Ich bin ein Eroberer - Kolumne eines Dresdner Mannes: Disy Frühling 2006

Manchmal wäre ich gern Napoleon gewesen oder Caesar. Siegeszüge, Ehre, Ruhm zum einen. Das Planen, Anvisieren von Zielen und den Kampf darum zum anderen. Das ist, glaube ich, in vielen meiner Artgenossen verankert. Die Wissenschaftler schieben unseren Jagdinstinkt zwar auf die Urzeit. Aber mir gefällt die Vorstellung von den prachtvollen Genüssen und Festen im alten Rom mehr als das rohe Schlachten von Tieren und das Herrschen über eiskalte, steinerne Höhlen.

Fakt ist: Der Jagdinstinkt ist in uns allen. Ich unterhalte mich oft und gern mit Frauen darüber. Die Frage, die ich immer wieder gestellt bekomme: Warum uns Männer manche Frauen reizen und andere, die vielleicht noch hübscher sind, nicht? Es gibt zwei Faktoren. Zum einen haben manche Frauen einfach das „gewisse Etwas“. Sie kommen nicht einfach irgendwo hin, sie erscheinen, treten auf und füllen den Raum mit ihrer Aura.

Automatisch müssen wir hinschauen, werden angesteckt von ihrem Lachen, beobachten ihre anmutigen Bewegungen, sind gebannt von ihren Worten. Natürlich wird die Wirkung durch übliche Schlüsselreize wie ein geöffneter Mund, das Zurückwerfen der Haare, ein üppiges Dekolleté, schlanke Beine verstärkt. Aber diese besonderen Frauen brauchen das nicht einmal, um unsere Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich kenne eine, bei der das ganz besonders ausgeprägt ist. Erinnern Sie sich? Die, von der ich dachte, sie wäre meine große Liebe. Sie hat etwas, was ich auch nicht erklären kann.

Es wirkt auf jeden Fall. Der zweite Punkt, durch den eine Frau uns besessen machen kann, ist die Flucht. Das klingt vielleicht ungewöhnlich. Aber je kühler sich die Frau gibt, je weniger sie sich für uns interessiert, umso wilder macht sie uns. Es gibt nichts Schlimmeres als Frauen, die einem nachlaufen. Eine dezente Kühle hingegen, ein Hauch Arroganz - die Verlockung schlechthin. Dann müssen wir nämlich unsere alten Jagdinstinkte herauskramen und uns beweisen. Ein Plan, ein Kampf, ein Sieg. Herrlich.

Was Sie machen können, um Ihre große Liebe zu bekommen, meine Damen? Gar nichts. Geben Sie ihm am Anfang einen Augenaufschlag, ein freundliches Wort, ein dezentes Lächeln. Er muss zumindest wissen, dass es Hoffnung gibt. Dann verschwinden Sie aus seinen Augen. Wenn er interessiert ist, ruft er an. Wenn er verliebt ist, lässt er nicht locker. Wenn er sich nicht meldet, vergessen Sie es. Auf keinen Fall dürfen Sie ihn anrufen oder ihn gar einladen. Sagen Sie auch mal nein, wenn er Sie zu einem romantischen Essen entführen will. Ein „Ich habe leider schon was vor.“ macht uns wild. Gibt es da einen Konkurrenten? Unser Jagdfieber steigt und steigt.

Lassen Sie uns zappeln. Je länger wir kämpfen müssen, desto mehr werden wir Sie dann mögen oder gar lieben.

Kleiner Tipp:

Ein paar Häppchen zwischendurch braucht Ihr Verehrer aber, sonst verliert er irgendwann das Interesse oder verhungert auf halbem Wege.

Für den Sieg wünschen wir uns ein Gelage wie zu Caesars Zeiten mit Trauben und edlem Wein. Das wäre der perfekte Lohn.

 

(Disy Frühling 2006)