus eine eigene Sprache macht." In letzter Zeit hat sie viele Tänzerinnen angefertigt. Zur Inspiration geht sie ins Ballett oder holt sich Palucca-Schülerinnen ins Haus. "Diese expressiven Tänze, die Bewegung, das alles begeistert mich immer wieder", verrät sie. "Wenn ich eine Figur schnitze, dann basiert die nicht nur auf einer einzigen Person. Da befinden sich häufig drei oder vier Tänzer drin, die ich dann durchmische. Ich glaube, das macht es erst interessant." Bei aller Inspiration durch Tänzer, am Anfang entstehen ihre Werke im Kopf. Die ersten kleinen Skizzen überträgt sie dann im Maßstab 1:1 auf eine große Leinwand. "Ich muss schließlich wissen, wie viel Holz ich brauche. Nicht, dass es mir am Ende ausgeht und der Figur der Fuß fehlt", sagt sie und muss lachen. Nach der Idee kommt die handwerkliche Arbeit. Auf Dreibein und Laufkatze werden die massiven Baumstämme im Atelier bewegt. Die Größe des Ausgangsmaterial ist nur in einigen ihrer Werken zu erahnen. Dann wird die Skizze auf das Holz übertragen. Mit einer Kettensäge bringt sie das Holz grob in die spätere Form. Mit Stechbeitel und Eisen erledigt sie anschließend die Feinarbeit bis zur fertigen Skulptur. In naher Zukunft plant sie eine Kooperation mit Tänzerinnen von der Semperoper. "Darüber bin ich sehr glücklich und vor allem neugierig, was dabei herauskommt", so Chodakowska.