Vom Grillen und fetten Hunden - Kolumne von Christina F. : Disy Herbst 2005
Obwohl schon September, ist die Luft wie Seide, warmer, leichter Abendwind, Grillen zirpen und ein mediterranes Flair auf meiner Dachterrasse.
Neben Rosen, Petunien und Geranien verströmen Thymian, Rosmarin, Salbei und Lavendel einen herrlichen Duft. In diesen Duft mischen sich plötzlich andere Gerüche. In den Kleingärten vor dem Haus wird gegrillt. The same procedure as every year. An allen Tagen mit Temperaturen über dem Gefrierpunkt wird da gegrillt.
Sie merken schon, meine geschätzten Leser, ich kann Grillen nicht leiden. Und das kam so:
Ich war zu einer Grillparty bei meiner Freundin Carla eingeladen. Schön, dachte ich, Carla hat einen herrlichen Garten, bestimmt interessante Gäste und ich freute mich aufs Essen. Am Vorabend der Party stammelte eine völlig entnervte Carla, dass der bestellte Flüssigbeton jetzt kommt, und dass das Loch für den Gartenpool noch ausgehoben werden müsse. Aus der Gartenparty würde nichts und ob ich nicht meine Terrasse zur Verfügung stellen könnte und sie bringe auch alles mit. Ich tat es nicht gern, aber ich tat es. Räumte meine Dachterrasse so, dass zehn Personen Platz hatten, stellte den Elektrogrill auf, wischte vorsichtshalber noch mal durch Küche, Bad und Wohnzimmer und wartete auf Carla. Sie rief an und sagte, dass sie auch warte und zwar auf ihre Zwillinge, die vom Spielen noch nicht zurück wären. Aber ich solle mich nicht beunruhigen, ihr Mann und Doris (meine andere Freundin) würden schon mal das Essen und die Getränke bringen.
Das hatte mir gerade noch gefehlt. Nicht, dass ich etwas gegen die Zwillinge hätte, aber ich hatte eben bloß eine Dachterasse und die Siebenjährigen waren für ihren „Einfallsreichtum“ bekannt. Und hoffentlich ließ Doris ihren Oskar zu Hause. Doris war „alleinerziehend“ und bei dem vierjährigen Oskar waren ihre pädagogischen Kniffe und Tricks fehlgeschlagen. Außerdem war er zu groß und zu fett für sein Alter und ich mochte Oskar nicht.
Als es an der Tür klingelte und mein kleiner Yorkshireterrier wie immer laut bellte, kam von draußen das „Echo“. Ich öffnete und der Stoß einer sabbernden Hundeschnauze vor die Brust brachte mich zum Straucheln. Geistesgegenwärtig nahm ich meinen Zweikilohund auf den Arm und rettete ihm damit wahrscheinlich das Leben, denn da standen Doris und Dogge Oskar. Nach vielem Hin und Her und Oskar wolle nur spielen und er tue ja nichts, wurde Hund Oskar trotzdem auf der Terrasse angebunden. Carla hatte alles top vorbereitet, köstliche Salate, eingelegte Steaks, Hühnerbeinchen und eine spritzige Bowle. Ihr Mann fing mit dem Grillen an und nach und nach kamen die Gäste. Ich kannte sie alle nicht und ob sie interessant waren, konnte ich nicht feststellen, denn ich musste meinen Hund ständig auf dem Arm tragen und außer Sichtweite Oskars bringen, sonst führte der sich auf wie der Hund von Baskerville. Als Carla mit den Zwillingen kam, hatten wir mit dem Essen bereits begonnen, das heißt ich nicht, denn jetzt hatte ich zu tun, meinen Yorkshire vor den groben Liebesbezeugungen der Zwillinge zu retten. Wahrscheinlich sahen sie ihre Grobheiten ein, denn sie entschuldigten sich bei mir mit einem selbst gepflückten Blumenstrauß aus meinen Terrassenkübeln.
Doris‘ neuer Freund schaute mit drei Kumpels vorbei und blieb. Zwei Nachbarn beschwerten sich wegen der Lautstärke, obwohl es nicht mal 22 Uhr war, und blieben auch. Die Zwillinge bekrümelten meine Couch und sahen einen Film, der sicher nicht jugendfrei war, Oskar hatte sein kleines Geschäft auf die Terrasse gemacht, und Carlas Mann fegte beim gestenreichen Erzählen einige Gläser und Teller vom Tisch. Als ich endlich meinen kleinen Hund auf einen anderen schützenden Arm setzen konnte, waren die Würstchen alle, zwei leicht angekohlte Steaks und nur Reste der Salate waren für mich übrig geblieben.
Am nächsten Tag beseitigte ich das Chaos auf der Terrasse und in der Wohnung. Abends holte Carla ihr Geschirr ab, bedankte sich und meinte, es wäre eine tolle Party gewesen und wir könnten das doch mal wieder machen. Von mir aus, sie kann – ich nicht!
Jetzt wissen Sie, warum ich Grillen nicht leiden kann.
(Disy Herbst 2005)












