Lob der Romantik - Frühling 2007
Wie immer an dieser Stelle ist es Zeit, über Gefühle, Romantik und Beziehung zu sprechen. „Das sind drei sehr schöne Dinge.“ Damit ist genug gesagt, zumindest aus meiner Sicht. Da der deutsche Mann nun eher selten zu emotionalen Eruptionen neigt, hat sich das Syndikat der Geschenkwaren-, Schokoladen- und Blumenindustrie den Valentinstag ausgedacht, nur mit dem einen Ziel, die Männer der westlichen Welt zu quälen und auszurauben.
SOLLEN wir über das ganze Jahr verteilt, aufmerksam und romantisch sein, MÜSSEN wir es am Valentinstag auf alle Fälle. Ähnlich wie das Weihnachtsfest bereits Mitte September in den Geschäften heiß beworben wird, ist auch kurz nach Silvester der erste Hinweis auf den verwünschten 14. Februar im Blumenladen ihres Vertrauens zu erhaschen. Strategisch klug zwischen Heiligabend und Ostern gelegt, dürfen wir unsere Liebste mit Dingen beglücken, die niemand braucht: Blumen, Ohrringe und Essen bei Kerzenschein.
Als Mann will ich doch sehen, was ich auf dem Teller habe! Und natürlich soll nicht nur gegessen werden, sondern man (also Frau), verlangt nach angenehmen Gesprächen. Laut Statistik kommt ein länger verheiratetes Paar auf durchschnittlich acht Minuten Gesprächszeit täglich. Je nach Partnerin kann das eine verdammt lange Zeit werden. Und warum, um alles in der Welt, dieser pathologische Zwang, sich an Blumen zu erfreuen?
Und das mitten im Winter. Wäre der Valentinstag im Mai oder Juni, könnte man im Botanischen Garten einfach ein bisschen Ziergemüse mopsen. So aber kommen die bunten Geldvernichter aus aller Herren Länder in die hiesigen Blumenläden, um von uns armen Trotteln gekauft und verschenkt zu werden. Das obligatorische Abendessen kommt oben drauf, und das, obwohl man seit Anfang Januar ständig zu hören bekommt: „Ich hab über die Feiertage wieder sooo zugenommen, ich muss unbedingt was machen.“ Wenn ich nun also statt allergiestreuender Pflanzen und zwielichtigem Essen ein Paar Laufschuhe oder ein Springseil schenken würde, bekäme ich dann ein großes Lob?
Wohl eher nicht, vielmehr eine geklebt und einen Schlafplatz auf der Couch. Dabei sollen wir Männer doch beim Schenken immer so kreativ sein! Unter uns Geschlechtsgenossen ist das einfach: geschenkt wird einfach das, was einem selbst gefällt. Außer beim Chef, der bekommt was Langweiliges, Unverbindliches. So sehr sich nun der Handel aber auch bemüht, mich auf jeden erdenklichen und fragwürdigen Anlass zum Beschenken hinzuweisen, bei einer Sache versagt er voll: Der Geburtstag der Frau!
Und das ist eine schreiende Ungerechtigkeit, denn nichts ist der Göttergattin/Lebensabschnittsgefährtin wichtiger, als dieser Tag. Zwar ist die Trauer über das nahe Ende und den (eingebildeten) Verfall alljährlich immer groß, doch diesen Tag, sagen wir, aus Höflichkeit, zu vergessen, kommt einem Todesurteil gleich, und die bereits erwähnte Schlafcouch kann, mitsamt Schlafgast, gleich für ein paar Wochen in die Garage geschoben werden.
Andererseits, ICH möchte nicht, das mein Geburtstag vergessen wird! In jungen Jahren wäre das meiner Mutter fast einmal passiert und nur der gleichzeitige Ehrentag unseres (damaligen) ZK-Vorsitzenden bewahrte mich vor einem quälenden und traumatischen Kindheitserlebnis. So hat sich aber alles bestens entwickelt, gelegentlich telefoniere ich sogar noch mit ihr. Männer zu beschenken ist dabei so einfach.
Die größte Freude hatte ich bei Präsenten, die fast nichts gekostet haben. Der Angebeteten aber nur etwas im zweistelligen Betrag zu kredenzen, kann MANN sich abschminken. Da heißt es klotzen statt kleckern. Aber bitte: Neun von Zehn Männern sind biogenetisch verpflichtet, Frauen zu begehren. Und damit kann ich mich ganz gut anfreunden, denn die Alternative erscheint mir wenig reizvoll. Da soll sich der heterosexuelle Mann ruhig mal etwas anstrengen, um die Partnerin zufriedenzu stellen.












