Lisa Batiashvili

Fotos: © Matthias Creutziger/DG

Ihre Stradivari singt, wenn Lisa Batiashvili mit dem Bogen über die Saiten streicht. Die warme musikalische Farbe ihres Spiels und ihre künstlerische Reife haben Lisa Batiashvili zu einer der führenden Geigerinnen der Welt in ihrer Generation gemacht.

 

Zierlich, elegant und bescheiden wirkt Lisa Batiashvili bei unserem Gespräch. Sie duftet nach „Jasmin Noir“ von Bulgari, die blonden Haare fallen ihr locker auf die Schultern, sie trägt ein goldenes Kreuz von ihrer Patentante um den Hals. Nach einigen Jahren in Frankreich ist sie jetzt wieder nach München zurück gekehrt. „München hat mir gefehlt,“ sagt sie.

 

„Bei mir kam alles ganz langsam, alles Stück für Stück. Und es ist natürlich toll, mit all diesen hervorragenden Orchestern zusammenzuarbeiten und sich als Teil dieser Gruppe empfinden zu können. Es macht ein bisschen süchtig.“

 

Lisa Batiasvhili hat bereits erreicht, wovon andere Musiker nur träumen können. Überstürzt hat sie jedoch in ihrer Karriere nichts: „Bei mir kam alles ganz langsam, alles Stück für Stück. Und es ist natürlich toll, mit all diesen hervorragenden Orchestern zusammenzuarbeiten und sich als Teil dieser Gruppe empfinden zu können. Es macht ein bisschen süchtig,“ lacht sie.

Sie kann ihren Erfolg genießen. „Es geht ja nicht nur darum, einen vollen Kalender zu haben und ständig aufzutreten. Ich möchte etwas machen, was wertvoll ist, Spaß macht und einen besonderen musikalischen Hintergrund hat. Deshalb liebe ich es auch so, Artist in Residence oder eben Capell Virtuosin zu sein. Es ist schön, wenn ich Dinge mitgestalten kann.“ Lisa Batiashvili ist mit dem französischen Oboisten François Leleux verheiratet, hat zwei Kinder, 8 und 4 Jahre.

„Unsere Kinder sollen beide wenigstens eine minimale musikalische Ausbildung bekommen, aber sie sollen selbst entscheiden, wie sehr sie diese Leidenschaft, die Geduld und das Durchhaltevermögen für eine Musiker-Karriere aufbringen können.

 

„Der Ton muss ins Herz treffen.“

 

Der Kleine hat großes Interesse für Musik, die Große nicht.“ Schlimm? „Nein, gar nicht. Ich würde mich sehr freuen, wenn meine Kinder etwas ganz anderes machen würden, damit ich auch mal etwas anderes als Musik kennenlerne“, lacht sie. Sie selbst wollte bereits mit vier Jahren Geigerin werden. „Ich hatte keine Geschwister und habe mich immer mit Musik beschäftigt. Ich hatte diese Leidenschaft und die Geduld, denn auf der Geige braucht man besonders viel davon.“ Seit sechs Monaten spielt Lisa Batiashvili die berühmte Stradivari Ex-Joachim, eine Leihgabe der Nippon Foundation. Ihre Geige im Taxi vergessen, das würde ihr wohl nicht passieren: „Ich bin zwar ein chaotischer Mensch, aber mein Instrument würde ich niemals liegen lassen. Dazu bin ich zu konzentriert auf sie.“ Was macht eigentlich den „guten Ton“ einer Geigerin aus? Ist das Technik? „Nein, nicht Technik. Der Ton ist wie die Stimme bei den Sängern, fast angeboren. Das ist das einzige, woran ich nie gearbeitet habe. Der Ton ist in einem drin. Wenn man sich selbst zuhört und man möchte diesen bestimmten Ton erzeugen, dann kommt er auch. Ich denke nicht, dass man unbedingt immer ,schön´ spielen sollte, aber der Ton sollte ins Herz treffen.“ Bestimmte Rituale am Konzerttag, wie viele ihrer Kollegen, braucht Lisa nicht. Ihr Rezept: „Einfach ganz normal den Tag verbringen und ein paar Stunden vorher seine Ruhe finden und konzentrieren. Wenn man den ganzen Tag angespannt ist vor einem Konzert, kann das sehr anstrengend sein.“

Für die meisten Werke in der Musikwelt gibt es zigfach verschiedene Interpretationen. Will man eine CD kaufen, sind Laien oft verwirrt, weil es so viele verschiedene Aufnahmen gibt. Muss das denn sein?

