Ich bin nicht allein. Wie schön das ist.
Ich bin nicht allein. Wie schön das ist. Endlich, dank der neuen Zeitschrift aus der Disy-Familie, SOLO, weiß ich, dass es viele gibt, die wie ich als Single das Leben genießen. Nach ihren Leserbriefen, meine Lieben, hatte ich schon manchmal wirklich geglaubt, ich sei ein egoistischer Macho, der selbstherrlich über Dingen wie Beziehungen und Frauen steht. Aber nein, wir Singles sind viele. Wir sind eine Macht.
Nur, viele meiner Kumpels sind sich dieser Macht nicht bewusst. Sie jammern, dass sie keine Frau finden würden. Schaut doch mal auf die Straße, Jungs. Tausende, Millionen – wie kann man da keine finden. Nur ist das mit den Männern so wie mit Ihnen, liebe Frauen. Ansprüche. Nummer eins: Schön soll sie sein. Ein Mann, der erzählt, das Aussehen spiele keine Rolle, spinnt. Groß und schlank. Das ist eben so. Wir wollen stolz auf die Dame unseres Herzens sein. Schließlich unterstreicht sie auch unseren Wert. Zu groß ist auch nicht gut, sie soll noch zu uns aufschauen können. Beim Busen, nun da sind die Männer unterschiedlicher Meinung. Ohne Statistiken zu kennen, würde ich behaupten: 70:30. Das Verhältnis der Männer, die es lieber üppig mögen, zu denen, die mit flacheren Oberweiten zufrieden sind.
Gut, Figur und Aussehen haben schon immer eine Rolle gespielt. Neuerdings haben wir Männer aber auch noch Ansprüche, was den Intellekt einer Frau angeht. Nicht bei den schnellen Dingern, logo. Da ist es wirklich egal, ob die Frau reden kann oder nur Tschechisch spricht. Aber wenn es um eine feste Beziehung geht, da wollen wir geistiges Niveau. Gute Unterhaltung, Herausforderung, Tiefgang. Offiziell behaupten heute viele Männer, sie wollen starke Frauen. Nun, ehrlich gesagt, da glaube ich, ist wohl eher der Wunsch Vater des Gedankens. Wir würden gern auf starke Frauen stehen, weil sie meist die schöneren und charismatischeren Mädels sind. Doch wirklich zufriedener wären wir mit einer liebevollen, sexy Hausfrau, die uns bekocht und für unseren Lebensbackground sorgt. Aber das ist nicht mehr modern und mit diesen Wünschen ist man bei jeder Frau gleich unten durch.
Kein Wunder also, dass wir Singles immer mehr werden. Wir wollen, womit wir nicht umgehen können, bekommen, was wir nicht haben wollen ,und wissen zum Schluss gar nicht mehr, wer wir sind. Seit Jahren, sie liebe Stammleserinnen wissen es, seit Jahren gibt es da diese Frau. Die, von der ich dachte, sie wäre meine große Liebe. Ich will sie. Immer noch. Aber sie würde mich überfordern, ich hätte sie nicht im Griff. Also hatte ich Beziehungen, mit denen ich gut klar kam, aber Frauen, die ich eigentlich nicht wollte.
Verrückt. Die Schöne war dumm. Die Häusliche hässlich. Die, die dreimal in der Nacht Sex wollte, war arbeits- und niveaulos. Die, die ganz okay war, engte mich ein. Und die tollste Frau der Welt, die von der ich dachte …, na Sie wissen schon. Die kriege ich nicht. Also: Was soll ich machen. Single bleiben. Genau. So, wie die meisten meiner Kumpels. Ja, es kommen immer mehr auf meine Seite. Sie waren verheiratet, liiert, verlobt – was sind sie jetzt? Singles. Und was erzählen sie? Die Schöne war dumm. Die Häusliche hässlich … „Es hat irgendwie nicht gepasst“, heißt das. Es kann nicht passen! Das liegt nicht an Ihnen, liebe Damen. Schuld sind wir selbst. Wir stehen dazu, und – wir lieben es.
(Disy Herbst 2006; Kolumne eines Dresdner Mannes, der nicht erkannt werden möchte)