„Eine Interpretation kann alles verändern. Auch Bach zum Beispiel kann so grässlich sein, wenn er schlecht interpretiert ist. Ich möchte etwas Frisches bringen, was ehrlich und von Herzen kommt. Jedes Publikum merkt, ob man als Musiker davon überzeugt ist und von Herzen spielt oder nicht. Am Ende ist es genau das, was einen Künstler eben zu einem Künstler macht. Die große Suche nach der richtigen Art. Wir leiden sogardaran, das gehört einfach dazu.“ Hat jemand wie Lisa Batiashvili noch Träume, Wünsche, Ziele? „Ja klar, und die werden sogar Wirklichkeit. Ich möchte gerne in Zukunft noch mehr Kammermusik machen, ein eigenes Ensemble gründen. Und mehr Barock spielen.“ Und ihr ultimativer Tipp für junge Nachwuchsmusiker: „Bleibt Euch treu, hört Euch selbst immer gut zu. Versucht, bei all den Möglichkeiten, die ihr heutzutage habt, immer den eigenen Weg zu finden.“ Lisa Batiashvili und François Leleux sind ein Traumpaar der Klassikszene. Gemeinsam mit ihrem Mann steht sie jetzt wieder in München auf der Bühne des Prinzregententheaters. Auf dem Programm: Johann Sebastian Bachs Doppelkonzert c-moll für Violine, Oboe und Orchester , das Konzert g-moll für Violine und Orchester, das 3. Brandenburgisches Konzert G-Dur für Orchester und Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“.

 

Ihre Karriere

Die junge georgische Virtuosin spielt regelmäßig mit den besten Orchestern Europas und der USA und gastiert bei den Festivals von Schleswig-Holstein, Salzburg, Edinburgh, Verbier, Heimbach und Tanglewood. Ihren internationalen Durchbruch erlangte sie 1995, als sie im Alter von 16 Jahren als jüngste Teilnehmerin den 2. Preis beim Sibelius-Wettbewerb in Helsinki gewann. Zahlreiche Auszeichnungen wurden ihr seitdem zuteil, darunter ein MIDEM Classical Award sowie ein ECHO Klassik. Seit dieser Spielzeit ist Lisa Batiashvili Capell-Virtuosin der Staatskapelle Dresden. Außerdem ist sie in dieser Saison auch Solistin beim WDR Sinfonieorchester Köln und es folgen Begegnungen mit Daniel Barenboim und der Staatskapelle Berlin, mit Gustavo Dudamel und den Göteborger Symphonikern, mit Thomas Hengelbrock und dem NDR Sinfonieorchester, sowie mit Mariss Jansons und dem Royal Concertgebouw Orchestra. Sie ist zudem erneut Gast bei den Berliner Philharmonikern unter Iván Fischer und beim New York Philharmonic Orchestra, dem Boston Symphony Orchestra und dem Gewandhausorchester Leipzig jeweilsuunter Alan Gilbert. Seit letzter Spielzeit ist sie auch in Dresden künstlerisch zuhause. „Ich finde Dresden unglaublich entzückend und habe großen Respekt vor den Menschen, die die Stadt auf diesem hohen Niveau wieder aufgebaut haben. Die Staatskapelle ist fantastisch, ein Orchester mit dieser Geschichte! Und die Zusammenarbeit mit Christian Thielemann ist etwas ganz Besonderes: Ich bin fasziniert von seiner Kraft, seiner Spontanität. Alles, was er hat, gibt er für die Musik. Die Stimmung ist sehr gut bei den Musikern, alle freuen sich auf die Saison“, schwärmt sie.